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CD-Review Marcy Playground MP3   CD-Review ::: Marcy Playground - MP3

Review Marcy Playground - MP3  
Review

Marcy Playground
MP3
Portrait / Columbia / Sony Music
erschienen im April 2004
Indie-Rock / College-Rock
 
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"MP3", der Drittling von Marcy Playground, steht zumindest dem Titel nach ganz im Zeichen des medialen Zeitalters. Klar, man kann sich bestimmt in Kürze die Songs des Albums illegal aus dem World Wide Web als MP3 saugen. Aber was die Fans und die, die es in Kürze sein werden, da zu hören bekommen, ist eher eine Retrospektive als zukunftsweisend. Von Anfang an wird deutlich: Marcy Playground kennen sich in der Rockgeschichte aus. "Spooned", der Opener, beleiht den Rhythmus von Queens Stadion-Stamper "We Will Rock You". Und dann machen die drei klar, wo sie eigentlich verwurzelt sind: im Grunge. "Blood In Alphabet Soup" hätte auch auf Nirvanas "Nevermind" gepasst. Und das komplexe und spannendste Stück des Albums, "Hotter Than The Sun", spielt so sehr mit beatle-esquen Melodieführungen, dass man meint, Soundgarden hätten wieder eine Platte aufgenommen.

Danach wird nur noch spärlich zitiert. "Rock’n’Roll Heroes" heißt nicht nur so, die Fünfziger rauschen tatsächlich in das Rhythmus-Gerüst des Songs. Und "Jesse Went To War" könnte nach ausgiebigem Genuss der Stones-Ballade "Angie" entstanden sein. Damit hat es sich aber mit direkten Zitaten. Marcy Playground entscheiden sich beim Rest der insgesamt 14 Songs eher für die Grunge-Reminiszenz. Das geht dann auch schon mal an die Grenze zum Punk ("Punk Rock Superstar") und oft in die Richtung langatmige Ballade.

Die Band tobt sich in den Musikstilen, je nach Stimmung, aus, ohne sich auf ein Konzept oder roten Faden festzulegen. Und so klingt das Album insgesamt: frisch, direkt und eine Spur fröhlicher als die Vorgänger – trotz der bitter-ironischen Texte. Dass es dann aber gleich 14 Songs sein mussten, ist wohl ein Zugeständnis an die Fans und die Fassungskapazität einer CD, leider nicht an die Qualität. Das große Manko sind allerdings nur die Balladen, die nicht ergreifen, sondern nur ruhig plätschern, ohne Dynamik und zweidimensional daherkommen. Aber die restlichen Dreiviertel des Albums lassen einen gleich wieder aufwachen und die Ohren vor Vergnügen weit aufreißen.
 
Thorsten Schatz
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