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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Daedelus - Of Snowdonia |
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Vor ein paar Jahren gab es mal die Kategorie "Incredibly Strange Music" in der Popmusik. "Hauptsache ungewöhnlich" – als Qualitätskriterium. Da tauchten Polka-Variationen neben Easy-Listening-Strukturen auf, die gängige Musikmuster in Frage stellten. Daedelus Opus würde in diese Verlegenheits-Schublade sehr gut hineinpassen. Er bedient sich zwar popmusikalischer Versatzstücke, aber er defragmentiert sie in seinem Sinne. Erwartungen an den Ablauf dieser Musik werden grundsätzlich enttäuscht. Du hörst und erwartest weiterhin Bossa Nova, nach drei Sekunden kommt ein mächtig überladener Breakbeat ins Spiel und ehe du dich versiehst, bist du bei utopischem Jazz gelandet, wie ihn Combustible Edison nicht besser hätten machen können. Oder bei den Gitarren-Experimenten von Fred Frith oder bei Krzysztof Penderecki aus Polen. Oder bei etwas ganz anderem. Vielleicht etwas Neuem, obwohl man das Gefühl hat, alles irgendwo schon einmal gehört zu haben. Es ist eine gewisse Beliebigkeit in der Wahl der Instrumente und Klangquellen für diese CD: Irgendwie taucht hier alles einmal auf.
Ganz unbeliebig, eher schon prägnant, sind aber die Strukturen, die dabei herauskommen. Mich erinnert "Of Snowdonia" an eine seltsame Komposition der New Yorker Avantgarde: "Three Voices" von Morton Feldman. Da stellt sich eine Frau neben zwei riesige Lautsprecherboxen und tritt gegen zwei vorher aufgenommene Stimmen an. Live kommt dabei ein ganz eigener Rhythmus heraus. Ungefähr so, wie Schnee fällt. Jeden Augenblick anders. Der Wind und die Temperatur sorgen dafür, dass kein Moment so ist, wie der andere. Die Stücke von Daedalus sind ebenfalls in dieser Weise komponiert. Alle Varianten dieses Klangkosmos münden zusammen in eine Struktur, in einen Zeitablauf, der sich scheinbar selbst erzeugt.
Musikalische Eiskristalle. Ungewöhnlich schillernd und sehr angenehm zu hören!
Peter Backof
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