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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Garmarna - Vedergällningen |
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Ist es Emma Härdelins Stimme, ist es die vertrackt rhythmische Musik des Ouintetts, sind es die Melodien, denen die Schweden mit altem und neuem Instrumentarium, alten und neuen Sounds zu Leibe rücken oder einfach all das zusammen? Garmarna begeistern mich auch mit dem Nachfolger zu "Guds Spelemän" über die Maßen.
Was sie schon auf dem Vorgänger wie selten eine andere Band bewiesen, haben sie mit "Vedergällningen" auf eine wahrscheinlich nur vorläufige Spitze getrieben: Altes schwedisches Liedgut trifft die Endneunziger. Mal nehmen sie nur eine Melodie, richten das Song-Gerüst aus Samples, Rhythmus-Schleifen und Sounds, sind fast Dub. Ein anderes Mal bauen sie ein Stück traditionell auf und bewegen sich entlang der ganz eigenen nordischen Musikwelt zwischen akustischem Folk und klangschwangerem Folk-Rock.
Wieder ist Emma Härdelin, die erst '92, zwei Jahre nach der Gründung, zum damaligen Instrumental-Trio stieß, erster und prägender Eindruck des Albums. Sie trägt fast alle Melodien mit klarer Stimme und variiert in einer Bandbreite, die man bislang nicht von ihr gewohnt war. Triakel, ein Neben-Projekt mit anderen Musikern der kleinen Szene, hat ihr merklich gut getan.
Die Band ist nach wie vor ohne Fehl und Tadel, fasziniert mit unglaublicher Dynamik und einer Dichte und Intensität, die ihresgleichen sucht. Wichtig für die Alben der Schweden ist allerdings das Studio - und die Sounds der LP dürften nur schwer oder mit unglaublichem Aufwand auf einen Live-Auftritt zu übertragen sein - denn hier können sie mit umfangreicher Effekt-Peripherie und jeder Menge Spuren arbeiten. Verspielt garnieren sie ihre Titel mit viel Hall, Echo und Sounds, die sich im Rahmen einer - Verzeihung, aber das sind sie wohl - Rockband sonst nur schwer durchsetzen können. Wieder sehr organisch produziert von Sank holen sie aus dem Medium, Tonstudio, heraus, was ihre Stücke ins (ohrge-)rechte Licht rückt und reduzieren dabei die Technik auf das, was sie ist: Nicht der Wert an sich, sondern ein Hilfsmittel mit dem man zum gewünschten Ziel kommt. Und das ist ihnen hervorragend gelungen: Mit hohem Wiedererkennungswert zitieren sie die Entwicklung des Genres (Subway To Sally, Hedningarna, Qntal usw.), fassen zusammen und treiben diese Entwicklung voran. Stücke, von denen man nicht eines vergißt, reihen sich wie die Perlen einer Kette aneinander, gehen nicht mehr aus dem Sinn und bieten ob der stilistischen Variationen seltenen Abwechslungsreichtum. Daß sie dabei mehr als nur ein, zwei Ohrwürmer auf Lager haben versteht sich inzwischen fast von selbst, aber daß sie mit einem Stück wie "Gamen" sogar tanzbar Charttaugliches auskoppeln können - ja fast müssen - ist die eigentliche Überraschung des Albums. Ein Hammer - naja - eigentlich eher zeitlos, tiefgründig, überraschend und in sich selber ruhend, wie nur wenige Alben zuvor! Toll!!
Dirk Jessewitsch
> Alle Beiträge von Dirk Jessewitsch
Weitere CDs von Garmarna:
> Guds Spelemän
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