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CD-Review ::: The Beatles - Let It Be... Naked |
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Jetzt kommt aber einiges zusammen für Phil Spector: Nicht nur, dass er unter Mordverdacht an einem B-Movie-Star steht, nein, über dreißig Jahre nach dem Erscheinen von "Let It Be" verüben die verbliebenen Beatles späte Rache und veröffentlichen das Album nochmal - ohne Spectors Produktion.
Dabei war er einst sozusagen als Retter in der Not eingestellt worden. Der Plan der Beatles, nach den progressiven Tüfteleien von Sgt. Pepper bis zum weißen Album mit einer einfachen Rock-Platte zurück zu den Wurzeln zu kehren, war gehörig daneben gegangen. Die Fab Four waren längst zerstritten, George Harrison sogar schon kurzzeitig ausgestiegen, und mehr an Drogen, Indien und Yoko als an einem Beatles-Album interessiert. Am Schluss der endlosen und spannungsreichen Sessions blieben Berge von Bändern übrig, mit deren Inhalt die Beatles nicht wirklich zufrieden waren und um deren Veröffentlichung sie sich auch nicht selber kümmern wollten. Mit Spectors Bearbeitung allerdings waren sie dann auch nicht glücklich. Er hatte Geigen unter einige Songs gemischt und der Platte überhaupt einen bombastisch-süßlichen Anstrich gegeben.
Jetzt also der zweite Versuch für "Let It Be", den Ruf als Achillesferse des Beatles-Werks abzuschütteln und dem "Back-To-The-Roots"-Anspruch besser gerecht zu werden. Die Geigen sind jedenfalls weg, seltsamerweise auch die Zwischenrufe und die kurzen Songs "Dig It" und "Maggie Mae", die sich jetzt auf einer Extra-CD befinden. Dafür ist "Don’t Let Me Down", im Original als B-Seite veröffentlicht, dabei. Außerdem wurde die Reihenfolge der Lieder umgestellt, was insofern zulässig ist, da es sich weder im Original noch heute um eine Entscheidung der Beatles selber handelte. Darüber hinaus wurden einige Kleinigkeiten verändert, zum Beispiel das Gitarrensolo vom Titelsong.
Aber hat sich der ganze Aufwand gelohnt? So sehr der generalüberholte Sound beeindruckt, muss man feststellen, dass Phil Spector nicht der Hauptschuldige ist (zumindest in diesem Fall). "Let It Be" ist die Beatles-Platte mit dem mäßigsten Song-Material. "For You Blue" und das Lennon-Jugendwerk "One After 909" sind öde, und das digitale Verfahren, aus der McCartney-Schmonzette "The Long And Winding Road" einen guten Song zu machen, ist noch nicht erfunden. Das Lied, da muss man Spector in Schutz nehmen, schreit förmlich nach Geigen. Aber natürlich sind auch auf der schlechtesten Beatles-Platte noch einige Geniestreiche, so John Lennons psychedelischer Dadaismus auf "Dig A Pony" und "Across The Universe" (jetzt ohne Vogelgezwitscher) und natürlich "Get Back" und "Let It Be".
Dem Album fehlt auch im neuen Mix immer noch der visionäre letzte Schliff, der die Beatles sonst immer auszeichnete, eben weil "Let It Be" kein wirkliches Beatles-Album ist. Kein Wunder also, dass die Vier sich noch einmal zusammenfanden, um mit "Abbey Road" doch noch ein geniales letztes Werk aufzunehmen.
Arne David
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