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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Die Jungen Tenöre - Eine Weihnachtsreise |
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Im Jahr 1990 überlegten sich die Star-Tenöre José Carreras, Plácido Domingo und Luciano Pavarotti, wie sie ihrer Karriere noch einmal den nötigen Kick geben könnten, bevor ihre nachlassende Sangeskraft sie in Richtung Oper-Rente schicken würde. Fortan traten sie in trauter Dreieinigkeit als die "Three Tenors" in restlos ausverkauften Konzerten auf und verbuchten Plattenumsätze wie Pop-Stars. Genau das passte zu ihrem Programm: Sie verkauften Klassik als Pop. Da wurde gnadenlos aus Oper, Operette, Musical und Volkslied verhackstückt und aus seinem ursprünglichen Sinn-Kontext herausgetrennt, was dem Publikum zu Herzen gehen könnte - Hauptsache, es transportierte Schmelz und Wehmut und zur Auflockerung auch mal den nötigen Schmiss im Walzertakt.
Ihr Erfolg schwemmte eine Bugwelle auf, die Nachahmer an die Oberfläche spülte; in Deutschland nennt sich das 1998 ins Leben gecastete Pendant "Die Jungen Tenöre". Die brachten zum geklauten Konzept des Klassik-Patchworks die Nuance der Jugendlichkeit dazu, indem sie Pop-Songs und Schlager in ihr Repertoire aufnahmen. Mit dieser Masche bestückten Thomas Kießling, Bernhard Hirtreiter und Hans Hitzeroth fünf Alben, denen jetzt die unvermeidliche Weihnachtsplatte folgte.
"Eine Weihnachtsreise" hält konsequent am Konzept des Gemischtwarenladens fest. So lassen sich in den 15 Songs etwa Gospel ("Go Tell It On The Mountain"), eine grässlich süßlich betextete deutsche Version von "Last Christmas" als Pop-Vertretung ("In Liebe"), Klassisches ("Ave Maria") oder deutsches Weihnachtsliedgut ("Stille Nacht, Heilige Nacht") finden. Produzent Georg Gabler goss über die Stücke meist Streicherzucker oder verunstaltete sie mit Tanzkombo-Rhythmen ("Tochter Zion").
Immerhin gelingen den Tenören akzeptable Gesangsleistungen, die allerdings nicht mit der Intonation und Akzentuierung der Herren Vorbilder zu vergleichen sind. Und: Bei all dem Kitsch gibt es wenige Momente, in denen der rührselige Zuckerguss einem andächtigen Innehalten Platz macht, der dem wahrhaftigen Sinn der Weihnacht auf der Spur ist ("Ave Maria").
Ansonsten ist dieses Album allen zu empfehlen, die zur musikalischen Weihnachtsberieselung gerade kein Radio zur Hand haben.
Thorsten Schatz
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