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CD-Review ::: The Strokes - Is This It |
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Früher war alles besser. Man lebte unbeschwerter und konnte sich ungeniert künstlerisch entfalten. Das Dagewesene war überschaubar oder eben nicht der Rede wert. Damals wurde noch auf Vinyl gepresst und um zwei Plattenseiten zu füllen, reichte es, innerhalb von zwei bis drei Jahren Einfälle für dreißig bis vierzig Minuten zu haben. Es gab vieles zu entdecken und reichlich Raum für Experimente. Und es gab Velvet Underground. Schön war das. Damals.
Heute ist alles besser. Die Technik ist ausgereifter. Die Medienvielfalt erlaubt größere Präsenz. Es gibt Musikfernsehen. Es gibt digitale Klänge und Computer. Handys. Das reichlich Dagewesene erlaubt Mixes, Samples und Cover-Versionen. Den Künstlern von heute liegt die Erfahrung und das Musik-Repertoire der letzten knapp sechzig Jahre Rock- und Pop-Geschichte zu Füßen. Besser ist das. Heute. Und außerdem gibt es The Strokes.
Den Vorfeld-Rummel um diese Band wollen wir in diesem Zusammenhang unerwähnt lassen. Ganz egal, welche Superlative die Kollegen vom NME oder ähnlicher Gazetten über das Quintett aus New York ausgeschüttet haben - können wir alles getrost vergessen. Denn die Wahrheit lautet: The Strokes machen einfach nur saugeile Musik. Die Dinge können so einfach sein, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Schließlich: Warum soll ich mehr tun als The Strokes? Mögen sie ruhig "the next big thing" werden. Pah. Wenigstens nach Nirvana wieder eine Band, die es verdient hätte.
Noch eine Nirvana-Parallele gefällig? Cobain liebte die Pixies. Das gleiche muss einfach auch für The-Strokes-Songwriter Julian Casablancas gelten. Denn: Hier hat eine Band aus dem reichen Fundus der Vergangenheit geschöpft und knallt uns elf Songs um die Ohren, die uns auf irgendeine Art und Weise allesamt bekannt vorkommen. Zuordnen? Wozu. Selbstverständlich stehen in Julian Casablancas Plattenschrank Scheiben der Pixies, Stooges, MC5, Velvet Underground, Sonic Youth oder den Beatles. Neben einer wahrscheinlich sehr erlesenen Sammlung alter Rock'n'Roll- und Punk-Rock-Sscheiben. Trotzdem sind The Strokes nicht VelvetPixiesYouth. Denn Casablancas hat seine Einflüsse in einen extrem unverwechselbaren Sound gebettet.
Natürlich: Ein Song wie "New York City Cops" ist seit den Siebzigerjahren mit ziemlicher Sicherheit in irgendwelchen Varianten schon ein dutzend Mal im CBGB's von irgendwelchen No-Name-Bands geschrammelt worden. Ein Song wie "Is This It" gehörte wahrscheinlich schon hundertmal ins Repertoire irgendwelcher unbekannter Bands, die sich "we are the heritage of Velvet Underground" an ihre Fahnen geheftet hatten und es doch nie waren.Who cares?
The Strokes klingen ebenso nach 1974 wie nach 2004. Was will man auch von einer Band erwarten, die einen Albert Hammond Jr. als Gitarrist in ihrer Band haben? "The Free Electric Band" lässt grüßen. Und frei sind The Strokes allemal. Sowohl von Plagiatsvorwürfen, als auch vom "Mit-dem-Trend-Schwimmen"-Vorwurf.
Kein Nu Metal. Kein Emocore. Kein "quiet is-the-new-loud"-Geweine. Kein Retro-College-Rock/Grunge-Klon. Aber vor allem kein Kiddie-Fashion-Punk-Geplärre. Was da noch bleibt? Guter Gitarrenrock vielleicht? Schrammelige Rock-Pop-Ohrwürmer mit unbegrenztem Haltbarkeitsdatum? "Is This It" hat den gleichen Stellenwert wie eine volle Sunkist-Tüte in einer Oase nach einer Wüstendurchquerung. In einem reichen Pool von lebensnotwendigem Wasser lacht uns die Sunkist-Pyramide an und wir wissen dieses Kleinod an zusätzlichen Geschmacksverstärkern durchaus zu schätzen. "Take It Or Leave It" fordert uns Casablancas am Ende des musikalischen Kleinods auf. I take it. Für mich sind The Strokes definitiv the next big thing. In meinem CD-Player. Arme Nachbarn.
Ralph Buchbender
> Alle Beiträge von Ralph Buchbender
Weitere CDs von The Strokes:
> First Impressions Of Earth > Is This It (2)
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