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CD-Review Radiohead Kid A   CD-Review ::: Radiohead - Kid A

Review Radiohead - Kid A  
Review

Radiohead
Kid A
Parlaphone / EMI

Alternative / Heulsusenelektronik
 
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Story ::: September 2001
Bandpage
Letzte News ::: 01.06.2005

Comeback der Depression

"Radiohead are so good, they scare me!" sagte Michael Stipe einmal - und er hatte recht: Was die Briten mit ihrer neuen Platte abgeliefert haben, übertrifft alle lang gehegten Erwartungen. Nach einem gekonnten Verwirrspiel um die Veröffentlichung des Albums, unbefriedigenden Werbespots auf VIVA und nicht dem kleinsten Promotion-Auftritt liegt "Kid A" jetzt in den Läden. Schwermütig wie eh und je, mit "Everything In It's Right Place" gleich zu Beginn, und doch ganz anders. Zerbrechlich, melancholisch und beinahe weinerlich die Stimme von Thom Yorke. Begleitet nur von einem nach Ur-Elektro klingenden Keyboard; kein Schlagzeug, keine Gitarren, kein Baß: erfüllte Leere. Dann folgt der Titelsong zum Album. Knarren, Quietschen und Klimpern beginnen hier und werden fortan zu ständig begleitenden "Störgeräuschen".
"The National Anthem" ist wirklich Radiohead. Zumindest im ersten Moment. Die altbekannte Basslinie schlägt jedoch schnell um, wird elektronisch, dann Jazz und schließlich zum Wendepunkt. Jedes noch so kleine bißchen Hoffnung und Motivation, das man in den ersten Stücken hätte heraushören können, ist ausgelöscht. Depression und Verzweiflung überfallen die Musik und werden zu den hervorstechenden Motiven von "Kid A". "I'm Not Here, This Isn't Happening" wiederholt Yorke ein ums andere Mal, bis hin zur scheinbaren Erschöpfung. "Treefingers" setzt das düstere Szenario fort, und die Betitelung des nächsten Tracks mutet fast ironisch an: "Optimistic" sind Gitarrenspiel und Klagestimme in dieser Nummer nämlich nicht einmal für eine der fünf Minuten Spielzeit.
"In Limbo" hinterlässt zuerst den Eindruck, als würden Radiohead wieder einen Schritt back to the roots wagen. Britpoppig wie Blur und Suede zu ihren besten Zeiten startet das Stück, um dann schließlich doch wieder umzukippen und das Gedankenchaos zu vertiefen, das den Hörer seit den ersten Klängen von "Kid A" beschleicht. Alles ist so anders, so neu, und die Band scheint gegen jedes Klischee zu verstoßen, das sich in den mittlerweile neun Jahren ihres Bestehens festgesetzt hat. Wo sind die hypnotischen Lines? Die kraft- und schmerzvoll schreienden Gitarrenriffs?
"Idioteque" setzt dem E-Sound dann mit Beats aus den guten, alten Acid-Zeiten die Krone auf. Fast erlösend dagegen das folgende "Morning Bell": nach extrem anders extrem normal. Und allein dadurch fällt es schon wieder aus der Rolle.
Mit "Motion Picture Soundtrack" und "Red Wine And Sleeping Pills" und "I Will See You In The Next Life" neigt sich "Kid A" dem Ende zu.

Schwere Kost von den fünf Jungs aus Oxford. Es bedarf wohl noch einiger Hörproben, ehe sich selbst hartgesottene Fans an den neuen Klang von Radiohead gewöhnt haben. Aber auch wenn sie das nicht schaffen, gibt es keinen Grund zur Sorge: Das nächste Album soll wieder ganz dem alten Stil entsprechen - und statt einer Kraftwerk-Hommage gibt's dann wieder herrlich heulenden Alternative-Sound.
 
Inga Stumpf
> Alle Beiträge von Inga Stumpf
 
Weitere CDs von Radiohead:
> Amnesiac
> OK Computer
> The Bends


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