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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Apollo Four Forty - Electro Glide In Blue |
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Man muß auch mal auf Schlipse treten dürfen. In diesem Fall trete ich auf die Schlipse der Herren von Apollo 440, denn die haben neue Anzüge, die von einem Major bezahlt worden sind. Dafür haben die drei ein gefälliges Popalbum abgeliefert. So muß Pop heutzutage klingen: Songstrukturen treffen auf die englische Dancemusic der letzten Dekade, angereichert mit einem netten, jazzigen Touch und einigen Gästen, bekannt aus Funk und Fernsehen. Alles piekfein und mit erlesenen Samples produziert und von einer Sauberkeit, die ich verachte. Nicht nur, daß Apollo 440 die ungeheuer nervige 'ran'-Melodie verbrochen haben, die auf dem Album 'Krupa' heißt. Hier wird kein einziges Risiko eingegangen, was Apollo 440 erscheinen läßt wie eine stubenreine Version der in letzter Zeit auch nicht gerade mutigen Prodigy. Hier schließt sich übrigens ein Kreis: Apollo 440 werden demnächst Vorgruppe von Prodigy sein. Das Pop-Spektakel ist perfekt.
Daniel Giebel
Gegen apollofourforty und "Electro Glide In Blue" (Epic) läßt sich zunächst eine ganze Menge einwenden: das fängt schon damit an, daß man bei "ran", dem "Show-Magazin für Selbstdarstellung im Fußballsport", offensichtlich diese Band auch mag: "Ain't Talkin' 'Bout Dub", der auf Van Halens "Ain't Talkin' 'Bout Love" basierende Hit, wird dort als Abspann-Musik benutzt. Solche Massenkompatibilität ist eigentlich immer der Beweis dafür, daß hier irgendetwas nicht stimmen kann.
Irgendwie hat "electro glide inblue" auch etwas von dem, was man bei Rock-Gitarren immer Schweine-Riff genannt hat. Irgendwie ist das alles unglaublich kalkuliert und clever; aber - und das entscheidet hier - es verfehlt seine Wirkung auch nicht um nur einen Millimeter.
Ein Wunder ist es allerdings nicht, daß sich das Trio aus London mit der Wirkung von Sounds und Grooves auskennt: Als Remixer von U2-, EMF-, Pop Will Eat Itself-, Scritti Politti- oder auch Shabba Ranks-Stücken hat man langjährige Erfahrung darin, wie man Ohren und Gemüter subtil manipulieren kann. Die obige Liste grenzt dann auch sehr gut das Spektrum ein, in dem sich Apollo 440 bewegen: Von U2 oder Pop Will Eat Itself hat man sich die Rockismen, die sägenden Gitarren geliehen, von Shabba Ranks den Dub, von PWEI den Groove der sofort in den Unterleib fährt, von Scritti Politti die Fähigkeit, dem Ganzen einen intellektuellen Überbau zu verpassen.
Namen wie EMF, PWEI oder Scritti Politti stehen nicht nur für typisch britische Pop-Musik, sondern sind auch Bands, die entweder gar nicht mehr existieren, oder aber ihre Blüte in den 80ern hatten. Und so ist Apollo 440 eigentlich auch - obwohl man sich mit Drum'n'Bass-Geböller allen Anschein von Modernität gibt - eine typische 80er Band. Es paßt sehr gut, daß man sich einer der ganz großen weißen Pop-Stimmen aus dieser Zeit erinnert hat: Billy MacKenzie, der kürzlich verstorbene Ex-Sänger der Associates ist auf "Pain In Any Language" ein letztes Mal zu hören.
MacKenzie, der psychische Pobleme hatte - u. a. soll er den Tod seiner Mutter nicht verschmerzt haben - legt all seine Seelenqual in diesen Song, der - welch Koinzidenz - vom Schmerz handelt.
Vielleicht macht gerade diese Mischung aus sentimentaler Nostalgie und gefakter Moderne "electro glide in blue" so unverschämt attraktiv.
Andreas Kötter
> Alle Beiträge von Andreas Kötter
Weitere CDs von Apollo Four Forty:
> Dude Descending A Staircase
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