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CD-Review Audrey Visible Forms   CD-Review ::: Audrey - Visible Forms

Review Audrey - Visible Forms  
Review

Audrey
Visible Forms
Sinnbus / Al!ve
erschienen im November 2006
SloMoRock
 
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Kategorisierung im Bereich der Rockmusik ist seit einigen Jahren nahezu unmöglich geworden. Die Vielfalt der individuellen Klangverwirklichung hat uns kaum zu unterscheidende Alternative- oder Independent-Rock-Varianten beschert oder skurrile Bezeichnungen wie Shoegazer, Stoner Rock oder SloMo-, also Slow Motion Rock.
Als Notiz an den Musikhandel dürfte bei dem Debüt der schwedischen Formation Audrey der Hinweis stehen: "File under Indie/Alternative". Zur genaueren Beschreibung müsste der bemühte Schubladendenker jedoch wieder die bereits genannte und zum Beispiel von dem isländischen Künstlerkollektiv Sigur Rós mitgeprägte Richtung des SloMoRock heranziehen. Denn auf "Visible Forms" finden sich neun atmosphärische Kleinode, die sowohl durch Zurückhaltung, als auch durch volle und warme Klangerüste beeindrucken. Vor allem prägt das Album jedoch ein Tempo, das weitest möglich von den discotauglichen Beats-per-minute-Vorgaben entfernt ist.
Diese intensiv-gemächliche Klangkunst kommt von vier jungen Frauen aus Göteburg. Wie selbstverständlich fügen sie das gezupfte sowie das gestrichene Cello, die Trompete und das Flügelhorn in das Soundgeflecht. Die zerlegten Akkorde der Gitarre klingeln wehmütig und der Gesang - ein- oder mehrstimmig - ruft sehnsüchtig nach Nähe, nach Schönheit und klingt dabei zerbrechlich und selbstbewusst zugleich.
Die reduzierte Klarheit teilen die Damen mit ihren schwedischen Kollegen von Cobolt, die sich, ihrerseits aus dem Hardcore kommend, ganz und gar der melancholischen Langsamkeit verschrieben haben. Bei beiden steht das Gefühl im Vordergrund. Die Melodien passen sich perfekt an ihre rhythmische Umgebung an, kein Ton nährt die Vermutung, das Prinzip Langsamkeit dominiere als rationale Entscheidung. Ein Umstand, der eine der Pionierbands des SlowMoRock, die New Yorker Codeine, bereits Anfang der Neunziger zu Fall brachte. Auch ergehen sich Audrey nicht in der Sigur Rós'schen Epik. Weder dehnen sie die Songs in ungeahnte Längen, noch die Töne mittels endloser Hallräume.
Audrey haben das Slow-Motion-Rad sicher nicht neu erfunden, aber durch ihr Debüt bereichern die Schwedinnen den Kosmos der jungen sensiblen Bands um einen melancholisch-sinnlichen, polyphonen Klanggenuss.
 
Ulf Kneiding
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