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CD-Review ::: Mary J. Blige - Share My World |
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Das neue Album der "Queen Of HipHop Soul", Mary J. Blige, dürfte mittlerweile überall – landauf, landab – euphorisch gefeiert worden sein.
Wohl auch nicht völlig zu Unrecht. Niemand versteht es so gut wie die 27-jährige, die smoothen Seiten des HipHop mit dem samtenen Glanz des Street Soul zu verbinden – erinnert sei hier nur an ihr Grammy-Award-gekröntes Duett mit dem Wu-Tang Clan-Mitglied Method Man, "You're All I Need" – ohne dabei an der für US-Acts so immens wichtigen "street credibility" zu verlieren.
Auch auf ihrem neuen, dritten Album, "Share My World", wird Mary J. Blige offensichtlich in der amerikanischen Musik-Szene von allen Seiten geliebt. Ob Produzenten wie Babyface, Jimmy Jam & Terry Lewis oder R. Kelly, die allesamt eher dem Mainstream verpflichtet sind, auf der einen oder roughe Acts wie eben der Wu-Tang Clan oder das Rhyme-Genie Nas auf der anderen Seite, alle folgen sie offensichtlich ihrer Aufforderung "Share My World", "Teile meine Welt mit mir".
Warum das so ist? Darüber ließe sich lange spekulieren. Es liegt wohl auch daran, dass zumindest auf dem amerikanischen Black-Music-Markt die Grenzen zwischen Mainstream und einem einer "street credibility" verhafteten Underground, auch dank G-Funk, immer mehr verwischen. Daran also, dass der Ferrari-, Versace- und Moet-getränkte R&B-Markt einfach mehr Umsatz verspricht, als der reine HipHop-Markt. Ich habe mich bei jedem erneuten Hören gefragt, warum ich nicht uneingeschränkt "Ja" sagen kann zu Mary J. Blige. Was sich in mir sträubt, ihrer Aufforderung vorbehaltlos zu folgen?!.
Es ist das künstliche Geplucker der Drum Machine, das Drum-Programming, das so wenig zu den Kompositionen und zu einer Haltung, die durchaus "klassisch" genannt werden will, passt: Das ganze Dilemma von Mary J. Blige und fast allen, die heute ähnlich ambitionistisch "großen Soul" wollen, ist das Drum-Programming. Hier offenbart sich der Widerspruch – für die Künstler, die in ein Umfeld geworfen werden, das sie ja nicht zu verantworten haben – zwischen dem historischen Wissen um den Soul und der Möglichkeit, dieses Wissen auch mit den heutigen Produktionsmitteln – und damit meine ich sicher nicht nur die Technik – umzusetzen.
Am stärksten ist Mary J. Blige daher bei Songs, die sich am weitesten von den Erwartungen, die heute an R&B gestellt werden, entfernen. Das geschieht etwa bei "Our Love" oder "Not Gon' Cry", die in nichts an das, was heute Street Soul heißt, erinnern, sondern klassischer, purer Soul sind. Hier arbeitet die Blige rückwärtsgewandt, nicht mehr im "Hier und Jetzt". Dieses "Sich-Zurückbesinnen" reicht bei ihr zwar nicht bis in die Siebziger, sondern nur bis in die Achtziger, zeitigt aber Ergebnisse, die sich durchaus mit den großen Alben dieser Dekade, wie Womack & Womack's "Love Wars" oder Anita Bakers "Rapture" messen können.
Andreas Kötter
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