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CD-Review Air 10.000 Hz Legend   CD-Review ::: Air - 10.000 Hz Legend

Review Air - 10.000 Hz Legend  
Review

Air
10.000 Hz Legend
Virgin

Electronica
 
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Letzte News ::: 21.04.2004

Voila. Air sind zurück. "10.000 Hz Legend" heißt das neue Werk des Duos, drei lange Jahre nach dem letzten offiziellen Album "Moon Safari". Zwar wurde man zwischendurch durch " Les Premiers Symptomes", einer Sammlung von Air'schen Frühwerken und dem Soundtrack zu "Virgin Suicides" gefüttert, aber von Snacks wird man nicht wirklich satt.
" Moon Safari" war die erotischste und sinnlichste Platte der letzten Jahre. "10.000 MHZ Legend" versprüht diese Erotik nicht mehr. Das neue Album der Franzosen handelt aber sehr häufig von Sex. "Sex Born Poison" heißt ein Song, ein anderer "Wonder Milky Bitch". Sie handeln von Blowjobs und anderen Dingen, die man je nach Neigung und Erfahrungswerten als normal, schön oder anstößig beurteilen kann. Nun wollen wir mal nicht so tun, als achteten wir auf die Texte, wäre ja eine reine Lüge. Aber eines weiß man ja nur zu gut: Männer, die gerne und häufig von Sex reden, sind meistens impotent. Was also ist das Problem der Franzosen? "Wir sind ein Buch. Wir sind der Papst. Wir sind eine Erektion." Wir sind ein wenig übergeschnappt - das haben Benoit Duckel und Nicolas Godin vergessen zu erwähnen - aber genau das scheint ihr Problem zu sein, und das ist der Grund dafür, dass das Duo es nicht schafft, den Zauber ihres ersten Albums wieder einzufangen. Das ist allerdings ein typisch französisches Problem. Man denke nur an den Schriftsteller Philippe Djian, der mit "Betty Blue" ein Meisterwerk an sinnlicher Literatur geschaffen hat, und alle folgenden Bücher nur noch müde Abklatsche waren (auch wenn er trotzdem noch qualitativ hochwertige Lektüre ablieferte, unbestritten). Direkter Einfluss auf Dunckel und Godin soll aber Boris Vian gewesen sein, der düstere Sex & Crime-Stories wie "Schaum Der Tage" veröffentlichte. Air sehen sich mit ihren Songs selbst als Geschichtenerzähler und "10.000 Hz Legend" sei eine Art musikalische Anthologie.
Trotz aller Kritik: "10.000 Hz Legend" ist ein Album, das weit über dem Durchschnitt liegt und sicherlich ist es eine der besten Veröffentlichungen in diesem Jahr. Aber es gibt darauf Songs, die nerven, weil es ihren Melodien an Esprit fehlt. Sie sind zu süß, zu bohrend, zu glatt. Mit Beth Hirsch war das noch anders. Man vermisst die Stimme der Engländerin. Stattdessen hört man da Stimmen, die verzerrt wie Professor Stephen Hawking klingen, oder Stimmen, die nichts besonderes an sich haben, die langweilen und ernüchtern.
Die ersten Songs auf "10.000 Hz Legend" enttäuschen, nur der Opener "Electronic Performers" überzeugt. Dann aber, spätestens mit dem fulminanten Song "The Vagabond" wird das Album besser - das Resultat einer grandiosen Zusammenarbeit der Franzosen mit Beck. Aber das ist und wird auch kein Hit. Und Nicolas Godin bekannte vor kurzem in einem Interview, das er gerne einen Hit hätte wie Elvis oder Frank Sinatra. Darauf mögen vielleicht Versuche wie "Radio Number One" begründet sein. Ein Song, den man sich morgens zum Aufwachen wünscht, nicht aber um in eine hypotisierende Stimmung zu geraten, wie "Moon Safari" sie verbreitet hat.
Möglich aber, dass man dieses Album, um es zu lieben, oft hören muss. Vielleicht muss man sich von dem Gedanken lösen, dass Air Air sind. Vielleicht sind sie jetzt jemand anderes. "Wir wollen zerstören, was Air bedeutete", gab zumindest Dunckel zu. Zerstören für die Wiederauferstehung?
Na gut. Das Positive an "10.000 Hz Legend": Es kann berauschen. Es ist warm, es ist seelenvolle Musik, es hat eine gewisse Mystik, es hat Style. "Lucky & Unhappy", "The Vagabond" oder "Radian" sind wunderbare Songs. Und das allerbeste: Es macht kreativ. Es löst die kreativen Gedanken in Dir, Du siehst die Meme in der Luft schwirren und fängst Neutrinos, die Dir die Welt neu erklären. So gesehen kann Air fast eine Ersatzdroge sein.
 
Oliver Stahmann
> Alle Beiträge von Oliver Stahmann
 
Weitere CDs von Air:
> Talkie Walkie
> The Virgin Suicides


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