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CD-Review Mark Murphy Once To Every  Heart   CD-Review ::: Mark Murphy - Once To Every Heart

Review Mark Murphy - Once To Every  Heart  
Review

Mark Murphy
Once To Every Heart
Verve / Universal
erschienen im September 2005
Jazz
 
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Frage: Was ist ein Jazzsänger? Antwort: Mark Murphy. Der mittlerweile 74-jährige Brite ist der Inbegriff für einen Jazz-Vokalisten, und das noch mehr als Frank Sinatra oder Nat "King" Cole. Die haben zwar auch Jazz gesungen, aber sie waren zu großen Teilen ebenso Crooner und genau genommen Popstars. Mark Murphy blieb das verwehrt. Er machte seit den Fünfzigern schon immer Jazz, und seine Plattenfirma, mit der ihn kein anderer als Sammy Davis Jr. in Kontakt brachte, hatte Pläne, ihn zu einem ähnlich romantischen Schmelzsänger wie Dean Martin oder Vic Damone aufzubauen. Aber dann hatten sie Bedenken, weil Mark Murphys Swing zu feurig, sein Balladenvortrag zu intensiv war. Er war zu weit ab vom Mainstream damaliger Coleur und schrammte an der ganz großen Karriere vorbei.

Murphy hatte zwar Plattenerfolge, kam in die Charts. Aber eben nur in die unteren Ränge und auch nur in die Jazz-Hitlisten. Beim Fachpublikum und bei den Kritikern galt er allerdings immer schon als vielleicht der beste Jazzsänger überhaupt. Und dass das so geblieben ist, liegt vielleicht an seinem Geheimtipp-Status.

Eine kleine Renaissance erlebte Mark Murphy in den Achtziger- und Neunzigerjahren, als Mixer-Jungspunde seine Stimme immer wieder als Sample für ihre Tanzflur-Produktionen einsetzten. Und auch die neue Jazzszene der Gegenwart entdeckte ihn - wie 2005 Till Brönner. Der wurde von Mark Murphy, als er eines seiner Konzerte besuchte, bei einer Ballade zu Tränen gerührt. Da kam ihm die Idee: Mark Murphy singt Songs, die über die Balladen-Geschwindigkeit nicht hinausgehen sollten - und das alles ohne Auftrag einer Plattenfirma. Murphy war skeptisch, aber er machte es.

Mit Till Brönner (Trompete, Flügelhorn), Frank Chastenier (Piano) und Christian von Kaphengst (Bass) im Rücken, singt Murphy Standards wie "Love Is Here To Stay" von George Gershwin, "Do Nothing Till You Hear From Me" von Duke Ellington. Von Murphy selbst stammt "I Know You From Somewhere", von Till Brönner "Our Game". Dazu kommen sechs weitere Klassiker und, abseits vom Jazz, der Kermit-Song "Bein' Green".

Das Ergebnis jagt einem Schauder über den Rücken. Nach wie vor lebt Murphy jeden Ton, den er singt. Er nimmt ihn auf, spielt mit ihm, macht ihn zu seinem im Moment des Singens einzigen Lebensinhalt und schleudert ihn in die Seele des Zuhörers. Und das gelingt ihm in diesen Jahren noch intensiver als früher, denn die Tiefe, Weisheit, Brüchigkeit und leise Dramatik des Alters schwingt in seiner Stimme mit - einer Stimme, die einen völlig gefangen nimmt, auch wenn das Betonen seiner Persönlichkeit Murphy manchmal zu aufdringlich und kokett gerät. Till und seine Mannen schaffen es, Mark Murphy den nötigen Freiraum zum Austoben der Emotionen zu lassen und gehen kongenial auf seine Ausbrüche und Einfälle ein. Ein Zusammenspiel, das das Album in die Nähe des Prädikates Meisterwerk bringt.
 
Thorsten Schatz
> Alle Beiträge von Thorsten Schatz
 
Weitere CDs von Mark Murphy:
> Love Is What Stays


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