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CD-Review ::: Nick Cave And The Bad Seeds - Nocturama |
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Bevor der Winter nun endgültig weichen kann, kommt der Hohepriester der Dunkelheit mit einem neuen Album zu uns. Der Opener schwört uns stimmungsvoll auf seine inzwischen zwölfte Platte ein. Wie ein esoterisches Mantra einwirkend, bezirzt "Wonderful Life” mit Sprechgesang und sorgfältig eingesetztem Piano. Hierbei wirk Nick Cave froher, ruhiger und irgendwie glücklicher – die Drogen-Exzesse des Ex-Junkies und die Wut des Birthday Party-Rebellen scheinen einer zufriedenen Weisheit gewichen zu sein.
Aber... auch nur vorläufig! Denn nach zwei weiteren ruhigen und gekonnt instrumentierten Balladen - "He Wants You" und dem sehnsüchtigen, noch zarteren, fast zerbrechlichen "Right Out Of Your Hand" - knarzt sein Alter Ego an der Tür.
"Bring It On" - als erste Single ausgekoppelt - ist ein eindruckvoller Uptempo-Track, den er zusammen mit dem Frontmann der australischen Punk-Legende The Saints, Chris Bailey, runtergroovt. Das Video hierzu wirkt auf mich ebenso bewusst überzeichnet, wie der schon gekonnt ins kitschige gehende Appell des auffordernden Textes. Der dann folgende Song: "Deal Man In My Bed” schmeißt dann so mal eben die zärtliche Demut und alle je verschenkten Rosen einfach weg. Cave-mäßig düster-schön brechen hier seine dark sides, die immer noch in ihm schlummern, durch.
Doch dann wieder ein Break. Und zurück kehrt die meditative besinnliche Stimmung des Anfangs der neuen Platte ein. Es folgen vier ruhende elegische Balladen (insbesondere "Rock Of Gibraltar" und "There Is A Town" sind sehr schön), die zum Anfang der Platte zurückfinden. Doch am Ende zerstört er selber wieder den eigenen Frieden:
Mit "Babe, I'm On Fire" folgt eine apokalyptische Sound-Orgie. Ein Bekenntnis. 43 Strophen, die mit brachialer Kraft dargeboten werden. Fünfzehn Minuten voll mit explosiver Leidenschaft, Wut und auch deutlicher Kulturkritik in ihrer selbstreflexiven Übersteigerung. Im Grunde verbirgt sich gerade in der Widersprüchlichkeit der Songs das Beschwörend-Geniale an Nick Cave, der stets zwischen Verlorenheit, Zorn und Hoffnung zu leben scheint.
Musikalisch besticht neben den anderen Mitstreitern Blixa Bargeld, Mick Harvey und Thomas Wydler vor allem die Geige von Warren Ellis und haucht insbesondere den Balladen eine filigrane Stimmung ein, die von Nicks Piano und Stimme stets verschönt wird. Zwischen der spürbar ruhenden Melancholie und der kraftvollen Arrangements beweist er auch mit diesem Album, dass er das, woran sich die meisten Kollegen vergeblich versuchen, mühelos aus dem Ärmel schüttelt und meisterhaft beherrscht. Auch wenn man vielleicht die Sidekicks zu neuen Ufern oder Ultra-Pop-Undergroundhymnen wie "The Mercy Seat" vermisst, thront Cave zu Recht im Himmel des Dunkel-Pop. Sein neues Album ist kein homogenes Konzeptalbum, sondern wirkt wie ein leicht und sympathisch eingespielter Schnellschuss. Ein Streich, der offen legt, wie genial Nick Cave wirklich ist. "Nocturama" dokumentiert hierbei keine neuen Ziele oder innovative Soundstrukturen. Es krönt den Engel der Finsternis. So leicht und dennoch so schwer.
Uwe Garske
> Alle Beiträge von Uwe Garske
Weitere CDs von Nick Cave And The Bad Seeds:
> Murder Ballads > No More Shall We Part
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