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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: Boston - Corporate America |
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Eines Morgens vor viereinhalb Jahren wachte Tom Scholz auf und fragte sich: "Da war doch noch was?" Sprach's und erinnerte sich an seine Schöpfung Boston, eine Band, die seit 1976 immer wieder weltweit, aber besonders in den USA ihre Alben millionenfach verkaufte und Hits hatte wie "More Than A Feeling" (1976) oder "Don't Look Back" (1978) und "Amanda" (1986). Die zeitlichen Abstände zwischen den Alben wuchsen, so dass die Band bis zu ihrem neuesten Werk, "Corporate America", gerade mal fünf reguläre Studio-Alben in 26 Jahren schaffte.
Boston 2002 klingt nicht sonderlich anders als auf den Vorgängern. Immer noch werden Hard-Rock-Hymnen ("I Had A Good Time") aus den Mainstream-Gefilden der Marke Toto, Foreigner oder Bon Jovi von schluchzend-schönen Balladen umspült ("With You"). Allerdings kann kein Song an die alten Ohrschmeichler anknüpfen. Die Kompositionen geben wenig Neues her, die meisten Akkordfolgen finden sich schon zuhauf auf alten Boston-Platten oder auf Scheiben von zigtausend Langhaar-Klampfern ähnlicher Couleur.
Was das Album dennoch rettet, ist der typische Sound ihrer suggestiv bombastisch weinenden E-Gitarren, die wie eine Heerschar außerirdischer Sänger den Songs die nötige Dramatik mitgeben. Dazu kommt ein kristallklares, wenn auch glattes Klangbild und das gekonnte Spiel mit der Akzentuierung von Drums, Gitarren und Harmoniegesang und der Rücknahme der Dynamik an den richtigen Stellen ("Turn It Off"): So erspart sich Scholz das Zerschrammeln von Stücken, selbst wenn es gerade Hardrock zu hören gibt.
Auch die Besetzung sorgt für Pluspunkte: Der Boston-Chef holte sich als Lead-Sänger Gründungsmitglied Brad Delp und die Achtzigerjahre-Besetzung Fran Cosmo (Vocals) und Gary Phil (Lead Guitar, Rhythm Guitar) ins Studio. Hinzu kamen die Neuzugänge Kimberely Dame, eine Sängerin und Komponistin und Gitarrist und Song-Schreiber Anthony Cosmo, der Sohn von Fran Cosmo. Die beiden steuerten vier Songs bei, die anderen schrieb Scholz allein oder als Co-Autor. Die Produktion blieb allein in den Händen des 55-jährigen, was den Ausschlag gab, dass das Album wie auf den Vorgängern handwerklich sauber gelang, aber auch aseptische Kühle und Leidenschaftslosigkeit erhielt, und so keine wirklich mitreißende Kraft entwickelt.
Thorsten Schatz
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