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CD-Review Devendra Banhart Rejoicing In The Hands   CD-Review ::: Devendra Banhart - Rejoicing In The Hands

Review Devendra Banhart - Rejoicing In The Hands  
Review

Devendra Banhart
Rejoicing In The Hands
XL Rec. / Beggars Group / Indigo
erschienen im Mai 2004
Singer/Somgwriter / Folk
 
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Sound & Video

Zehn Tage und zehn Nächte lang, so wird erzählt, habe der Sänger sich in Klausur begeben – mit 57 Songs und seiner Gitarre in einem alten Holzhaus in Alabama. Als Devendra Banhart die Aufnahmen zu seinem neuen Album "Rejoicing In The Hands" für beendet erklärt hatte, waren 16 Songs übrig geblieben. Banhart singt von Insekten-Augen und einer goldenen Göttin, er forscht der Stimme in seinem Inneren nach, und dem Wachsen seines Bartes da draußen. Irgendwo zwischen dem Profanen und dem Mystischen hat der 23-jährige New Yorker einen Sound gefunden, der die internationale Kritik begeistert. Einige seiner Songs könnten 100 Jahre alte Waisen sein, andere klingen wie lustig zusammengeworfene Kinderlieder, abgewetzte Straßenmusik oder zickige Vaudeville-Hits. Immer aber klingen sie nach Devendra Banhart, wimmernd, jaulend und nicht ganz von dieser Welt.

"Ich habe Songs geschrieben, bevor ich überhaupt Musik hörte", erzählt Banhart. "Im Alter von 12 fing das an. Mein Freund hatte zwei Drumsticks, wir spielten auf Schuhkartons, Blumentöpfen und Plastikteilen. Und ich begann zu singen: Über alles, was ich damals so beobachtete in meiner Familie. Wie ich unter der Dusche mit meinem 80 Jahre alten Onkel stand, was wirklich seltsam war, weil er kastriert war. Was die Schönheits-Chirurgie bei einem Schnauzer bewirken kann. 'Plastic Surgery' war mein allererster Song".

Caracas/Venezuela, Kalifornien, Los Angeles, Paris und San Francisco – die weiteren Stationen des Devendra Banhart lesen sich wie ein On-the-road-Tagebuch im Stile von Jack Kerouac. Banhart spielte jahrelang an allen Ecken und Enden der Welt – ein Tramp auf der Suche nach sich selbst. Auftritte machten ihn unsicher. Es fehlte nicht viel und all seine Songs hätten nie auf CD gefunden, wäre da nicht eine geheimnisumwitterte Folk-Sängerin der Sechziger gewesen, die nur ein einziges Album veröffentlichte, das unter Liebhabern im Internet Spitzenpreise bis zu 1.200 Euro erzielt. Devendra Banhart suchte Rat bei seinem Idol Vashti Bunyan.

"Ich schrieb Vashti Briefe und E-Mails und fragte sie, ob ich mit meinen Songs auftreten kann. Sie hörte sie sich an und antwortete mir aufrichtig: 'Mach das, ich mag deine Musik sehr.' Ich trat in Restaurants auf, in Bars und all diesen üblen Schuppen – aber seit ich wusste, dass Vashti meine Musik mochte, war das erträglich. Ich spielte, um die Kluft zwischen Vashti und mir zu überwinden, um der Person, die ich bewunderte, näher zu kommen."

Auf "Rejoicing In The Hands" hat Devendra Banhart Vashti Bunyan sogar für ein Duett gewinnen können: Wie sie da so gemeinsam singen, die fast verschollen geglaubte Folk-Legende der Sixties und der bärtige Hippie-Boy mit der seltsam winselnden Stimme, wird einem ganz warm ums Herz. Wenn man ganz genau hinhört, entdeckt man in den Songs von Banhart noch viel mehr: Raketengeböller und Vogelgezwitscher, das Einschalten eines Aufnahmegeräts, ein paar Mikrofonwischer. Störgeräusche, die auf keiner handelsüblichen CD-Produktion eine Chance hätten.

Früher hat Banhart seinen Freunden neue Songs auf dem Anrufbeantworter vorgespielt, und viel mehr braucht man in der Tat nicht für diese Four-Track-Spirituals. Sie berühren. Ein trällerndes Falsett, eine Stimme aus einem Comedy-Automaten, ein verwundetes Tier. Banhart trifft aber auch den Ton, der Angst macht, weil man spürt, dass da jemand sehr nahe kommt. Manchmal zittert diese Stimme am Ende eines Songs noch etwas aus, als wolle sie die Anspannung ablegen, eine Stimme, die hinten aus der Kehle ganz heiser kommt und vorne mit einem Wimmern verschwindet.

"Ich kann einfach kein Album in einem normalen Studio aufnehmen", sagt Banhart. "Der Moment der Aufnahme, der Raum, die Leute, die dabei sind – all das gehört in meine Songs. All das macht die Textur der Songs aus. Bei den Aufnahmen von 'Rejoicing In The Hands' sind die Zikaden zu hören, jemand geht vorbei, ein Auto hupt. Ich mag es, in einer natürlichen Umgebung mit Studio-Ausrüstung aufzunehmen."

Live im Brüsseler Club "Ancienne Belgique" demonstrierte Banhart schon einmal, dass er auf der Bühne um sein Leben zu spielen bereit ist. Gleich, ob alleine oder mit Begleitmusikern. Eine Deutschland-Tournee mit kleiner Band ist für den September angesetzt, dann soll auch schon das nächste Banhart-Album "Nino Rojo" erscheinen.
 
Frank Sawatzki
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