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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Corvus Corax - In Electronica - Zona Extrema |
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Die Lautsprechermembranen beben. Aus der Werkstatt des Künstlers hämmert es in beständigem Stakkato. Mal Techno, dann wieder schwermetallen. Die Lautstärke droht die vorbeiziehenden Flagellanten zu übertönen, die beständig lateinische Litaneien psalmodieren. Am nahen Marktplatz spielen derweil weit gereiste Mannen auf ihren Dudelsäcken dem tanzwütigen Volk mit fremdartigen Melodien auf. All dies verbindet sich zu einer einzigartigen Musik, die den Künstler bei seiner Arbeit antreibt. Seine Phantasie erscheint unerschöpflich. Mit Farben und Pinseln schafft er eine Welt, die tiefste Abgründe offenbart. In dem Leibergewimmel auf seinen Leinwänden sehen manche Gestalten aus, als seien sie geradewegs der Hölle entsprungen, andere wiederum, als erlitten sie derselben schmerzvollste Qualen: Hieronymus Bosch malt an seinem "Garten der Lüste". Eine Momentaufnahme aus dem 15. Jahrhundert eben.
Spätestens jetzt wird man mir Spinnerei vorwerfen. Es gab damals schließlich noch keine Lautsprecher...Geschenkt!
Natürlich ist diese Szene ein reines Phantasiegebilde, aber bei all den Klängen, mit denen Corvus Corax, auf ihrer neuesten CD experimentieren, ist sie durchaus vorstellbar. Die selbsternannten Könige der Spielleute sind längst nicht die ersten, die das Mittelalter musikalisch für sich entdeckt haben, aber sie gehen den konsequentesten und damit extremsten Schritt in der Verbindung von mittelalterlicher und Musik des Jetzt.
Die Idee zur CD entstand, als mehrere DJs aus verschiedenen Szenen bei Corvus Corax anfragten, ob ihnen Elemente der Musik zur Verwendung von Dance-Produktionen zur Verfügung gestellt würden. Nachdem also die beiden Vorgängerproduktionen "Viator" und "Mille Anni Passi Sunt" durch andere Hände und vor allem Maschinen gingen, ist nun "In Electronica" entstanden; eine Remix-Produktion, die sich zwischen den extremen Zonen des düsteren Gruftgedröhns und der Trancepoesie bewegt.
Auf ihr ist keine Musik zu hören, mit deren Klängen einer zu Staub zerfallenen Zeit es sich in eine bessere Zukunft träumen lässt. Eher ist "In Electronica" ein akustisches Dopingmittel, um in den Hochglanzfolterkammern unserer Zeit den Lustgewinn der Qualen zu steigern, die stählerne Muskelmaschinen verheißen. Entstanden ist eine extreme Musik, die die Körper zu ekstatischem Tanz antreiben wird.
So wie vor hunderten von Jahren, als vor den Toren der Stadt schon der Schwarze Tod lauerte.
Ärnst Stänkowskie
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Weitere CDs von Corvus Corax:
> Cantus Buranus > Seikilos
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