copyright discover koeln, 2002 werbung
discover - musik & mehr
  CD-Reviews Interviews Stories News Touren Bücher und Comics Sound & Video Bandlinks, Labellinks, Surftipps Die aktuellen MP3- und Videocharts  
Finden
 

Mr. Undercover
Werbung ist wie Teflon

Leserpoll
Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...

Berlin
37.9%
eine andere
20.7%
Hamburg
17.2%
Köln
17.2%
München
6.9%
anzeige
anzeige
 
CD-Review Marilyn Manson Mechanical Animals   CD-Review ::: Marilyn Manson - Mechanical Animals

Review Marilyn Manson - Mechanical Animals  
Review

Marilyn Manson
Mechanical Animals
Nothing Records / BMG

Glam-Rock der Neunziger
 
> CD-Preisvergleich
> Jetzt bei Musicload downloaden
> Weitere Infos bei musicline.de
Guns, God And Goverment World Tour (DVD)
Bandpage
Letzte News ::: 03.06.2002

Was für ein Album, was für eine Band! 1996 hatte Marilyn Manson mit "Antichrist Superstar", einer bedrohlichen Mär gegen christliche Religion, für jede Menge Furore gesorgt und dabei, vom großen Medienrummel weitgehendst nicht wahrgenommen, eine große Geschichte über die Pubertät als Verwandlung und als Entfremdung in den 90ern erzählt. Nebenbei wies der Inhalt des Albums permanent auf sich selbst und den inszenierten Hype um den Pro- und Antagonisten der Band hin: Der Antichrist führte seine Anhänger als Rockstar in den Abgrund!

Was damals im Metal- und Gothic-Kleid nicht so stilprägend war, tritt jetzt auf "Mechanical Animals" umso deutlicher nach vorne: Glam Rock! Die Single "The Dope Show" ist auf den Musiksendern bereits zu bestaunen: Manson in Lack und Latex und so androgyn, daß der Thin White Duke nicht wissen wird, ob er sich freuen oder neidisch grämen mag. Nun könnte man feixen, daß es sicherlich kein Zufall sein könne, daß eben jetzt "Velvet Goldmine" in den Kinos anläuft, der ja das Schicksal eines 7oer Glamrock-Stars in den 90ern beschreibt. Aber Marilyn Manson führen eben mehr als nur die geschickt kalkulierte und angesichts der gezeigten Provokation als Kunststück zu bezeichnende Präsenz in den Massenmedien im Schilde: Ohne mit der Wimper zu zucken, demonstrieren sie die 70er, 80er und 90er Derivate des Plateauschuh-Genres: Akustik-Gitarren schrappen wie weiland bei Ziggy Sternenstaub (Bowie's Stardust, Red.), hinter jedem Ringmodulatorröhren mag man glauben Brian Eno hervorlugen zu sehen, die Tempi kommen aus antiquierten Rhythmuscomputern und wirken mit Kalkül steif und zu langsam. Vor allem Marilyn Mansons Gesangsarbeit zeigt neben seinem Mut zu ungekünsteltem Gefühlsausdruck die Narben, die er sich mit Bowie und Bauhaus teilen mag. Dabei tauchen Marc Bolan'sche Träumereien zur Laute ohne Stilbruch neben billigsten Drumbox-Einsätzen auf und bleiben damit in bester Tradition des Genres: Bei der narzistischen Selbstdarstellung in den 70ern war das musikalische Zusammenzählen von Äpfeln und Birnen ebenfalls stilbildend.

