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CD-Review Philipp Weiss feat. The Steve Kuhn Trio - You Must Believe In Spring   CD-Review ::: Philipp Weiss - feat. The Steve Kuhn Trio - You Must Believe In Spring

Review Philipp Weiss - feat. The Steve Kuhn Trio - You Must Believe In Spring  
Review

Philipp Weiss
feat. The Steve Kuhn Trio - You Must Believe In Spring
Universal
erschienen im Mai 2005
Jazz
 
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Lass dir Zeit! Mach es dir in deinen Lieblingssessel bequem. Rauche, wenn du willst. Oder trinke ein Glas Wein. Und dann nimm diese Stimme wahr. Nimm sie in dir auf. Und frag dich dann, woher er kommt. Dieser Sänger, den du jetzt wohl zum ersten Mal hörst... Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schnell an Amerika denken wirst. Oder zumindest an England. Wogegen bei dem Namen Philipp Weiss ja auch nicht unbedingt etwas spricht.

Ja, ja! Hörgewohnheiten können in die Irre führen. Hier debütiert jemand, der das Singen in seinen Kindertagen in München geradezu furchtbar fand. Er, der sich damals weigerte, mit allen anderen Kinderlieder vorzutragen, interpretiert heute einige der schönsten Jazzstandards. Gelassen, innig, eigen. Seine Stimme dringt zum Herz eines jeden Stückes vor, offenbart sein Wesentliches. Und wessen Gesang so seelenvoll ist, der darf auch mit den Größten Musik nicht nur machen, sondern sie zelebrieren. Pianist Steve Kuhn, wie Keith Jarrett, Chick Corea und Herbie Hancock schon zu Lebzeiten Legende, bleibt seiner Verbundenheit zur Romantik im Jazz treu. Und er überwindet sich: Er, der Sänger von vornherein ablehnt und bei Scatgesang den Raum augenblicklich verlässt, findet in New York Gefallen an diesem 34-jährigen Struwwelkopf aus Munich. An dessen Stimme und Songauswahl. Und Weiss selbst ist von Kuhns impressionistischem Spiel fasziniert.
Zwei Musiker lernen sich kennen. Verabreden sich. Kommen wieder zusammen. Kuhn arrangiert die Stücke; macht zur Bedingung, dass nicht geprobt wird. Billy Drummond, auch er schon Legende, sitzt am Schlagzeug; David Fink am Bass. An der Trompete ein weiteres Jazz-Urgestein: Lew Soloff jammte bei Blood, Sweat & Tears und blies als ausgewiesener Big-Band-Spezialist bereits bei Gil Evans und im Thad Jones/Mel Lewis-Orchester. Für den lyrischen Ton des Flügelhorns sorgt Tim Bolden; Eric Alexander setzt eigene Akzente am Saxophon. Hier ist genug Raum für die Demonstration von exzellentem Spiel. Mal dominiert Weiss sichere Stimme vor dezent akzentuiertem Trio, dann wieder ist Raum für soloinstrumentale Ausflüge. Niemand steht wirklich im Vordergrund, jeder ist unverzichtbar.

Live eingespielt. In nur sechseinhalb Stunden. Perfekt. Ein Genuss! "You Must Believe In Spring” ist Musik, die ruhig dahin zieht. Für kurze Momente in schnelle Strudel gerät und sich dann wieder der Kraft eines gelassenen fließenden Stromes besinnt. Der Frühling kann kommen.
 
Ärnst Stänkowskie
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