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CD-Review Francesca Simone Trio Guarda Li   CD-Review ::: Francesca Simone Trio - Guarda Li

Review Francesca Simone Trio - Guarda Li  
Review

Francesca Simone Trio
Guarda Li
Minor Music / in-akustik
erschienen im September 2001
Jazz, Folklore, Weltmusik
 
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Gut, dachte ich. Francesca Simone Trio. Dann wird das wohl wieder so eine nette Jazz-CD sein in bewährter Besetzung: Piano, Bass, Schlagzeug. Die Chefin selbst greift in die Tasten, singen wird sie wahrscheinlich nicht. Zwei musikalisch vielversprechende junge Römer stehen ihr zur Seite. Gefällig interpretierte Standards umrahmen die eine oder andere Eigenkomposition. Wahrscheinlich werde ich die Scheibe einfach mögen, sie hin und wieder auflegen und den Dreien viel Erfolg wünschen.

Falsch gedacht. Keine jungen Römer. Und von wegen die klassische Besetzung. Stattdessen bilden, taktvoll aufeinander abgestimmt, Gitarre und Percussion ein musikalisches Grundgerüst, das den facettenreichen Gesang von Francesca Simone trägt. La senora wird virtuos begleitet von Robert Mensenbach und Andreas Kappler. Was beide an Instrumentarium nutzen, ist eher bescheiden, die Musik, die sie hervorbringen, ist jedoch fulminant und raumgreifend. Ein Stück lässt zusätzlich ein E-Piano zum Einsatz kommen, ein anderes mal dominiert eine chromatische Mundharmonika die Stimmung. Mehr braucht es nicht, um jedem Stück eine besondere atmosphärische Dichte zu verleihen.

Mit ihrer Spielfreude nehmen die Musiker jede Hürde der präzisen Arrangements. Francesca Simone selbst singt mit einer Stimme, die viele Stimmen ist. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten erscheinen nahezu unerschöpflich.

Unterschiedliche musikalische Einflüsse spielen sich auf "Guarda Li" gegenseitig die Noten zu. Folkloristische Motive wechseln ab mit klassischen, die Grenzen zwischen Afro, Latin, Pop und Rock verfließen.

Mithin haben es puristische Schubladendenker schwer. Ist es nun Jazz, Folklore oder gar Weltmusik? Aber wer braucht bei dieser Musik schon eine Antwort ?!
Drei der Lieder dieser CD entstammen einer Sammlung sizilianischer Lieder und Gedichte. Bereits seit dem 14. Jahrhundert wurden sie von Sänger zu Sänger weitergegeben, die, alte Sangestraditionen anerkennend, immer wieder neue Melodien darüber improvisierten. Hinzu kommen Eigenkompositionen des Trios und eigenwillig schöne Interpretationen bekannter Lieder, Schlager und Pop-Songs. So wird das Partisanenlied "Bella Ciao", das auch den Tod besingt, zu einer verhalten nachdenklichen Version. "Volare", das Lied vom Fliegen, bereitet in Ruhe den Flug vor, schwingt sich auf, spielt gleichsam mit den Elementen, die es tragen und schwebt dann ruhig zu Boden. "Cry Me A River" ist für mich die ungewöhnlichste Version dieses Evergreens und mein Anspieltipp der CD. Das Trio interpretiert ihn als Dreiakter. Zunächst als Blues intoniert, wechselt es im Mittelpart in afrikanische Musiktradition und endet in einem stimmlich furios improvisierten Finale.

Das dezent gestaltete CD-Booklet stellt neben die einfachen, aber poetischen italienischen Text die jeweilige deutsche Übersetzung. So erfährt man über die Musik hinaus noch ein wenig mehr über diese "Handvoll Lieder von Gift und Ekel, Eifersucht und Liebe".

Wer vor ungewöhnlichen Arrangements nicht zurückschreckt und außerdem Stimmen mag, die nicht einfach nur singen, dem sei "Guarda Li" wärmstens an die Ohren gehalten.
 
Ärnst Stänkowskie
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