Anders als in den besagten Teenybop-Tagen ist der Inhalt des konzeptuell angelegten Albums aber weniger auf Party, Kaugummi und feuchte Träume ausgelegt: Auf dem Cover erscheint Marilyn Manson als androgyne, bewußt durch Computeranimation mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen ausgestattete "Coma White", ein anderer Teil des Booklets zeigt Manson als Megarockstar "Omega" . Dabei stellt er nicht nur beide Figuren dar, sondern ist auch im Kontext der Geschichte dieselbe Person. Im Video zur Single "The Dope Show" wird gezeigt, daß "Coma White" unter dem Gefeixe einer dekadenten Rock'n'Roll-High Society zu "Omega" umfunktioniert wurde (schon das ein fieser Tieftritt gegen Amerikas Schönheitsoperationen-Psychose!). Und ein Besuch auf Manson's Homepage eröffnet, daß "Omega" wähnt, daß seine Homepage in diesen unmenschlichen Zeiten der einzig sichere Ort vor "ihnen", den nur menschlich anmutenden "mechanical animals" des diktatorischen Systems, sei. Er sei erschaffen worden, um die Menschheit zu unterwandern (Was er aber nicht machen wolle, der Popstar ist doch edel und gut!). Die gekaufte CD könne als positive Survival-Droge den Konsumenten in jemanden anders verwandeln und ihm damit die Möglichkeit zum geistigen Refugiums vor dem mediengestützten Terror geben! Bezeichnend für diese krude Rahmenhandlung zwischen "Terminator", dem "Manifest der kommunistischen Partei" und "The Man Who Sold The World" ist, daß Manson hier wieder in mindestens zwei Ebenen mit seiner Rolle als Rockstar operiert: er als Rockstar stellt einen Rockstar dar (und letztlich ist er somit wieder verdammt nahe an der Basisstory aller Rock'n'Roll-Stories über Identität und Selbstfindung: Townsends "Tommy"). Die Musik ist Vehikel eines totalitären Obrigkeitsstaates und gleichzeitig auf der CD der Stoff, aus dem die Revolte entsteht. Mit dieser Geschichte zeigt Marilyn Manson, daß er sehr genau weiß, welche Ambivalenz er als Medien-Ereignis erzeugt und mitträgt. Ebenso zeigt er Drogen immer wieder als Repressions- und Verführungsmittel.

Dabei trifft er aber aus seinen Texten heraus immer wieder die Folgen des reelen Zeitgeistes 1998 mit einer Klarheit, die ihn eigentlich als sehr wachen Menschen ausweist: "They love you when you're on all the covers, when you're not, then they love another" oder "Norm Life Baby: We're white and oh so hetero and our sex is missionary". Die Figuren erzählen aus einem drogenvernebelten Gemisch aus Pomp und Gloria, das zunehmend an Farbe verliert. Am Ende steht "the last day on earth", der Weltuntergang und das unklare Ende von "Coma White".

Dieses grandiose CD-Album erzählt einen (bewußt?) unklaren Reigen um Identität und Betäubung. Letztlich bleibt immer die Frage offen, ob Manson hier eine Story erzählt, ob er sich selbst der Manipulation des Publikums bezichtigt und (zu guter Letzt) wie er das eigentlich bewertet. Und ob Marilyn Manson Drogen positiv oder negativ sehen, ist nach der guten Stunde "Mechanical Animals" weniger klar denn je. Was das alles soll, wird und soll vielen verborgen bleiben: Rockmusik erzeugt Identität gerade durch Abgrenzung. Erstaunlicherweise nimmt sich Manson aber exakt der Konzepte an, die eher seinen Erzfeinden aus dem christlichen Lager zu Gesichte stünden: Apokalypse, Scham, Tod, Entfremdung und vor allem Identität. Marilyn Manson bleibt immer die dramatische Inszenierung eines provokativen Thesenbündels. Und genau sein Spiel mit extremen (und eigenen) Widersprüchen gibt dem Pro-/Antagonisten Manson die Gelegenheit, uns etwas über unsere Welt zurückzumelden, und das mit einem Scharfsinn, der wahrscheinlich eher uns als ihm etwas nutzt.
 
Franjo Obradovic
> Alle Beiträge von Franjo Obradovic
 
Weitere CDs von Marilyn Manson:
> The Golden Age Of Grotesque
> The Nobodies
> Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)


Review   Marilyn Manson bei ebay

 

CD-Tipps

CD-Reviews

DVD-Reviews

News

Tourtips

zurück | nach oben

Anzeige: Tank leer? Dann jetzt Shell Gutschein gewinnen!

 

Homepage    CDs    Interviews    Stories    News    Touren    Gedrucktes    Sound & Video    Links    Charts   
Impressum    Mediadaten    Sitemap   

Copyright © discover, Bergisch Gladbach 2007