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CD-Review Phil Collins Testify   CD-Review ::: Phil Collins - Testify

Review Phil Collins - Testify  
Review

Phil Collins
Testify
WEA / Warner Music
erschienen im November 2002
Pop
 
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Bandpage

Phil Collins ist mit seinem neuen Album "Testify" in der Ideenwüste gelandet. Sein nach "Dance Into The Light" erstes Studiowerk seit sechs Jahren geriet uninspiriert und nichts sagend.
Neun der zwölf Songs sind Balladen, die sich schnell wieder aus dem musikalischen Gedächtnis verabschieden. Dazu kommen im mittleren Tempo ein Hauch Ethno-Flair im Titelstück, in dem ein afrikanischer Chor mitträllert und ein wenig Folklore durch den Dudelsack-Einsatz bei "The Least You Can Do". Einen Fast-Rocker schafft Collins mit "Driving Me Crazy", das mit fröhlichen Kadenzen zum Refrain führt, der dann in einfachst-Akkorden erstickt. Bei all dem Mittelmaß überzeugt nur "It's Not Too Late", bei dem der Collins mit verletzlicher und gebrochener Stimme über das Thema Hoffnung sinniert.
Insgesamt greift und überrascht in den Songs nichts, Atmosphären mit Suggestivkraft fehlen. "Testify" zeigt deutlich, wie schwierig es für einen Alt-Star wie Collins es ist, im Meer des melodiösen Mainstream-Pops nicht zu ertrinken. Er ist darauf angewiesen, dass ihm unausweichliche Ohrwürmer, Riffs und Hooklines einfallen, denn besondere Themen, Sprachwitz oder lyrische Qualitäten besitzen seine Songs nicht. Nur den widerhakenden Klangfolgen verdankt Collins seine beachtliche Hit-Serie.
Aber dieser Erfolg ist tückisch und der Brite ist in die Falle getappt. "Testify ist nur noch ein Recycling, das frühere Glanzzeiten wiederholen soll. Die Kompositionen und Klangmuster des Albums lassen nichts erkennen, was Collins nicht schon einmal eingesetzt hätte. Das Gleiche gilt für die Texte: Das Hauptthema Liebe wird in ausgelutschte Klischees verpackt. Hier und da schleicht sich Sozialkritik ein ("Don't Get Me Started"), für die die altgedienten schwammigen Wohlfühl-Sounds aber nicht geopfert werden. Man will ja nicht anecken. Authentischere Inhalte, wie das Überleben als alternder, langsam taub werdender Musiker oder der Abstieg vom Pop-Olymp, spart sich Collins.
Für frische Ideen braucht der 51-Jährige einen fordernden, inspirierenden Gegenpart, sonst dreht sich Collins weiter nur um Collins. Aber als Ehrgeizling wird er sich, wenn die nächste Platte nicht mehr die Top 20 erreicht, vielleicht fragen: "Warum nicht noch mal mit Genesis?"
 
Thorsten Schatz
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