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CD-Review Gerry Rafferty Another World   CD-Review ::: Gerry Rafferty - Another World

Review Gerry Rafferty - Another World  
Review

Gerry Rafferty
Another World
Hypertension / Sony Music
erschienen im Februar 2003
Mainstream-Gitarren-Poprock
 
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Es grüßt von Wolke 56 der ebenso alte Gerry Rafferty mit seinem neuen Album "Another World". Dort hat der Schöpfer von "Baker Street" sich so gemütlich eingerichtet, dass er jetzt erst, nach acht Jahren Studio-Pause seit seinem letzten Album "Over My Head", 14 neue Aufnahmen veröffentlicht.

Und wahrlich: Der Titel ist perfekt gewählt. Denn Rafferty schafft es, sich selbst in eine andere Welt zu entrücken, weitab von musikalischer Modernität, fern der Realität des Jahres 2003. Was der Schotte mit diesem Album, an dem er schon seit 2000 arbeitete, abliefert, ist schon tausendfach durchgekaute Altherrenmusik aus einem anderen musikalischen Zeitalter. Die Gitarren wabern wie in den Siebzigerjahren, der Synthesizer hüllt alles in süßes Honigaroma, der Chor hilft der näselnden Stimme Raffertys über manch hohe Klippe hinweg. Er bedient sich fragmentarisch beim Blues, Pop, Rock und ein wenig Jazz, und ab und zu nascht er aus dem großen Weltmusik-Topf ("Metanoia"). Überzogen hat er das Ganze mit Texten über die Liebe und mit Weltverbesserungsschmalz, der bis ins Esoterische reicht ("Land Of The Chosen Fews", "All Souls"). Platitüden reihen sich aneinander, die er zwar inbrünstig singt, die aber auch so ausgelutscht sind, dass einem das Trommelfell einschläft. Nur beim Thema Liebe findet er einfache, starke sprachliche Bilder, die des Sängers Gefühle authentisch und überzeugend offen legen ("Another World").

Pluspunkte gibt es für nur wenige Kompositionen: "Land Of The Chosen Few" verhakt sich unentrinnbar im Ohr und will dort nicht wieder hinaus. "Another World" entwickelt seine Schönheit langsam strömend und lässt einen durch seine intensive Emotionalität nicht los.

Insgesamt drängt sich aber beim Hören das Gefühl auf, gerade vier Stunden auf einem Kaugummi herumgelutscht zu haben. Das Album wird nach zwei, drei Songs fad. Da hilft weder die sorgfältige Produktion, noch die prominente Unterstützung von Mark Knopfler, der mit seiner Gitarre bei einigen Songs aushalf ("Sweet Love"). Eher im Gegenteil erweist sich der Ex-Dire-Straits-Kopf zwar einmal mehr als musikalisch äußerst kompetent, aber eben wie in den letzten Jahren so oft auch als vorzügliches Schlafmittel. Doch diese Besetzung passt, und das ganze Album wirkt dadurch rund. Es gibt keine Brüche, keine Kanten – keine Spannung. Man kann sich darauf verlassen, dass Gerry Rafferty einen garantiert nicht überrascht.
 
Thorsten Schatz
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