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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: PlaneAusters - Ruby Light Shine |
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Heute morgen geschehen. Blut kam aus der Wasserleitung. Da muss sich wohl der Monteur, der das Wasser zuvor abgestellt hatte, in den Finger geschnitten haben. Dieses Ereignis kommt mir vor wie eine der sieben Plagen aus dem alten Ägypten. Lass mein Volk ziehen, ruft es aus dem Wasserhahn, die vielen großartigen Musiker, die unter der Acht von Pharao Charts 3/2004 nix werden können. Das Menetekel dazu läuft bei mir im Hintergrund. Schon das dritte Mal heute: "Ruby Light Shine" von den PlaneAusters. Die Platte ist einfach großartig. Doch bei dieser lapidaren geschmacklichen Aussage soll es nicht bleiben. Warum sind die so gut?
Ein Versuch, die musikalischen Hieroglyphen zu entziffern. Eigentlich ist alles ganz konventionell. Klassische Songstruktur mit der üblichen Periodenbildung. So wie man etwa Aerobic abzählen würde. Das ist ja auch gar nicht schlecht. Es schafft nämlich Konsens beim popmusikalisch sozialisierten Publikum. "Sieben, Acht, und eins, zwei..." Wiederholungen im Text unterstützen diese Überschaubarkeit in der Struktur. Molltonarten herrschen vor. In den wenigen eher Dur-geprägten Stücken wie "Hit The Road" werden die PlaneAusters etwas uninteressant, haben sie nicht mehr diesen düsteren, poetischen Charakter, der die anderen Stücke prägt, sondern klingen so, als würden sie grade "Knockin´On Heaven´s Door" variieren. Aber das kann auch an meinem Geschmack liegen.
Und sie haben ja auch noch ganz andere Stücke auf Lager, die fantastisch sind. "New Morning" zum Beispiel, in dem sich ein pulsierender Triolenrhythmus, Vibratorgitarren und ein messerscharfer Gesang treffen. Die PlaneAusters sind für mich eine typische Mollband, Ausfälle in die parallele Durtonart eingeschlossen. Das Intervall der kleinen Terz taucht nicht nur in den Akkorden als Essenz auf, sondern immer wieder auch in der Struktur, in den Bassläufen, in den kontrapunktischen, d.h. gegeneinander laufenden Gitarrenstimmen – und zwar sehr vielfältig variiert. Die PlaneAusters bringen perlende, manchmal an alte Velvet-Underground-Stücke erinnernde Tonkaskaden. Hitzige Finger und ein paar entscheidende Schlenker mit dem Plektrum zu viel. Und Gitarren ohne zwischengeschaltete Effekte. Da hört man, wie schön eine elektrische Rhythmusgitarre klingen kann, wenn sie einfach so aus dem Verstärker tönt. Das schafft eine Atmosphäre, in der ich gleichzeitig das Gefühl habe, etwas Zeitloses wie auch etwas sehr Zeitgemäßes zu hören. Das Titelstück taucht im letzten Stück in einer instrumentalen Version wieder auf. Als rockmusikalisches Gerippe, ja wirklich als gehaltvolles Menetekel, das bei mir Erinnerungen daran hervorruft, wie es war, als ich das erste Mal Platten von The Eleventh Dream Day oder von Kent gehört habe.
Eine atmosphärisch dichte Platte ohne Ausfall, die einen ganz eigentümlichen Charakter hat. Ja, warum auch nicht mit dem Namen spielen? Diese CD ist wie eine Story von Paul Auster. So, wie es ist, im raucherfeindlichen New York, einen Tabakladen zu führen. Gegen den Strich gebürstet und dabei alles andere als unklug. Reinhören!
Peter Backof
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