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CD-Review ::: Mary Coughlan - Red Blues |
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Die Glücklichen spielen Rock'n'Roll, den Traurigen bleibt nur der Blues. Schenkt man dieser Binsenweisheit Glauben, dann wird schnell klar, warum sich die Irin Mary Coughlan auf ihrem neuen Album "Red Blues" als ausgezeichnete Interpretin von Blues- und Jazzklassikern präsentiert. Coughlans Leben liest sich wie der erdachte Stoff eines Filmepos: 1956 in Galway als ältestes von fünf Kindern geboren, brach sie früh die Schule ab, unternahm bereits als Teenager einen Selbstmordversuch und hatte mit Depressionen, Drogen- und Alkoholprobleme zu kämpfen. Nach diversen Gelegenheitsjobs zog sie nach England, heiratete und gebar im Alter von 20 Jahren ihr erstes Kindes (mittlerweile ist sie fünffache Mutter). 1981 trennte sie sich von ihrem Mann und kehrte zurück nach Irland, wo sie erste Erfolge als Musikerin verzeichnen konnte. Geldgierige Manager trieben sie Ende der 80er Jahre in den finanziellen Ruin, was den Rückfall in die Alkoholsucht und mehr als 30 Klinikaufenthalte nach sich zog. Nach einer erfolgreichen Entziehungskur startete sie 1993 einen Neuanfang mit neuem Partner und ein von der Musikpresse gefeiertes Comeback als Sängerin. Heute werden ihre Platten auch auf dem amerikanischen Markt veröffentlicht.
Die elf Songs auf "Red Blues" wurden im Oktober letzten Jahres innerhalb von nur vier Tagen in Bremen für das dort ansässige Tradition & Moderne-Label eingespielt. Schon die mitwirkenden Musiker wie der Pianist Peter O‘Brian, der Saxophonist Frank Mead, der Bassist Bill Rich und Kester Smith an den Drums sorgten dafür, dass die Stücke nicht in der Moderne, sondern durchgehend in der amerikanischen Tradition von Jazz und Blues mit vereinzelten Ausflügen in den Soul, Folk und Western-Swing verwurzelt sind. Über diesem Fundament aus zurückhaltender, entspannter Instrumentierung erstrahlt immer wieder die dunkle, lebenserfahrene Stimme Mary Coughlans. Ganz wunderbar, wie sie sich an "Blue Light Boogie" von Louis Jordan wagt oder sich Randy Newmans "You Can Leave Your Hat On" aus der Sicht einer Frau vornimmt und dabei Joe Cocker glatt vergessen macht.
Richtig (blues)rockig wird es nur in den drei Stücken, in denen die Irin von der kanadischen Blues & Folk-Band Tri Continental begleitet wird: in Bobby Blue Blands "Ain't No Love In The Heart Of The City", in "Portland" von Tri Continentals Bill Bourne sowie in Grace Jones funky Clubhit "Pull Up To The Bumper".
Am intensivsten jedoch ist Coughlans Stimme zum Schluss der Platte zu erleben, wenn sie a cappella Billie Holidays "Strange Fruit" interpretiert (der sie kürzlich mit dem Live-Tribute-Album "Mary Coughlan Sings Billie Holiday" die Ehre erwies).
Wer Neues oder Überraschendes erwartet, den wird "Red Blues" vielleicht enttäuschen, denn deren elf Songs sind unspektakulär, dafür aber umso treffender in Szene gesetzt. Selbstredend ist dies weder Musik zum Einheizen noch zum Rausschmeißen. Sie sollte vielmehr "after midnight" aufgelegt werden, wenn man nach einer Party mit den übriggebliebenen guten Freunden und einem Glas Wein vor dem Kamin zusammensitzt.
Und wenn Sie maximal eine Tagesreise von Nürnberg entfernt leben, merken Sie sich bitteschön das lange Wochenende vom 2. bis 4. August 2002 vor. Dann werden nämlich sowohl Mary Coughlan als auch Tri Continental auf dem Bardentreffen auftreten. Umsonst und draußen versteht sich.
Christof Herrmann
> Alle Beiträge von Christof Herrmann
Weitere CDs von Mary Coughlan:
> The House Of Ill Repute
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