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CD-Review Lothar Krell Sinnfonie für Amphitrite   CD-Review ::: Lothar Krell - Sinnfonie für Amphitrite

Review Lothar Krell - Sinnfonie für Amphitrite  
Review

Lothar Krell
Sinnfonie für Amphitrite
One World Media
erschienen im Oktober 2001
Keyboard-Symphonien
 
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Jeder trägt sie in sich. Seit Jahren oder Jahrzehnten schon. Musik, die sich wie eine Matrix in uns gebrannt hat und uns zu denen gemacht hat, die wir sind. Die Hymnen unserer Jugend. Jeder weiß um seine eigenen. Musik, die uns mit Wärme umhüllt und unsere Herzen sich öffnen lässt wie Blumen im Frühling.
Zugegeben, das klingt reichlich pathetisch. Aber genau so ist es auch gemeint. Denn hier gilt es eine CD erst vor- und dann gleich wieder wegzustellen, die sich als eine einzige Hymne versteht und deren gewaltiges musikalisches Pathos doch nur leer ist und kalt. Aber beginnen wir noch einmal ganz von vorn und fragen uns: Wer eigentlich ist diese Amphitrite, der hier musikalisch gehuldigt wird? Antwort: Eine Meerjungfrau. Nicht die kleine aus Kopenhagen, sondern jene, von der die Legende berichtet, dass sie vom Meeresgott Poseidon zu Stein verwandelt wurde, weil sie dessen Liebe verschmähte. So zur Unbeweglichkeit verurteilt ist die Eigensinnige zu sehen auf dem hochoffiziellen Wahrzeichen der Stadt Mannheim, einem Wasserturm. Ob nur aus Gründen der Zierde oder zur Warnung gar ist weiter nicht bekannt. Wenn denn aber schon ein Wasserturm als Wahrzeichen einer Stadt herhalten muss, dann ist dessen 100jähriges Jubiläum natürlich ein gebührender Anlass zur Feier. So geschehen im August des Jahres 1989. Zum Ereignis entstand eigens ein erbauliches Schauspiel, in dem sich die Elemente Wasser, Feuer, Tanz und Musik zu einem Fest der Sinne, einer "Sinnfonie" vereinigten. Nun ja, auch Begriffe wollen eben in die Welt... Den musikalischen Part der Veranstaltung bestritt der Frankfurter Keyboarder Lothar Krell mit eben jener Auftragskomposition "Sinnfonie für Amphititre, die jetzt noch einmal digital abgemischt und neu aufgelegt wurde.
Nun trägt der Syn(!)ergieeffekt sein übriges zu solchen Ereignissen bei und lässt in der Gesamtheit eines derartigen Spektakels deren einzelne Elemente in einer Glorie erstrahlen, dessen Schein bisweilen doch schnell verblasst, wenn nur noch ein Sinn angesprochen wird. Und das Ergebnis einer solchen Entzauberung finden wir auf diesem Tonträger, dessen Cover, dem eigentlichen Lebenselement der Amphitrite entsprechend, in kaltem Blau und Violett gehalten ist.
Im Stile der Programmmusik wurde hier ein Werk geschaffen, das Schwere schon in den Titeln verheißt. "Rückkehr Der Göttin", "Durchs Labyrinth Der Tränen", "Duell Der Blitze" und dergleichen mehr lassen nicht gerade leicht verdauliche Kost vermuten. Zum Zwecke deren akustischer Verdeutlichung wird dann auch reichlich Tastenarsenal aufgefahren. Geboten wird jedoch ein Tonhöhenbombast, der bisweilen an die akustische Schmerzgrenze reicht. Es donnert und rummst, einzelne Tonpassagen werden in die Länge gezogen wie Kaugummi; zwischendurch hallt es düster-unheimlich, dann wieder brechen die synthetischen Fanfaren los. Da soll dem geneigten Zuhörer die zusätzliche Verwendung von Glasharfe und Saxophon spätestens nach zehn Minuten vergessen lassen, dass es sich hier um ein reines Keyboardalbum handelt. Abgesehen davon, dass dies ein Widerspruch in sich ist, liegt aber genau hier das Problem. Dass es ein Keyboardalbum ist, lässt sich eben beim besten Willen nicht vergessen. Und zwar keines der sinnlichen, sondern, mit Verlaub, eines der nervigen. Open Air mag derlei musikalischer Pomp gemeinsam mit Feuerwerk und anderen visuellen Effekten ja zu einem betörenden Erlebnis verschmelzen. Ich will das gar nicht abstreiten. Jedoch nur in der profanen Umgebung der eigenen Wohnung aus den Lautsprechern wabernd wirkt das alles eben doch eher abtörnend.
Was zumindest mir nach diesem rein musikalischen Erleben bleibt, ist das Wissen um die eigenen Hymnen und die Erkenntnis, dass das Leben zu kurz ist, um jeder Musik Einlass oder gar eine Heimat in uns zu gewähren. Und so ist mancher Töne Schicksal ein grausames: Sie fallen anheim dem gänzlichen Vergessen.
 
Ärnst Stänkowskie
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