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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Ryan Adams - 29 |
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Prügel musste er einstecken, und das nicht zu knapp. Warum? Weil er macht, was er macht. Musik. Aber fangen wir ganz woanders an.
Sonntagnachmittag. Es vergeht kein Tag, an dem es nicht regnet oder die Welt einstürzt. Ich schaue aus dem Fenster und frage mich, wann ich es endlich schaffe, ins Ausland zu ziehen. Irgendwo hin, wo es besser ist als hier. Wo mag das sein? Melancholie verfolgt mich, seit mir bewusst wurde, dass wir hier gar nicht im Paradies leben. Mit meiner mittlerweile akzeptierten Leere trotte ich aus meinem Schlafzimmer und überlege mehrere Minuten, ob ich Shorts oder Trainingshose tragen soll. Ich ändere den Kurs, weil es mir momentan einfacher erscheint, Musik zu machen. Also schlurfe ich wieder zurück zu meiner Anlage. Noch bevor ich mich mit dem Anzünden von Zigaretten und dem Kochen von Kaffee beschäftige, weiß ich, dass Ryan Adams' "29" momentan genau das Richtige für mich wäre. Nicht der erste Song, der geht mir zu sehr nach Vorne los, richtiger Coutry-Rock, aber dann wir alles gut. Wenn die ersten Töne erklingen, dann fühle ich mich zu Hause, geborgen und verstanden. Gibt es also doch jemanden, der den Weltschmerz teilt und dementsprechende Balladen schreiben kann. So sitze ich in der Küche und riskiere einen kleinen Wettlauf zwischen Koffein und Teer. Ryan Adams hellt meine Stimmung dabei nicht auf, lässt mich aber genau dort sitzen, wo ich grade bin.
Musik für einsame Menschen? Vielleicht. Aber manchmal einsam zu sein erscheint mir immer noch besser, als gemeinsam Radio zu hören. Und mit jedem Stück das "29" so zu bieten hat, erhellt sich stetig meine Stimmung, weil es anscheinend Leute gibt, die es noch schwerer haben und der Tag scheint langsam Formen anzunehmen. Noch ein paar Lieder und ich fange entweder das Trinken wieder an oder ich mache mich doch noch auf den Weg ins nächste Café. Letztlich Song Nummer Sieben fällt noch mal aus dem eher ruhigen Gesamtkonzept raus und erinnert ein wenig an eine Mischung aus The Doors, Tito & Tarantula und Bryan Ferry - oder so.
Nun gut, wie gesagt, reichlich schlechte Kritiken hat Ryan Adams für "29" bekommen. Zum Teil sicherlich, weil Adams in 2005 und 2006 zusammen bisher ganze drei Alben veröffentlicht hat, zum anderen, weil er dabei so vielfältig vorgegangen ist, dass sich fast niemand darauf einstimmen konnte. Ein altes Sprichwort lautet: "was sich rar macht, macht sich beliebt". Ryan Adams hat es genau umgekehrt gemacht. Dabei sollte man aber eines nicht vergessen: Dieses Album ist neben den zwei anderen immer noch besser, als das meiste, was man auf dem jetzigen Musikmarkt findet. Punkt.
Jens Grummich
> Alle Beiträge von Jens Grummich
Weitere CDs von Ryan Adams:
> Cold Roses > Love Is Hell Pt. 2 > Rock'n'Roll > Gold
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Ryan Adams bei ebay |
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