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CD-Review Stephan Abel & Jimmy Woode - My Kind Of World   CD-Review ::: Stephan Abel - & Jimmy Woode - My Kind Of World

Review Stephan Abel - & Jimmy Woode - My Kind Of World  
Review

Stephan Abel
& Jimmy Woode - My Kind Of World
JazzSick / Edel Contraire
erschienen im Juni 2005
Jazz
 
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Bandpage

Damit das gleich klar ist: Wir haben es bei dieser Produktion mit dem Phänomen der nicht durchgängigen Hörbarkeit zu tun. Was bitte? Womit?

Nun! Ein solches Phänomen stellt sich ein, wenn man von dem, was man hört, anfangs sehr angetan ist. Im Lauschverlauf dieser gar nicht mal langen Einspielung aber zunehmend den Wunsch verspürt, auf die Stop-Taste zu drücken, um etwas anderes aufzulegen. Musik mit mehr. Musikern zum Beispiel. Oder gar - Rhythmus? Groove? Das genauer zu benennen bleibt jedem selbst überlassen. Bei einem erneuten Versuch, die sich vielleicht doch einstellende durchgängige Hörbarkeit zu erleben, kann auch ein Zufallsgenerator zur Auswahl der Stücke bemüht werden. Im Ergebnis ändert sich nichts. Zumindest bei mir.

In Maßen genossen, sozusagen stückehäppchenweise, sieht die Sache allerdings schon wieder ganz anders aus. Da entfaltet das eine oder andere Stück Faszination und macht in der Tat einen schlanken Fuß. Jazztechnisch betrachtet. Da sieht man sie dann fast vor sich: Zwei gut gelaunte Musiker, die sich im Hannoveraner Aufnahmestudio die musikalischen Bälle zuwerfen. Sie auffangen und dann damit spielen, als würde nur der jeweils Einzelne mit seinem Instrument existieren. Darin verschmelzen. Um dann plötzlich wieder aufzutauchen, den anderen wahrzunehmen, sich anzulachen und wieder gemeinsam den schon beschrittenen musikalischen Weg weiter zu gehen. Hier spielen zwei, als hätten sie alle Zeit der Welt. Ein Satz, der eine Tragik birgt, von der noch zu sprechen sein wird.
Bis hierhin halten wir also fest: Dies ist eine durchaus Zwiespältigkeit hervorrufende Aufnahme.

Jetzt aber endlich das "who is who"?! Saxophonist Stephan Abel, Jahrgang 1964, wird schon seit längerem zu den wichtigen Stimmen im europäischen Jazz gezählt. Er studierte in München bei Joe Haider und Sal Nistico, in Köln bei Jiggs Whigham und Wolfgang Engstfeld. Hochkarätige Kolleginnen und Kollegen nutzten sein Können für ihre Aufnahmen: Barbara Dennerlein, Lionel Hampton, die Temptations...Hier bläst er das Tenor- und Baritonsaxophon; bei einem Stück greift er auch in die schwarz-weißen Tasten.

Bassist Jimmy Woode spielte mit nahezu allen Größen des Jazz. Er verstarb, und das ist die schon erwähnte Tragik, 78-jährig im April diesen Jahres, nur wenige Wochen nach Vollendung der Aufnahmen zu dieser CD. Er galt als Hard Bop-Bassis, zupfte in den Fünfzigerjahren bei Duke Ellington und war Gründungsmitglied der Kenny Clarke/Frany Boland Big Band. Als weitere illustre Weggefährten sind aufzuzählen: Charlie Parker, Coleman Hawkins, Ben Webster, Eric Dolphy und und und. Bemerkenswert!

Trotz aller Begegnungen und technischen Versiertheit: Anlass zu zeigefingerhochhaltender Kritik ist gegeben und hier mit folgendem Satz einzuleiten: Toten soll man nichts Schlechtes nachsagen! Aber dennoch: Singe, und hier haben wir den Finger, wem Gesang gegeben! Jimmy Woode war nun mal nicht originär ein Sänger. Dennoch bringt er hier seine Stimme zu Gehör. Und zwar ausgerechnet bei "Makin' Whoopee". Seitdem Michelle Pfeiffer in dem grandiosen Film: "The Fabulous Baker Boys" mit ihrem Gesang mehr als nur Talent bewies, sind die Rechte an diesem Standard nun mal eindeutig ihre. Pfeiffers Version ist ultimativ. Punkt. Abgesehen davon klingt "Makin' Whoopee" von einem Mann intoniert per se reichlich daneben. Das Jimmy Woode hier noch zwei weitere Male seiner Gesangstimme Ausdruck verlieh, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Kommen wir also zum alles in allem versöhnlichen Schluss und stellen fest, dass "My Kind Of World" insgesamt eine sehr akademische Veranstaltung ist. Eine Jazz-Studie über das intime Zusammenspiel von Saxophon und Bass. Oder das von Bass und Saxophon. Über handwerkliches Können am jeweiligen Instrument. Gelegenheit zu diesbezüglicher fachlichen Bewertung geben zur Genüge die einen oder anderen schon beschriebenen solistischen Ausflüge. Man bedenke noch einmal, was das heißt: Solistische Parts in einer Duo-Aufnahme..!

Fazit: Das Ding ist am ehesten was für Jazz-Gourmets mit Tendenz zu puristischem Hörverhalten. Und sich, was vorkommen soll, jedem Tanzschritt verweigernden unteren Extremitäten.
(Jetzt steh' da doch nicht so 'rum wie ein Klotz! Schnipp' doch wenigstens mal mit den Fingern...Und nimm' endlich diese Pfeife aus dem Mund!)
 
Ärnst Stänkowskie
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