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CD-Review Anja Garbarek Briefly Shaking   CD-Review ::: Anja Garbarek - Briefly Shaking

Review Anja Garbarek - Briefly Shaking  
Review

Anja Garbarek
Briefly Shaking
Virgin / EMI
erschienen im März 2006
Pop
 
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Das beginnt richtig nett. Mit stilechtem Gekratze, als hätte man verschollenes Vinyl ausgegraben. Eine Filmmusik. Zu einer frühen Science-Fiction-Bastelei. Etwas epochales wie "Raumschiff Enterprise". Doch dann verweist uns eine zuckersüße, noch mädchenhafte Stimme in ein gerade erst entdecktes, wahrscheinlich in den Dreißiger- oder Vierzigerjahren geschriebenes Musical. Ihre Süße behält die Stimme auch dann noch bei, als das Gekratze in Klarheit übergeht und der eigenartig ferne Klang naht- und mühelos in die digitale 1-0-Umsetzung einfließt.
Plötzlich aber muss sich jemand an den Reglern vergriffen haben. Der Gesang schlingert, und nach jetzt exakt einer Minute übernimmt digitales Instrumentarium die Kontrolle. Ebenso hämmernd wie die Musik klingt nun auch die Stimme. "Auf meiner letzten Platte gab es keine Drums. Dieses Mal ist die Stimmung so düster, dass die Trommel den Zuhörer an die Hand nehmen soll. Doch wenn man die Grooves wegnimmt, geht da immer noch jede Menge seltsames Zeug ab!" Sagt Anja Gabarek selbst über ihr neuestes Album. "Ich nehme gern düstere Melodien, kombiniere das Zuckersüße (Was habe ich gerade gesagt!?!, Anm.d.A.) mit dem Makabren." Dennoch ist ihre Musik nicht aus Metall geschmiedet und auch Anhänger der gotischen Bauweise hören wohl eher anderes.
?Briefly Shaking? ist Pop. Klug zusammenklamüsert mit hier und da verschiedenen Anleihen. Nicht leicht eingängig erst, dann aber auch nicht schwer verdaulich. Die 1970 geborene Norwegerin liebt dramatische Kontraste und überraschende Wendungen. Und beidem frönt sie ausgiebig auf dieser mit knapp unter 40 Minuten recht kurzen Einspielung. Neben dem ausgefuchsten Sound werden die Stücke von ihrer in der Tat bemerkenswerten Stimme getragen. Garbareks Interesse ist es, "Klangbilder mit Wörtern" zu schaffen und so beginnt ihr Songwriting immer mit den Texten. "Wörter haben ihren eigenen Klang und Rhythmus und kreieren eine eigene Atmosphäre. Also begann ich, diese Wörter und Sätze und Metaphern zu verwenden und Geschichten zu entwickeln. Für mich ist die Musik der Soundtrack zu den Stories, die ich erzählen will." Und diese Geschichten haben es in sich. Ein Track basiert auf den wahren Erlebnissen einer Frau, die entführt und in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten wurde; ein weiterer Song ist inspiriert durch ein Buch über einen Serienmörder. Nach eigenem Bekunden hat die Dame gern reichlich krudes Horror- und Krimizeugs gelesen...
Auf ?Briefly Shaking? begegnen sich Musik und Stimme in jedem Stück anders, fallen dann aber doch immer wieder übereinander her, verschmelzen und gebären Sonderbares voll bizarrer Schönheit. Und machen Lust auf eine Reise in die Vergangenheit. Da dies die vierte CD von Frau Garbarek ist, möchten wohl noch weitere drei Schallkunstwerke ihrer Entdeckung entgegen träumen. Und auch dem Erfolg, der ihnen bislang in größerem Rahmen versagt blieb. Was hat Björk, was Anja Garbarek nicht hat?

Der Vollständigkeit halber: Jan Garbarek, in den letzten Jahrzehnten auf zahlreichen Veröffentlichungen des Jazz-Labels ECM unter eigenem Namen oder als Mitspieler auftretender Grandsigneur des Saxophons ist der Musikantin Vater. Womit er der künstlerischen Eigenständigkeit der Tochter keinesfalls im Wege steht. Sondern sie, im Gegenteil, tatkräftig unterstützt.
 
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Weitere CDs von Anja Garbarek:
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