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CD-Review Manu Chao Proxima Estacion: Esperanza   CD-Review ::: Manu Chao - Proxima Estacion: Esperanza

Review Manu Chao - Proxima Estacion: Esperanza  
Review

Manu Chao
Proxima Estacion: Esperanza
Virgin

World Music
 
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Manu Chao lässt bei der Beurteilung seines neuen Albums "Proxima Estacion: Esperanza" nur wenige Worte zu und bei denen handelt es sich ausschließlich um Superlative. Man denke sich an dieser Stelle einfach seinen Lieblingsbegeisterungsausruf. Als Anregung verweise ich auf "Super!", "Genial" oder "Phantastisch!".

Vielleicht beurteile ich Manu Chao aus einem gewissen Vorbehalt heraus. Er war der Kopf der Band Mano Negra, und diese ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten der ausklingenden 80er und beginnenden 90er Jahre gewesen. Mit ihren Alben "Putas Fever" oder "King Of The Bongo" vereinigten sie Einflüsse verschiedenster Regionen, machten Punk, Reggae, Dub und Chanson, Pop, Balladen oder Flamenco. Und das in verschiedenen Sprachen, in Französisch, Arabisch, Spanisch, Englisch oder Portugiesisch. Mano Negra war aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten von Paris zusammengesetzt, das war ein Gemisch wie in der Französischen Fußballnationalmannschaft - und die spielen ja einigermaßen erfolgreich...

Es gab kaum bessere Livebands als die riesige Multikulti-Truppe mit der schwarzen Hand, die in Deutschland nie über den Status des Geheimtipps hinauskommen sollte. Vor allem verbanden Mano Negra ihre Musik bei aller Weltrebellion- und Punkattitüde immer mit einer riesigen Portion Humor.

Ähnlich wie in Deutschland war die Band auch in Großbritannien oder den USA relativ unbekannt. In Frankreich, Südamerika und vor allem in Japan hingegen waren die Franzosen Superstars. Die vielen Reisen durch die Welt, besonders durch Südamerika, beeinflusste nachhaltig die Musik von Manu Chao. Das Resultat war zugleich das letzte Album von Mano Negra. "Casa Babylon" war vier Jahre nach "King Of Bongo" der erste Fingerdeut auf die Musik, die Manu Chao heute solo macht. Viele Samples, kleine Melodien, die in andere überfließen, sprunghafte Wechsel in die eine oder die andere Sprache, plötzlich wieder aufblitzender Punk, dann Cubanismo oder Reggae-Rhythmen.

Bereits Anfang 1998 wurde "Clandestino", das Solodebüt, in Frankreich und auch schon in Deutschland veröffentlicht. Nur wenige interessierten sich für World Music, was "Clandestino" im weitesten Sinne war. Das Album verschwand nach kurzer Zeit wieder aus den Regalen. Ich war enttäuscht darüber, dass Manu so untergehen würde. Irgendwann Ende 1998 schwärmte mir eine Schweizer Dichterin vom Album vor. In ihrem Freundeskreis in Zürich höre das Album jeder, nachdem ein Freund es von einer Südamerikareise mitbrachte. Es verstreute sich in der Welt und wirkte wie ein gutartiger Virus, den sich Reisende durch die Welt allerorts einfingen und ihn weitertrugen. Es war die Mund-zu-Mund-Propaganda, die die Leute dazu trieb, "Clandestino" weltweit zig Millionen mal zu kaufen. Trotzdem verging ein weiteres Jahr, bis das Manu Chao-Fieber Deutschland endgültig erreichte. Hier allerdings verhalf vor allem die Musik des Buena Vista Social-Clubs Manu Chao zu plötzlicher Beliebtheit. Mit "Bongo Bong" hatte er sogar einen verspäteten Top Ten-Erfolg - und das mit einem Song, der selbst nur aus dem Titelsong des '92er-Albums "King Of Bongo" recycelt wurde. Voila, le Happy-End.

"Proxima Estacion: Esperanza" nun hat die langen Wege nicht mehr nötig. Im bewährten Stil fabriziert Manu Chao da eine Musik, die an Globalität kaum zu übertreffen ist - einzig die deutsche Sprache oder chinesisch fehlen noch, um alles komplett zu machen. Er switcht von einem Sample zum nächsten, verlinkt die Songs miteinander, greift wieder zurück, recycelt seine eigenen Lieder, kommentiert, verweist, deutet an, groovt, rockt, dubt. Das ist ein Album, das wirklich den Geist des Jahres 2001 eingefangen hat. Das ist wie surfen im Internet, das ist der Rock'n'Roll dieser Tage. Vielleicht wird er auch wieder Hits haben, hoffentlich. "Me Gustas Tu" oder "Denia" sind dafür eigentlich prädestiniert. Letztlich wird es auch wieder das Internet sein, das Manus Musik noch in den letzten Winkel der Welt tragen wird.

Da "Proxima Estacion:Esperanza" in verschiedenen Ländern schon im letzten Jahr zu haben war, konnte man bereits im Sommer 2000 die neuen Songs auf den Filesharing-Börsen bekommen. Der Popularität tat dies keinen Abbruch, im Gegenteil.

Ein echter Tipp für alle Gefühls- und Lebenslagen, besonders für den Sommer und gute Laune. Sicherlich ist es schwierig, als reiner Rock- oder Electronica-Fan den Zugang zur Musik von Manu Chao zu finden, aber ich möchte behaupten, dass dieses eine der wenigen Veröffentlichungen ist, die jede Altersgruppe und jeden Geschmack ansprechen wird. Amen.
 
Oliver Stahmann
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