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CD-Review Radiohead Amnesiac   CD-Review ::: Radiohead - Amnesiac

Review Radiohead - Amnesiac  
Review

Radiohead
Amnesiac
EMI

Elegischer Rock
 
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Story ::: September 2001
Bandpage
Letzte News ::: 01.06.2005

Am Anfang war "Kid A".

Der Urknall des Radiohead-Universums wurde von Kommerzfreaks allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. Dennoch breitete sich das Universum schnell in ungeahnte Dimensionen aus. Radiohead waren nun endgültig frei.

Dann die Ankündigung. "Kid B". Die Kommerzfraktion frohlockte. Denn wie immer hatte sie nichts verstanden. Im Vorfeld gestreute Gerüchte ließen sie zumindest hoffen, dass es in Kürze bereits ein Radiohead Album geben werde, das weit weniger verwirrend, weit weniger sperrig und weit weniger verkopft daherkommen sollte. Doch wer das Kleingedruckte gelesen hatte, ahnte bereits, dass es auch dieses Mal keine Chart-Schonkost geben würde. Denn alle Songs waren angeblich bereits während der "Kid A"-Session entstanden. Hat tatsächlich jemand geglaubt, dass es eine Art Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Metamorphose während der Aufnahmen gegeben hat?

Hat es nicht. Gott sei Dank. Aus "Kid B" wurde "Amnesiac" und es waren nicht Thom Yorke & Co., die an Gedächtnisschwund litten. Denn die einmal gewonnene und zumindest im Nachhinein auch weitgehend akzeptierte Freiheit, tun und lassen zu können, was immer sie wollen, durfte nicht aufgegeben werden. Unmöglich scheinende Taktwechsel führen zu Knoten in verirrte Tanzbeine, zerstörerische Disharmonien brennen Löcher in bequeme Ohrensessel und bizarre Songstrukturen zeichnen imaginäre Fragezeichen über die Köpfe. Keine Frage: Gäbe es einen Arnold Schönberg-Preis für erfolgreiche Popmusiker, Radiohead wären erste Anwärter.

Die zaghaften Versuche der völlig überforderten Plattenfirma, bereits im Vorfeld "Amnesiac" als kommerzielleren Nachfolger von "Kid A" zu proklamieren, führt das neue Album ad absurdum. Das Wort Kompromiss findet im Radiohead-Universum keine Manifestation. Es geistert als nutzloses Gas durchs All, wird hier und da von irgendwem eingeatmet, ohne dass jemand Notiz davon nähme. Zumindest niemand, der der Erwähnung wert wäre.

"Amnesiac" verwirrt, "Amnesiac" entgeistert, "Amnesiac" fesselt und "Amnesiac" begeistert. Genau in der Reihenfolge. "Amnesiac" ist nicht "Kid B". "Amnesiac" ist "Kid A1". Ein Hinterhofhaus, das in der selben Straße und in den selbem Stil wie das Haupthaus erbaut wurde. In dem es sich aber ein bisschen besser leben lässt, weil die Straße nicht mehr so laut ist.

Radiohead haben mit "Kid A" aufgehört, eine normal funktionierende Popband zu sein. Und sie haben mit "Amnesiac" nicht den Fehler begangen, wieder damit anzufangen. Die DIN-Norm funktioniert hier nicht. Wer ein metrisches System braucht, um Größe zu definieren, wird an Radiohead scheitern.

Michael Stipe sagte bereits nach der Veröffentlichung von "O.K. Computer": "Radiohead sind so gut, sie machen mir Angst." Der R.E.M.-Chef braucht nun keine Angst mehr zu haben. Der Radiohead-Komet hat das Sonnensystem verlassen und kreist nun um seine ganz eigene Sonne. Spätere Kollisionen ausgeschlossen.

Am Anfang war "Kid A".
 
Ralph Buchbender
> Alle Beiträge von Ralph Buchbender
 
Weitere CDs von Radiohead:
> Kid A
> OK Computer
> The Bends


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