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  Die Macht des Volkes ::: Jacques Tardi/Jean Vautrin
Review

Die Macht des Volkes - 1. Die Kanonen des 18. März
Die Macht des Volkes
1. Die Kanonen des 18. März
Jacques Tardi/Jean Vautrin
Edition Moderne 2002
 
Roman-Adaption
80 Seiten, 17.50 Euro

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Aufstand der Arbeiterklasse: Mit der Roman-Adaption "Die Macht des Volkes" legt der französische Comic-Künstler Jacques Tardi ein opulentes Epos über die Pariser Kommune von 1871 vor.

Wie keinem anderen unter den vielen hochkarätigen franco-belgischen Comic-Künstlern gelingt es Jacques Tardi in seinen Erzählungen immer wieder, die Befindlichkeiten der französischen Seele zwischen dem vermeintlichen Glanz der Grande Nation und dem Dreck kleiner, schmutzig-schäbiger Viertel abseits der Pariser Pracht-Boulevards abzubilden. Mit seinem als Trilogie angelegten Erzählung "Die Macht des Volkes" wirft Tardi, bekannt vor allem durch die Abenteuer des von Léo Malet geschaffenen Privatschnüfflers "Nestor Burma", seine Leser mitten hinein in die Wirren Frankreichs am Rande eines Bürgerkriegs.

Im März 1871 wird das Land von Massenstreiks und blutigen Straßenkämpfen erschüttert. Der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse hat sich bis zur Eskalation verschärft, und der revolutionäre Gemeinderat, die "Pariser Kommune", strebt die Umwandlung Frankreichs in einen Bund souveräner Gemeinden an. Die Hintergründe des erbitterten Klassenkampfes, der nach 72 Tagen mit einer Niederlage der revolutionären Kräfte und der Erschießung von 20.000 Kommunarden endet, erzählen Tardi und der Romancier Jean Vautrin mit großer dichterischer Finesse, indem sie die Schicksale der verschiedensten Charaktere miteinander verknüpfen.

Da ist zum Beispiel der schmucke Hauptmann Tarpagnan. Der weigert sich, seine Soldaten auf die Kommunarden, jene wenig homogene Interessensgemeinschaft aus Bürgern, Lumpenproletariat und Dichtern, aber auch Halsabschneidern und Messerstechern schießen zu lassen, und gerät dabei in den Sog der freizügigen Asphalt-Nachtigall Gabriella Pucci. Und dann ist da der ehemalige Kettensträfling Horace Grondin, der nun als Polizeispitzel auf der anderen Seite des Gesetzes steht und den Regierungstruppen zuarbeitet. Horace glaubt in Tarpagnan den Mörder seiner Pflegetochter zu erkennen und sinnt auf blutige Rache. Das tut auch Caracole, einer der gefährlichsten Vorstadtbanditen und Zuhälter von Gabriella. Tarpagnan hat ihn übel verdroschen und einer wie Caracole vergißt so etwas nicht...

Es geht also um große und niedere Gefühle, um heiße Liebe und bösen Verrat, um Mord und Totschlag, um egoistische kriminelle Gier und um hehre Ideale. Ein pralles, lebendiges Sittengemälde ist Tardi gelungen und "episch" ist die Vokabel, die den Geist dieser im für ihn im typischen Schwarz-Weiß-Stil gezeichneten Erzählung am besten trifft. Der Zeichner, heute selbst längst ein Klassiker unter den Bildergeschichtenerzählern, bewegt sich ganz im Geiste der großen französischen Volks-Romanciers. Und Autor Vautrin verweist im Vorwort darauf, dass die penible Milieu-Zeichnung Tardis nicht nur dem Paris Victor Hugos gerecht wird, sondern genauso auch das London von Charles Dickens illustrieren könne. Im panorama-freundlichen Querformat zeichnete Tardi so einen schrecklich-schönen Bilderreigen, der Marcel Carnes Kino-Meilenstein "Kinder des Olymp" ebenso nahe steht, wie Hugos "Die Elenden". Damit sollte es Tardi gelungen sein, endlich in den Olymp der besonders schönen französischen Künste aufzusteigen.
 
Andreas Kötter

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