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CD-Review Marianne Faithfull Kissin' Time   CD-Review ::: Marianne Faithfull - Kissin' Time

Review Marianne Faithfull - Kissin  
Review

Marianne Faithfull
Kissin' Time
Hut Rec. / Virgin / EMI
erschienen im März 2002
Rock / Pop
 
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Im Verlauf ihrer mittlerweile 37 Jahre im Musikbusiness hat Marianne Faithfull Höhen und Tiefen erlebt, die sich auch zumeist in ihrer Musik niederschlugen. Anno 1964 betrat sie als Protege des Stones-Managers Andrew Loog Oldham die Pop-Bühne als unschuldige Folk-Prinzessin, zerbrach aber schon recht bald danach an der Beziehung zu Ober-Stone Mick Jagger. Und als sich schon niemand mehr an ihren Namen erinnerte, erschien mit "Broken English" eines der beeinduckendsten Alben meiner Jugend, die düstere Bestandaufnahme eines fast schon verpfuschten Lebens. Dieses Level konnte mit "Dangerous Acquaintances" bedingt gehalten werden, danach war die Faithfull wieder wer, die Alben wurden beliebiger und dadurch schwächer, auch wenn sie die Feuilletons für ihre gelungenen Brecht/Weill- Interpretationen ("20th Century Blues" und "Seven Deadly Sins") Ende des letzten Jahrhunderts ins Herz schlossen. Erwähnenswert erscheint mir lediglich noch die Zusammenarbeit mit dem David Lynch Hof-Komponisten Angelo Badalamenti "A Secret Life", ein weitgehend übersehenes Werk, dessen Melancholie und getragene Düsternis der Stimme der Faithfull eben extrem entgegenkommt.
Aber Thema soll ja die neue Platte sein, in sämtlichen Medien vielbeachtet wegen der Beteiligung einer Reihe von Heroen der jüngeren Independentszene, als da wären Billy Corgan (Smashing Pumpkins), Beck, Jarvis Cocker (Pulp) und Damon Albarn (Blur, Gorillaz), dazu kommt noch jeweils eine Zusammenarbeit mit Etienne Daho und Dave Stewart (Eurythmics). Alleine diese Liste sollte natürlich dem Album zum Erfolg verhelfen, ein gewisser Grundumsatz ist durch Die-Hard-Fans der erwähnten Künstler natürlich auch gesichert, ob sich darüber hinaus allerdings Begeisterung einstellt, darf bezweifelt werden. Zu wechselhaft sind Qualität und hörbare Einflüsse der einzelnen Titel. Das beginnt schon mit dem für Faithfull-Fans durch seine modernen Funk-Einflüsse stark gewöhnungsbedürftige "Sex With Strangers", das wohl besser auf einem Album des Kooperationspartners Beck aufgehoben wäre, ähnliches gilt für Zusammenarbeit mit Etienne Daho, "The Pleasure Song". Danach folgt mit dem schlicht instrumentierten "Like Being Born" (Partner erneut Beck) einer der wenigen intensiven Höhepunkte der Platte, bevor Billy Corgans mit "I’m On Fire" einen schon recht beliebigen Text mit noch beliebigerer Musik zupflastert. Mit "Wherever I Go" gelingt dem Kürbiskopf leider auch keine rechte Wiedergutmachung, und auch zusammen mit dem altgedienten Dave Stewart, Partner bei der Hommage "Song For Nico" an die einstige Weggefährtin, versandet die Intensität der Faithfull’schen Stimme im abschließenden "dadadadadadadadada"-Gesang. Mit "Sliding Through Life On Charm" und der Zusammenarbeit mit Jarvis Cockers Pulp folgt endlich wieder ein weiterer Höhepunkt, der Song enthält zwar massive Anklänge an Amanda Lears 70er Jahre Disco-Knüller "Follow Me", ist aber trotzdem typisch Pulp - eine interessante Feststellung, wie ich finde - hier stimmt die Chemie, die Faithfull erzählt aus ihrem Leben und das ist auch die Stärke der nächsten beiden Songs, geschrieben zusammen mit David Courts beziehungsweise von Beck, der "Nobody’s Fault" einstmals vielleicht unbewusst für diese Zusammenarbeit geschrieben hat, so passend ist der Song. Die noch folgenden Kooperationen mit Blur (mit "Tender"-mäßigen Gospeleinlagen und aufdringlichem Albarn-Vocals) sowie erneut Billy Corgan (ein Herman’s Hermits Cover) können leider wieder beide nicht recht überzeugen, weshalb das Album letztlich einen eher negativen Gesamteindruck hinterlässt. Irgendwo im Getümmel der jungen Bewunderer hat sich die Faithfull leider selbst verloren.
 
Dominik Engel
> Alle Beiträge von Dominik Engel
 
Weitere CDs von Marianne Faithfull:
> Before The Poison


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