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CD-Review ::: Cass McCombs - Prefection |
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No, love doesn’t always boomerang.
Vorweg: Ich liebe Cass Mc Combs. Vor allem dafür, dass er "I Went To The Hospital" geschrieben hat, den ersten Song seines nicht einmal ein Jahr alten Debüt-Albums "A". Und diese Liebe, so könnte ich mir jedenfalls vorstellen, wird vielleicht für alle weiteren Platten reichen. "I Went To The Hospital" ist ein umwälzender Zusammenschluss aus schleppender, warmer musikalischer Wiederholung und triefend-zynischer, brillanter Lyrics ("I had a pain in my chest / the familiar way").
Auf seinem neuen, zweiten Longplay-Album, "Prefection", entfernt sich Cass McCombs deutlich vom warmen organischen Sound und den relativ traditionell gehaltenen Singer-Songwriter-Arrangements. "Prefection", gebrochen schon im Titel, ist elektrischer, elektrisierender, soundlastiger und flüchtiger. Das liegt zum Großteil an den großzügig genutzten Echo- und Hall-Effekten mit einem Gesang, der sich im halben Off befindet. Zum anderen aber auch an den geheimnisvollen, manchmal beinahe mystischen Lyrics. Nebulöse, abstrakte Poesie (Sterne, Götter, Philosophie) und dazwischen, wie schon auf "A", bittere, klare Blicke auf Realitäten. So heißt es in "Tourist Woman" zum Beispiel: "romantics are doomed (and that’s a good thing") oder in "Subtraction", Reduktion-bis-auf-die-Knochen-befürwortend: "Subtraction (...) / it’s my duty / it's my duty and passion / if I could, even for a moment / I would strip the hue out of my hair". Hier ist jemand deutlich angeschlagen, um ein jugendliches Modewort zu gebrauchen, versprüht McCombs einen fast schon abgefuckten Vibe, in einem ebenso zittrigen, wie von Eleganz, Kraft und Haltung durchdrungenen Gewand.
"Prefection", ist eine Band-, Gitarren-, Pop-Platte mit großen Referenzen, in großartiger Fallhöhe. Ganz klar herauslesen lässt sich die Hommage an den britischen Underground, den der New Yorker Combs, der mittlerweile eine Menge Zeit in London verbringt, sehr liebt. Joy Division, New Order und allen voran The Smiths: Morrissey, Marr. Stimmlich soagr Erinnerungen an Radioheads Thom Yorke.
"Prefection" verströmt eine sonderbare Atmosphäre konstanter Aufregung. Wie ein tiefer dunkler See mit einer immensen Oberflächenspannung. Die Art Musik, die Herzen sowohl schmelzen als auch gefrieren lässt. Stöbert man ein bisschen, so stößt man auch immer wieder auf Attributionen, die in eine ähnliche Richtung weisen: "shimmering", "sparked", "dreamlike + desolate", "sweet and intoxicating like opium". Es gehört schon einiges (an Qualität, Substanz, Begabung) dazu, mit dieser Art Theatralik durchzukommen. Der Mojo "warnt" vor dieser Affäre: "Those who fall for his croon, are liable to do so in a big way." Der verstorbene Musikinvestigateur John Peel nannte Cass McCombs. "unobtrusively brilliant" - unaufdringlich brillant. Und "Sacred Heart” ist eine wunderbare, großartige Single mit dieser Art beschwingter, durchdringender Schmerzhaftigkeit und lieblichen Schärfe, die schon The Smiths so besonders auszeichnete.
Versöhnlich ist hier nichts. Und: love doesn't always boomerang. Ach Cass.
Vanessa Romotzky
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