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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Sainkho Namtchylak - Naked Spirit |
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39:29 Total Time: Kurz aber heftig kann man dazu nur sagen. Was Sainkho an Gesangeskunst von sich hören läßt, scheint einmalig zu sein. Gleich vorweg: Es handelt sich hier nicht um traditionelle Musik sondern eher um Avantgarde - unter Einbindung des Höömij (tuvinische Form der Kehlkopfgesanges). Geboren ist Sainko in Tuva (ehemalige Sowjetrepublik zwischen Sibirien und der Mongolei) und dort hat sie das Singen gelernt. In dieser Region ist die Kunst des Kehlkopfgesanges stark gepflegtes Kulturgut. In einem Interview mit Werner Lüdi (Saxophonist, mit dem sie im Bereich improvisierte Musik zusammenspielte) erzählte sie ihm folgendes über diese Technik:
"Tuva ist ein Zentrum schamanistischer Kräfte, wo die animistisch-magische Musiksprache in reinster Form vorkommt. Die Schamanen hören sehr gut auf den Klang ihres singenden Bogens. Er wird gestrichen oder gezupft, und man hört in besonderer Weise - und mehr als bei allen anderen Naturvölkern - die Melodie des einzelnen Tons: die Obertöne, die Klangfarben-Melodie. Unsere Schamanen sind seit Urzeiten in der Lage, das Geheimnis der Musik selbst, die physikalische Basis der Töne zu vernehmen, ich meine das "Eintönige" zu verwirklichen. Diese Gesangstechnik heißt "Höömij", was Rachen bedeutet. Mit dieser Technik sind wir in der Lage, zweistimmig zu singen. Wir summen oder singen nasal einen Ton in mittlerer Lage an und verändern den Raum in der Mundhöhle durch Öffnen und Schließen des Mundraums. Dadurch verändert sich das Obertonspektrum des einzelnen Tons. In großer Höhe erklingt eine schrille Melodie, das sind aber nur die verstärkten Obertöne eines einzigen Grundtons. Denk an die Maultrommel, da geschieht was sehr Ähnliches. Jedenfalls wird verständlich, daß bei dieser Gesangstechnik eine fast geisterhafte Wirkung entsteht. Wer solche Obertonmelodien beherrscht, steht in Verbindung mit Geistern. Der Sprung in der Kopfstimme ist noch weiter entwickelt worden. In ekstatischen Momenten gelingen eine Art "Gluckser" oder sich rasend schnell wiederholende Jodler, die wie bei einer überblasenen Flöte die Stimme in eine hohe Obertonlage befördern. Diese Gesangstechnik berührt die Höhrer physisch so stark, daß sie in Tränen ausbrechen." (Das Interview ist in der Züricher WoZ Nr. 35 vom 30.08.96 erschienen).
Was wir auf der vorliegenden CD zu Hören bekommen sind vielfältige Formen des Gesanges, eingebunden in westliche, teils elektronische, Musik und Studiotechnik, ohne auf traditionelle Instrumente zu verzichten. Sainkhos 4 1/2 Oktaven Stimmumfang zaubern eine wahrhaft mystische Stimmung, so daß einem das akustische Klavier im vierten Stück sehr bodenständig erscheint. Das Stück "Siber-Shaman" ist unterschrieben: "hoping that the young high-tech generations turn their minds to their ancient spiritual roots" - nach dem Genuß dieses Albums eine hehre Aufgabe.
Uli Armbruster
> Alle Beiträge von Uli Armbruster
Weitere CDs von Sainkho Namtchylak:
> Who Stole The Sky?
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