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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: The Bad Plus - Blunt Object / Live In Tokyo |
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Nach drei Studio-Produktionen legt die Gruppe The Bad Plus ihr erstes Live-Album vor. Die Amerikaner Ethan Iverson (Piano), Reid Anderson (Bass) und David King (Drums) bilden von der Besetzung her ein klassisches Jazz-Piano-Trio, widmen sich aber eher ungewöhnlichem Themen-Material - dennoch sind sie keine "Bilderstürmer", sondern erneuern ein bewährtes Konzept quasi von innen heraus und geben ihm vitale Impulse.
Die acht Stücke dieser CD sind zur Hälfte Kompositionen von Bandmitgliedern, zur anderen Hälfte sogenannte Standards - wobei der Begriff sich hier schwerpunktmäßig auf die Pop-Musik bezieht.
Allein schon die Cover-Versionen zeigen die interpretatorischen Fähigkeiten der Band auf. Dass sich auch aus Pop-Hits (Jazz-)Funken schlagen lassen, beweisen die gut aufgelegten Musiker spielend. So ist es aufregend zu hören, wie das Trio den Geheimnissen der Struktur der auf manchem Schlachtfeld strapazierten Queen-Hymne "We Are The Champions" nachspürt: Das Intro beginnt wie eine klassische Klavier-Sonate, dann wird der Refrain in Variationen präsentiert, bei größtenteils gleichem Metrum implodiert schließlich das kraftvoll-improvisatorische Element. Bei der Ausdeutung von "Flim", einer faszinierenden Komposition des britischen Elektronik-Exzentrikers Aphex Twin, bilden die Parallel-Linien von Piano-Bass und akustischem Bass den Rahmen für ein Drum-Solo. "Heart Of Glass" von Blondie wird ebenfalls auf seine Aussage abgeklopft; diese Fassung erweckt allerdings den Eindruck, als hätten die Musiker das Stück zu oft hören müssen: Es wird mit so viel Schwulst und Bombast angereichert, dass es praktisch erschlagen wird. Der bis heute von unzähligen Jazzern als Ballade zelebrierte Evergreen "My Funny Valentine" von Rogers & Hart fällt aus dem Rahmen, mutiert fast zur Unkenntlichkeit. Von afrikanischen Rhythmen unterstützt, pickt sich der Pianist einzelne Textelemente heraus und gibt sie loopmäßig mit bewusst schiefem Gesang wieder.
Ethan Iverson, Reid Anderson und David King beherrschen ihre Instrumente souverän, wobei Iverson naturgemäß die meiste Beachtung findet. Er ist ein kompletter Pianist mit entschlossenem Anschlag, kennt die klassische und romantische Klavierliteratur, liebt offenbar die elektronische Musik, die Minimal Music, die Zwölftontechnik, den Free Jazz, Straight Blues und Rock'n'Roll. Zwischen diesen stilistischen Einflüssen bewegt sich das Trio geschmeidig und mit konzentriertem Zusammenspiel, ohne die Jazz-Basis zu verlassen. Das erweist sich auch in den Eigenkompositionen, von denen hier "Guilty" (ein zwölftaktiger Blues) und "Silence Is The Question" (ein Hochgeschwindigkeits-Track) erwähnt werden sollen. Im Stück "Guilty" hält die Rhythm Section das Blues-Gerüst aufrecht, auch bei freiesten Exkursionen des Pianisten; "Silence" wird zum Showcase für das Trio: Eine ekstatische Darbietung, mit atomisierendem Piano-Spiel, einem pulsierenden Bass und Hochleistungs-Drums. "All energies were spent", sagten die drei hinterher.
Hoffen wir, dass ihr Akku bald wieder aufgeladen sein wird für weitere Großtaten.
Reinhard Giebel
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Weitere CDs von The Bad Plus:
> These Are The Vistas
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