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Nummer sechs ::: Veronique Olmi |
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Fanny ist der Nachkömmling der Familie, stets war sie das Nesthäkchen. Fünf Geschwister stehen aufgrund der ergangenen Geburtenfolge über ihr. Ihr ganzes Leben hat Fanny ihre Liebe auf den Vater konzentriert, dem jedoch die teilweise überzogene Zuneigung seiner Jüngsten nie bewusst wurde. Als Kleinste, als Nachzüglerin, war sie für den Vater eigentlich nie richtig präsent. Stets musste sie um seine Aufmerksamkeit kämpfen, innerlich bettelnd um ein kleines bisschen Anerkennung.
Nun aber, viele Jahre später, ist der Vater ein Pflegefall geworden und die Geschwister sind damit beschäftigt, schon einmal Hab und Gut zu verteilen. Fanny hingegen hat ihre ganz spezielle Form der Erbübernahme angetreten: Sie kann sich um den Vater kümmern und niemand wird – und will – sie daran hindern. Die Mutter ist bereits verstorben und hat schon vor einiger Zeit den Platz an seiner Seite geräumt, der jetzt endlich frei ist – frei für sie.
Dies ist ihre letzte Chance, ihm, dem stetigen Mittelpunkt ihres Lebens, ihre Zuneigung zu beweisen – nur ist das einstige Familienoberhaupt bereits geistig verwirrt. Kommt dieser Annäherungsversuch zu spät?
Veronique Olmi schildert in dieser eindringlichen Story, wie eine Frau um die Anerkennung kämpft, die sie im Laufe ihres ganzen Lebens erfolglos bei ihrem Erzeuger gesucht hat und es ist abermals beeindruckend, mit welcher Intensität die Autorin ihre verblüffenden kleinen Geschichten erzählt.
Ähnlich wie in "Meeresrand" (das im letzten Jahr an dieser Stelle besprochen wurde und derzeitig verfilmt wird,) beeindruckt Olmis‘ Roman durch die zielgerichtete Sprache. Ähnlich wie in "Meeresrand" weiß der Leser am Anfang nicht genau, wohin die Reise geht, ist aber vom ersten Wort an gefesselt.
Kleine Geschichten aus dem nicht ganz so alltäglichen Alltag, auf das Wesentlichste reduziert und auf den Punkt gebracht – das ist die Stärke dieser jungen französischen Theaterautorin. Ihr zweiter Roman beweist, was die Kritik schon bei ihrem Erstling lauthals verkündete: Eine Autorin mit großer Zukunft.
Norbert Striemann
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