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Die Pop-Hauptstadt Deutschlands ist...
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CD-Review ::: The Cover Art Of Blue Note - Volume 2 |
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Blue Note ist Musikgeschichte. 1939 gegründet, war es unter diesem Namen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren das Label des Jazz. Wer da nicht alles aufgenommen hat... Doch nicht nur für Musik, sondern auch für die Plattencover war Blue Note berühmt. Und stilbildend. Daher wohl auch der Titel dieser CD. Seit 1985 ist Blue Note Eigentum von Capitol Records und somit sind nun Künstler unter Vertrag, die nicht nur vom Jazz kommen.
Zum zweiten Mal präsentiert Blue Note eine Riege recht erfolgreicher Sängerinnen und Sänger, die "Diamanten des Pop-Songwritings in funkelnde Jazz-Brillianten verwandeln". Hört, hört. Große Worte allenthalben. Na, dann wollen wir uns diese Bijouterie mal näher ansehen! Den Anfang macht Norah Jones mit einer sehr Country-betonten Interpretation von Bob Dylans "I'll Be Your Baby Tonight". Mir persönlich sagt ihr Singsang mal wieder nichts. Ich habe den ganzen Hype um die Lady noch nie verstanden und höre Herrn Zimmermann sowieso viel lieber selbst. Bei zehn Grammys auf Tasche und als derzeit erfolgreichste Blue-Note-Künstlerin ist es allerdings schon nachvollziehbar, Frau Jones hier den Opener machen zu lassen. Ihr folgt Cassandra Wilson mit einer Interpretation von Stings "Fragile". Und schon geht es gar nicht um die Frage, was besser ist: Original oder Cover. Jedes Stück steht für sich. Sting gelang mit "Fragile" ein zeitlos schöner Pop-Song und Cassandra Wilson verleiht dieser klanglichen Zerbrechlichkeit mit ihrem stimmlich charakteristisch tiefen Timbre eine weitere ganz eigene Note. Holly Cole ist mit zwei Stücken vertreten. Zunächst entkleidet sie Johnny Nashs "I Can See Clearly Now" aller chartträchtigen Sommerhit-Accessoires. Sie geht es ruhig an, aus Reggae wird Ballade. Plärrt Johnny Nash sogleich los, als er um sich herum nur den blauen Himmel sieht, so bleibt Cole zunächst verhalten. So, als könne sie nicht glauben, was sich ihr da an Wetterwunder offenbart. Doch mehr und mehr im Erkennen, dass der Regen einem wunderschönen Sonnentag gewichen ist, verschwindet auch der Zweifel in ihrer Stimme und wird zur kraftvollen Dankesbekundung. Elegisch gehalten ist ihre Version von Tom Waits' "Take Me Home". Und kurz und knapp. Durchaus vorstellbar, dass ihr Gesang bei dem einen oder der anderen unter die Haut geht. Einen rechten Knaller liefert Caecilie Norby. Im besten Sixties-Soul-Style verkündet die Dänin äußerst glaubhaft "Man's Got Soul". Gut geröhrt, die Horn-Section steht wie eine Eins und über allem swingt eine Hammond-B-3: Curtis Mayfield hätte wohl seine wahre Freude dran. Eine weitere Aufnahme von ihr ist im Samba-Rhythmus gehalten und gibt im Mittelteil Gelegenheit zur luftigen Gitarrenimprovisation. Dieses neue Gewand steht Glenn Campells altem, aber immer noch edlem Anzug "Gentle On My Mind" wahrlich nicht schlecht. Diane Reeves klingt zumindest mir viel zu sophisticated für Stings "Wrapped Around Your Finger". Der Gesang ist sehr sauber artikuliert und wirkt mir dadurch einfach zu aufgesetzt. Zu künstlich. Der instrumentale Mittelteil entschädigt dann aber mit einem, wie nicht anders zu erwarten, handwerklich sauberen Gitarrensolo von John Scofield.Gesanglich wieder stimmiger geht's mit Jackie Allen weiter, die "Do Wrong Shoes" von Donald Fagen (you know Steely Dan???) sehr