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CD-Review ::: HenschkeSchlott - Cafe Thiossane |
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Heutzutage wird ja gerne von Projekten gesprochen. Oft wird das projekthafte einer Zusammenarbeit, sei es in der Musik, im Theater oder in der Bildenden Kunst bereits in der Namensgebung hervorgehoben. Projekte machen von vornherein klar: "Wir probieren was Neues aus." "Was wir machen, gab es so vorher nicht." Und: Ein Projekt ist in sich zeitlich begrenzt; es dauert so kurz, wie es eben dauert.
Warum dieser Exkurs? Auch HenschkeSchlott, hinter denen sich Tastenmann Reinmar Henschke und Saxophonist und Flötist Volker Schlott verbergen, werden als "Duo-Projekt" bezeichnet.
Das ist ja mal ganz was Neues!
Was also ist hier das originär projekthafte? Glaubt man den Verlautbarungen der Vertreiber, so ist das Besondere die Verbindung von Flügel, Saxophon und elektronischen Klängen. Damit kommt man der Sache aber auch nicht wirklich näher.
Es mag schließlich der beiden Musikern nachgesagte Flow sein, welcher bei ihrem Zusammentreffen durch Übereinstimmung entstehe. Flow sei zu verstehen als Fließen (gut übersetzt!), Versunkensein, Schweben, als Einswerden der Künstler mit dem Publikum (das ist mir dann aber doch zu arg). Flow als Glückszustand (jetzt klingt es aber verdächtig nach irgendwelchen Pillen...)
Die Verwendung der Begriffe "Projekt" und "Flow" macht die Dinge also einfach nur interessanter. Sie beschreibt anders und damit neu, was auch altbekannt gesehen und beschrieben werden kann. Ist somit nur mehr Anpreisung, Marketing, Werbung, Reklame. That's all!
Nebenbei bemerkt haben HenschkeSchlott bereits 1999 (damals nur als "Duo") mit dem japanischen Komponisten Rei Harakami das wohl hochgelobte "ambienTTronic Projekt" auf die Bühne gebracht.
Was hinweist auf, wenn nicht musikalische Verwurzelung, so doch zumindest auf zeitweiliges Experimentieren mit klanglichen Möglichkeiten unterschiedlichster Art. Und Beginn einer musikalischen Entwicklung ist, die in der Produktion "Cafe Thiossane" mündete. Das Label selbst goutiert die Einspielung mit folgenden Worten: "Man muss seine Herkunft, den Jazz, nicht verleugnen, um frei mit elektronischen Elementen umgehen zu können. Einfache musikalische Strukturen sind geradezu prädestiniert für virtuose Improvisationen."
Gleich der Opener offenbart sehr fein diese Herkunft im Jazz. Zeichnet sich "Cafe Thoissane" erfreulicherweise ziemlich durchgängig durch musikalische Eigenständigkeit aus, so erinnert dieses Stück doch sehr deutlich an Passport, Klaus Doldingers vor allen in den Siebzigern überaus erfolgreicher Jazz-Rock-Kapelle. Markenzeichen waren damals Doldingers Sopransaxophon, in Harmonie mit sphärischen Keyboardklängen verschmolzen.
Dass sich beständige musikalische Entwicklungen vor allem im Einsatz elektronischer oder digital geschaffener Versatzstücke vollzogen haben, ist hier im Gesamten nicht zu überhören. Deshalb sei noch ein anderer Name genannt, der als Vorbild für das musikalische Schaffen von HenschkeSchlott vorstellbar ist. Bugge Wesseltoft ist mit seiner "New Conception Of Jazz" ein Musiker, der für die Verbindung von Jazz und Elektronik in den vergangenen Jahren überaus stilbildend war.
Charakteristisch für "Cafe Thoissane" scheint mit die beständige Brechung der von Saxophon und Flügel sowie Keyboard hervorgezauberten Harmonien durch elektronische Gimmicks zu sein. So dachte ich zum Beispiel beim Hören des zweiten Stückes mehrere Schrecksekunden, meine Boxen hätten plötzlich Schaden genommen - allerdings war meine Sorge nur einer geschickt eingespielten, aber das gesamte Stück begleitenden Verzerrung geschuldet.
Die Musik ist in sich paradox: zunächst wie ein atmosphärischer Fremdkörper wirkend liegt der Reiz beim Hören jedoch gerade in der wirklich sehr verspielten Nutzung elektronischer Elemente, die sich zu ansonsten harmonischen Wohlklängen gesellen.
"Cafe Thoissane" zeigt sich insgesamt sehr abwechslungsreich. Jedes Stück gebiert seinen eigenen klanglichen Kosmos. Die klassische musikalische Ausbildung erfährt hier ebenso Würdigung wie im Gebrauch folkloristischer Elemente die frühere Zusammenarbeit beider Musiker mit Mikis Theodorakis und Maria Farantouri.
Bleibt noch hinzuzufügen, dass der Handwerker an den Percussionsinstrumenten Nippi Noya ist. Somit treffen hier zwei Vertreter der neuen Jazzgarde auf ein Jazz-Urgestein der einstigen bundesrepublikanischen Szene und bestätigen die Aussage des obigen Zitats denn auch noch personell.
Musik geht neue Wege, die Kategorien verwischen zusehends. Man darf auf zukünftige Einspielungen des Duos gespannt sein und sollte sich die Namen durchaus schon mal merken.
Übrigens: Ich habe überhaupt nichts gegen Projekte. Und Thiossane ist eine Tanzbar im Senegal.
Ärnst Stänkowskie
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