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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Pina - Guess You Got It |
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Die Pubertät. Erste Pickel. Meistens unvorteilhaft. Erste Liebe. Meistens unglücklich. Erste musikalische Hörversuche. Meistens seichtes Popgedudel. Und dann: Erste traumatische Hörerlebnisse. Frontalangriffe auf eine junge, von Musik noch weithin unverdorbene Seele. Die daraus erwachsenen Schäden: Meistens irreparabel. Meine absolut schlimmste und dementsprechend hochtraumatische musikalische Erfahrung ist Melanie. Kennt die überhaupt noch jemand? Besser wär, wenn eben nicht! Ihre Stimme: Eine Mischung aus heiserstem Gekrächze und gläserklirrendem Geschrei. Fast hätte diese "legendäre Folksängerin" mir den Zugang zu jeglicher populärer Musik für immer verleidet. Von ihr musste ich, wenn ich es nicht irgendwie schaffte, schnellstmöglichst das Radio auszuschalten oder sonst wie davon abgehalten wurde, immerhin gnädiger- aber dennoch unfreiwilligerweise, bislang nur "Ruby Tuesday", aber auch dieses völlig unsägliche "Brand New Key" hören. Puuh! Grässlich! Das reicht für ein ganzes Ohrenleben. Ihre Stimme ist für mich der Inbegriff des gesanglichen Grauens. Vernehme ich nur den Namen Melanie, setzen bei mir schon Heulen und Zähneklappern ein...
Und jetzt lege ich also die neueste, die zweite Scheibe von Pina ein, und ich höre: Melanie. Oder zumindest ein Derivat. Jedenfalls eine Stimme, die jener in fernen Jugendtagen so abgrundtief verachteten grausam gleicht. Schon gut! Entsetzlich ähnelt. Da ist die Sache eigentlich schon gelaufen! Kurz mal die anderen Stücke angespielt. Es hat keinen Zweck. Die Erinnerung an sich langsam zusammenziehende Magenwände ist überwältigend. Ich kann unmöglich weiter hören. Und dann muss ich auch noch lesen, dass Pinas Stimme dem rauchigen Vibrato (wrrg) der legendären (!) Folksängerin (siehe oben) Melanie erstaunlich nahe kommt. Und dass Peter Gabriel vor drei Jahren so hingerissen von der Stimme der in Irland lebenden Wienerin Pina war, dass er ihr -schwupps- einen Plattenvertrag auf dem Silbertablett offerierte. Gabriel, wiederum dessen Stimme, ich gestehe es frei, ohne Zwang und ohne Reue, dereinst noch von u.a. dem damals noch trommelnden Phil Collins begleitet, in meinen spätpubertären Jahren aber so was von endlosschleifig aus dem noch nicht stereoanlagenkombinierten Kasettenrekorder (!) dudelte (ja, ja. So hörten wir früher Musik, und es hat uns nicht wirklich geschadet!). Peter Gabriel, dessen weltmusikalische Projekte ich aufs Höchste schätze.
Ich bin, um einen oft genutzten Begriff weiter abzunutzen, zunächst einmal erschüttert und mache tagelang einen weiten Bogen um die CD.
Doch es hilft nichts. Die Kritik muss geschrieben und der Widerwille dafür gebrochen sein.
Mittlerweile habe ich es geschafft, die Platte wieder aufzulegen und bin zu durchaus versöhnlichen Bemerkungen bereit.
"Guess You Got It" ist die zweite Einspielung der Wahl-Irin; diesmal jedoch nicht von Peter Gabriels Realworld-Label veröffentlicht, sondern von seinem speziell für Nicht-Weltmusik konzipierten Label Pre-Records.
Inspiriert ist Pina nach eigenen Worten von den Doors, U2, Edie Brickell und, klar doch, den Rolling Stones. "Guess You Got It" geht dementsprechend geradewegs und recht druckvoll nach vorne los. Ab und an erinnern mich die Stücke in ihrer Lärmigkeit sehr an Alanis Morissette. Bisweilen klingen einige Passagen auch leicht psychedelisch, insgesamt retro, und lassen mich nach nun doch mehrmaligem Hören sogar durchaus an Patti Smiths Meisterwerk "Horses" denken. Hin und wieder schaltet Pina mal einen Gang runter, insgesamt wird aber schnelles Tempo gefahren. Hard-Rock ist das Ganze dennoch nicht: Pina macht sich aus Blues und Folk ihr eigenes Rock-Gebräu. Einige Songs haben, zugegebenermaßen, durchaus auch Ohrwurmqualität.
In einem Satz: "Guess You Got It" bietet professionell produziertes, solides musikalisches Handwerk. Wer den hier bereits erwähnten männlichen und weiblichen Musikanten huldigt, macht sicher nichts verkehrt, wenn er mal ein oder zwei Ohren riskiert und reinhört. Und wer, wie ich, Melanie-geschädigt ist, kann ja überlegen, was er sich antun will...
Ärnst Stänkowskie
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