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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Yeah Yeah Yeahs - Fever To Tell |
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Es hätte auch alles ganz fürchterlich schief laufen können. Als sich vor zweieinhalb Jahren Karen O. und Nick Zimmer in einer Bar in Williamsburgh, Brooklyn, kennen lernten, schrieben sie zunächst einige akustische Folk-Songs. Es wäre zu schade gewesen, wenn sie es dabei hätten bewenden lassen. Wer von den beiden auf die Idee kam die "beste Rock'n'Roll-Band der Welt" zu gründen, ist heute nicht mehr auszumachen; ihm oder ihr sei auf jeden Fall gedankt! Zusammen mit Drummer Brian Chase, einem alten College-Freund von Karen O., wurde das Trio komplettiert, und man tourte fortan durch die allerkleinsten Hinterzimmer-Clubs.
Über zwei Jahre liegt es nun zurück, dass die Yeah Yeah Yeahs ihr selbstbenanntes Debüt-Album (im Fan-Slang: die "Bang!"-EP) veröffentlichten. Schon damals ließ sich so manches erahnen und noch viel mehr erhoffen. Nun liegt es endlich vor: das erste komplette Album "Fever To Tell", produziert von Alan Mulder, der auch schon für Ash und Marilyn Manson an den Reglern stand. Die Erwartungen waren hoch und nach dem Einlegen der CD bereits das erste Stutzen: Nur 37 Minuten? Irgendwie kurz... Was man in eben diesen 37 Minuten dann allerdings um die Ohren gehauen bekommt, ist fast unbeschreiblich. Galten die Strokes oder die White Stripes bislang als Vorreiter der Rock'n'Roll-Retro-Bewegung, so muss man dieses Bild weitläufig revidieren.
Das Album wirkt wie die Quintessenz aus Jahrzehnten der Rockgeschichte; herausgeschrieen - ja geradezu: dem Publikum vor die Füße gekotzt - von Sängerin Karen O. Schienen bislang Courtney Love und Shirley Manson das Schlampen-Image des Rock'n'Roll perfekt verinner- und veräußerlicht zu haben, wirken die beiden gegen den mal aggressiven, mal zurücknehmenden Gesang von Karen O. wie harmlose Hausmütterchen. Wenn Karen O. im großen Song "Tick", dem Kreislaufkollaps nahe, zwanzig Mal "TickTickTick..." schreit, sich ihre Stimme überschlägt, sie mal leiser und mal lauter wird, dann wird die Aggressivität und Unmittelbarkeit des Albums auf den Punkt gebracht. Eben diese Unmittelbarkeit ist es, die diese Platte zu etwas Einzigartigem, Besonderem macht. Das ganze Album funktioniert genau durch diesen Gegensatz: auf das hektische "Date With The Night" folgt das rhythmische "Man", mit einem Song wie "Cold Night" wird das Tempo reduziert, mit "Maps" wieder angezogen, alles gipfelnd in dem ruhigen und wunderschönen Hidden Track.
Sicherlich haben die Yeah Yeah Yeahs damit das Rad nicht neu erfunden, aber das wollten sie wahrscheinlich auch gar nicht. Vielmehr muss man dieses Album als eine Zusammenfassung, einen "Best-Of-Mix" der Musikgeschichte verstehen: Rock-, Punk- und Avantgarde-Einflüsse werden hier zu einem zu einem - so paradox das auch klingen mag - neuen Retro-Stil vermischt.
Eine derart runde und vollständige Platte hat seit langem nicht mehr das Licht der Welt erblickt und es bleibt zu hoffen, dass die Yeah Yeah Yeahs auch weiterhin diesen straighten musikalischen Weg beschreiten.
Was bleibt, ist die Gewissheit, eine verdammt große CD in den Händen zu halten und die Erkenntnis, dass 37 Minuten vollkommen ausreichen, um den Status Quo der Rockgeschichte auf den Punkt zu bringen.
Matthias Brücher
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