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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Ryan Adams - Gold |
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Am Anfang war der Druckfehler - irgendwann im Laufe des Jahres 2001 fiel er mir auf. "Oh, der olle Bryan Adams hat wieder ein neues Album rausgebracht, gähn, bestimmt langweiliger denn je, graus." Aber der vermeintliche Druckfehler entpuppte sich dann doch als korrekte Schreibweise: Der Typ, der da in verschiedenen Presseorganen als Hoffnung der Rockmusik gepriesen wurde, hieß tatsächlich Ryan Adams. Das gibt mir die Zuversicht, vielleicht eines Tages als Nick Jagger, Tim Morrison oder Raoul McCartney eine Rockkarriere starten zu können.
Das also ist Ryan Adams, hochgejubeltes musikalisches Genie, das "größte Talent des Jahres 2001", der neue Guru des deutschen Rolling Stone, der sonst ja nur auf Phil Collins und Bob Dylan abfährt.
Bei all den Vorschusslorbeeren wird das Ohr schon etwas schärfer gespitzt als bislang und höre da: Man hört nichts. Jedenfalls nichts, was die Heiligsprechung des Ryan Adams rechtfertig. Fast.
Ryan Adams hatte mal eine Band namens "Whiskytown", debütierte auf Cooking-Vinyl mit dem Solo-Album "Heartbreaker", werkelte dann ein bisschen da, ein bisschen dort, dann wieder da. Cooking Vinyl ließ Adams mittlerweile zu Mercury ziehen, wohl damit sich die Verehrung der Kritiker für Adams auch auszahlt.
Aber auf "Gold" macht sich Mr. Adams erstmal selbst zum Trottel: Posiert da auf seinem Album mit einer verkappten Robert-Smith-Frisur vor einer verkehrt aufgehängten US-Flagge, als sei er Bruce Springsteen persönlich, hat jede Menge Freundschaftsbänder am Handgelenk wie Wolle Petry (man halte ihm zugute, dass er wohl bestimmt noch nie was vom ollen Petry gehört hat), trägt eine verwaschene Jeans und ein Baseball-Shirt mit Nummer 79 bedruckt – er ist also, wenn man das mal voller Klischees ausdrückt, uramerikanisch gekleidet. Ein wahrer Patriot!
Der Albumopener heißt dann sogleich – wie konnte es anders sein – "New York, New York", dazu ertönt Mundharmonikagedudel und folkigcountryeskes Geschrammel, dass man am liebsten sofort wieder ausschalten möchte, hätte man nicht den Auftrag bekommen, über diese CD etwas zu schreiben. Nein, nein, hier schreibt kein Folkhasser, eher jemand, der sich wie viele andere in die Musik eines Alejandro Escovedos verliebt hat, der Clem Snide mag, die Walkabouts oder Neil Young. Aber Adams macht es einem während der ersten sechs Songs des Albums verdammt schwer, ihn zu mögen. Die Songs klingen zu sehr nach Bob Dylan, gar ein wenig nach Garth Brooks, sein "Rescue Blues" dann gar nach dem Künstler, der ein B mehr am Anfang seines Namens stehen hat. Das ist schwerer amerikanischer Mainstream, dessen Ausrottung eigentlich schon so nahe bevorstand, und nun doch weiter für Magenbeschwerden sorgen wird.
Vielleicht waren die Songs 1-6 auch einfach nur da, um das zu bekommen, was der Albumtitel schon erhofft: Gold. Ab "When The Stars Go Blue" nämlich wird das Album richtig gut, der Mann aus North Carolina zeigt, was er wirklich drauf hat, warum man sich weltweit für ihn begeisterte: Er schreibt wunderbare, melancholische Songs, die einem richtig ans Herz gehen, wie das steinzersetzende "Wild Flowers" oder "Sylvia Plath", eine Hommage an die große Dichterin. Mit Songs wie "Enemy Fire" oder "Gonna make you love me" offenbart er, dass er sogar einwandfrei rocken kann, "Tina Toledo's Street Walkin' Blues" könnte sogar aus der Feder der Black Crowes stammen, feiner Southern-Rock.
Die Lobeshymnen stammen anscheinend nicht von komplett Geisteskranken, enormes Talent als Songwriter muss man Adams schon bescheinigen. Ihn so sehr über den Klee zu loben ist sicherlich übertrieben, Adams ist lange nicht so gut wie Clem Snide, David Gray ist der bessere Songwriter, Nicolai Dunger hat die bessere Stimme, New York-Songs hätten nach Frank Sinatra, Lou Reed und Grandmaster Flash längst verboten werden sollen und Bruce Springsteens ist immer noch ein bisschen cooler als Ryan Adams es jemals sein wird.
Oliver Stahmann
> Alle Beiträge von Oliver Stahmann
Weitere CDs von Ryan Adams:
> 29 > Cold Roses > Love Is Hell Pt. 2 > Rock'n'Roll
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