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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Kate Ryan - Stronger (contra) |
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Vor zwei Jahren bekam das junge Musikpublikum wieder mal musikalisch nährstoffarmes Chartfutter um die Ohren gehauen: Kate Ryan gelang mit "Desenchantee" ein veritabler Europa-Hit, und ihr Debüt-Album "Different" verkaufte sich bis zum Goldstatus. Hinter der 24-jährigen standen und stehen das Produzenten-Team Phil Wilde und A J Duncan, das ihr Songs schreibt und zurechtzimmert, wie es sich das junge Käuferpublikum zwischen zehn und 20 angeblich wünscht.
Was dabei herauskommt, hat eindeutig das Ziel, nach mehrmaligem Gebrauch auf Jahrmärkten und in Diskotheken-Tempeln und -Tümpeln in ganz Europa im gelben Sack zu landen. Das gilt für "Different" genauso wie für "Stronger", das neue Album von Kate Ryan. Das ist genau die Art von Plastik-Pop, die Teens immer wieder fasziniert, weil sich die blonde Sängerin als Idol für die Mädels und als Schwarm für die Jungs präsentiert.
Die Musik ist wie so oft bei derartigen verkaufsträchtigen McDonald-Produktionen grauslich. Die Belgierin darf sich inmitten eines riesigen Synthesizer-Parks im Studio mühen, ihrer Stimme Volumen zu geben, um bei all dem Bubblegum-Techno- ("Scream & Shout"), Dance-House-Geplärre ("Hurry Up") und Siebzigerjahre-Disco-Reminiszenzen nicht unterzugehen. Zu den Dance-Nümmerchen kommt auch noch die unvermeidliche Cover-Version: "The Promise You Made" von Cock Robin aus dem Jahre 1986. Am Anfang hat man ja noch die Hoffnung, dass sich Ryans Produzenten weitgehend an das Original halten. Aber dann, nachdem die der Erst-Version nachempfundenen E-Gitarrenriffs kurz mal zu Gehör kamen, ändert sich das Klangbild. Das wäre zwar eine passende Gelegenheit für eine neue, eigene Interpretation, aber nein, wieder muss es die Disco-Stampf-Sülze sein, die darübergezogen wird und alles niederplättet. Die Dramatik und Dynamik der Komposition werden schlicht kastriert.
Bei all diesen Versuchen ist Kate Ryan vor allem eines: laut. Sie schafft es nicht einmal, sich bei den süßwassertiefen Balladen ("The Rain", "Goodbye") auch nur einigermaßen in die Melodie einzufühlen, Akzente zu setzen, die Kunst des Auslassens liegt ihr nicht. Sie will nur zeigen, wie toll sie ganz allein auf eine hohe Dezibelzahl kommt. Da hat selbst Anastacia mit ihrem sich oft verselbständigenden Über-Organ mehr Song-Sensibilität.
Dass es auch anders geht, dass man intelligente, eigenwillige, ideenreiche und dazu noch tanzbare Popmusik machen kann, beweisen Bands wie Faithless oder die Basement Jaxx. Aber man hat ja die Wahl...
Kate Ryan kann man nur wünschen, dass sie während ihrer Disco-Popularitätsphase genügend Geld einnimmt, um sich früh aus Musikproduktionen verabschieden zu können – oder dass sie, auf Umwegen, doch noch die Kurve in eine andere musikalische Richtung bekommt, vielleicht mit einem anderen Produzentenumfeld. Immerhin: Ein paar stimmliche Möglichkeiten hat sie.
Thorsten Schatz
> Alle Beiträge von Thorsten Schatz
Weitere CDs von Kate Ryan:
> Stronger > Different
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