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Wolfsmond ::: Stephen King |
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Das hätte ein Ereignis werden können: nach Jahren des Wartens erscheint endlich die langersehnte Fortsetzung der Geschichte, die in beispielloser Weise genreübergreifend gleichzeitig Horrorstory, Science-Fiction, Western, Thriller, Fantasy und Liebesroman verarbeitet. Knapp 25 Jahre ist es nun her, als King mit "Schwarz" seinen ersten Band aus der monumentalen Reihe "Der dunkle Turm" veröffentlichte. Damals verkündete er, dass er selbst noch nicht genau wüsste, wohin ihn die Strapazen des Revolvermanns noch überall führen würden. Lediglich über den Gesamtumfang (sieben Bände) ließ er in den letzten Jahren einiges verlauten. Bedauerlicherweise schien in dieser voreiligen Verkündung gleichzeitig ein Problem zu liegen: wenn also kontinuierlich die - durchaus spannende - Odyssee einer illustren Reisegruppe weiter erzählt werden sollte, so mussten die Protagonisten noch eine Menge Fersengeld geben. Oder anders: wenn denn die Rettung der Welt (und damit aller Welten) letztendlich mit einem riesigen, kollektiven Aufatmen vonstatten gehen soll, muss bis zum Schluss noch eine Menge geschehen, um den treuen Leser bei der Stange zu halten. Natürlich tut es das auch im fünften Band, nur wird Quark nicht besser, wenn er breitgetreten wird.
Leider trifft auf Teile von "Wolfsmond" eine Behauptung zu, die gerne immer wieder von King-Gegnern in Feld geführt wurde, nämlich der Autor würde zu weit ausholen, um endlich auf den Punkt zu kommen. Ich habe als überzeugter King-Fan (der ich nach wie vor bin) an dieser Stelle immer angeführt, dass dieser Mann tatsächlich die Fähigkeit besitzt, packende Geschichten zu erzählen – gerade auch weil er es versteht, den Spannungsbogen langsam aufzuziehen (was er durchaus nicht immer tat, denn King kann auch mal einfach derbe drauf los hauen). Diesmal allerdings hat er ihn aber ganz deutlich überspannt: "Wolfsmond" ist ein klassisches Beispiel für die Volksweisheit "weniger wäre hier mehr gewesen". Die Hälfte der 850 Seiten hätte sicherlich ausgereicht, um eine weitere spannende Etappe im Leben des Revolvermanns und dessen Gefährten zu schildern. Dann könnte man weiterhin von einer tollen Geschichte reden, die alles hat, was an King schätzenswert ist, - inklusive abgekauter Fingernägel, senkrecht stehender Nackenhaare und schlafloser Nächte aufgrund des überhöhten Lesepensums. Aber leider ist "Wolfsmond" ein großer, dicker Lückenfüller geworden, der Hoffen lässt, dass die noch verbleibenden Bände (die beide noch 2004 erscheinen sollen) die frühere Klasse erreichen.
Da King bereits seinen Abschied aus der Schriftstellerei angekündigt hat, wäre ein entsprechend furioses Finale durchaus wünschenswert. So jedenfalls fügt er seinem Ruf nur unnötigen Schaden zu.
Norbert Striemann
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