lasziv abswingt. Zwar in falschen Schuhen getanzt, aber die richtige Noten gefunden. Die Roaring Twenties lassen grüßen. Das erste zweier wirklicher Highlights der Scheibe ist für mich Marc Jordans Interpretation von Elvis Costellos "Almost Blue". Einfach eine wunderschöne "Ich-sitze-hier-alleine-an-der-Bar-und-die-ganze-Welt-hat-mich-verlassen-Ballade". Den Blues perfekt zum Ausdruck gebracht, musikalisch zunächst verhalten mit Schlagzeug, Bass und Piano begleitet und zum Ende hin von einem Tenorsaxophon veredelt. Mach mir mal noch 'nen Drink... Folgt der zweite absolute Hinhörer: Pianistin und Sängerin Patricia Barber und ihre Kapelle spielen "Norwegian Wood". Muss hier noch erwähnt werden, wer das in den Sechzigern geschrieben hat? Zunächst noch auf vorgegebenen Pfaden wandelnd, aber schon zu anderen Wegen schielend, entfernt sich Barbers Interpretation mehr und mehr vom Original und endet in dessen völliger Dekonstruktion beim puren Jazz. Großes Kino! Montefiori Cocktail aus Italien machen den Anfang einiger eingestreuter rein instrumentalen Nummern. Sie spielen KT Tunstalls (wer bitte??) "Black Horse And The Cherry Tree". Keine Offenbarung und mitnichten originell, aber immerhin tanzbar. Trotzdem unwichtig. "Boogie On Reggae Woman", diesmal von Stanley Turrentine, lappt anfangs sehr ins Easy Listening und hat dementsprechend eher Muzak-Qualität. Mit Beginn der Reminiszens an des Stückes Schöpfer Stevie Wonder durch ein Harmonika-Solo kriegt das Ding aber doch noch die Kurve und nimmt auch improvisatorisch gehörig Fahrt auf. Wo wir gerade dabei sind, haken wir noch schnell den Rest der Instrumentalnummern ab. Denn, um ehrlich zu sein, wirklich hockerreißend sind sie alle nicht. "Fly Like An Eagle" höre ich sehr gern! Immer wieder. Aber nur, und wirklich nur von Steve Miller himself. Charlie Hunter & Pound For Pound mühen sich gehörig damit ab, den Vogel in die Luft zu kriegen. Ein nett gemeinter Versuch, den vermeintlichen Flug dann durch ein Vibraphon zu verklanglichen, aber dieser Adler bleibt definitiv mit seinem Hintern am Boden kleben. Man muss eben nicht alles tun, was man darf! Und ob man alles darf, ist ja auch noch die Frage... Gitarrist Charlie Hunter hat denn auch eine weitere Version von "No Woman No Cry" verbrochen. Nun ist Bob Marley selig ja schon vor einigen Jahren von uns gegangen, aber deswegen aus dem Stück gleich eine Beerdigungsnummer zu machen.... Mit diesem atmosphärisch eher als Totenklage zu bezeichnenden musikalischen Sakrileg endet dann auch die ganze Platte.
Ende und, wie bereits erwähnt, Anfang der Compilation sind dramaturgisch also durchaus geschickt gesetzt. Zum Schluss hier sei mir die Frage gestattet, was die ganze Veranstaltung denn nun eigentlich mit Jazz zu tun hat. Ich höre da wohl alles mögliche an Stilistik, aber wirklichen Jazz nur in geringer Dosierung. Von den funkelnden Jazz-Brillianten, die das Label ja so vollmundig anpreist, kann schon mal überhaupt nicht die Rede sein. Ausnahmen sind genannt. Letztlich also ein Etikettenschwindel. Und damit keine wirkliche Coverkunst. Das tut dem Namen Blue Note nicht gut und dem Jazz selbst schon gleich gar nicht. Dieses Stelldichein von Angestellten einer Plattenfirma ist vorrangig etwas für den öffentlichen Raum. Als musikalische Untermalung für den gepflegten Cocktail after work. Am ehesten stelle ich mir da eine angesagte Bar mit hippen Gästen vor. Oder auch ein gediegenes Café. Mit angebauter Kunsthalle. Sowas in der Art!
Ärnst Stänkowskie
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