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Story ::: Hoelderlin Express |
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Live und zum Träumen
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vor 2001
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Sie waren die Überraschung des Folk-Festivals in Rudolstadt '93, und das nicht etwa weil sie die gestandenen Größen auf ureigenstem Terrain schlugen. Free Folk! ist ihr Motto, darf aber, um Himmels Willen, nicht mit freier Improvisation, wie etwa im Jazz, gleichgesetzt werden.
Ganz im Sinne eines erweiterten Weltmusikbegriffes vereinen sie Orient und Okzident, Norden und Süden und heben Grenzen weit über den bisher gültigen Folk-/Rock-/Pop-Begriff auf. Mit klassischer keltischer Instrumentierung, wie Fidel, Bhodran und Drehleier, aber auch Tablas, elektrischer und akustischer Gitarre, allerhand elektronischen Effekten und einem kompletten Schlagzeug, vereinen sie einen guten Teil der experimentierfreudigen Musikgeschichte der letzten zwanzig Jahre. Und ihre langerwartete, ich glaube zweite, CD "Electric Flies" macht das ganz nahe am Live-Geschehen hervorragend klar.
Was dabei herauskommt ist nicht allzu neu, aber wunderschön. Und um ein Beispiel zu bringen: Hölderlin Express klingen etwa wie eine Mischung aus Mike Oldfield oder Nigel Kennedy, Clannad und Rabih Abou Khalil. Aber fast ohne Gesang finden sich noch eine Reihe weiterer Zitate, die die melodiebetonten und ohrwurmartigen Kompositionen von Elke Rogge, der ungeheuer attraktiven Frontfrau und Drehleier-Spielerin, und den drei kongenialen Herren abwechslungsreich und unterhaltsam machen.
Nicht umsonst weist ihr Festival- und Tour-Kalender alles, was Rang und Namen hat, auf und die Presse überschlägt sich vor Superlativen. Olaf Kraus, Elke Rogge, Ralf Gottschald und Jørgen Lang greifen den musikalischen Faden wieder auf, der in den Mitt-Siebzigern Folk- und Jazzrock miteinander verband, und schaffen, trotz Einsatzes modernster Technik, ein zeitgemäßes Stück Gegenkultur zur automatisierten Rhythmik und melodischen Beliebigkeit des ausgehenden Jahrtausends. Ihre Stärke sind dabei immer exzellentes Handwerk und eine ausgedehnte Improvisationsfreudigkeit, mit denen sie ihre traurig-schöne Melodien zu einer ganz eigenen Welt machen, in der man sich nur zu gerne verliert.
Aber genug der Theorie - Hölderlin Express bauen ihre Stücke live unheimlich langsam auf und nutzen den Dynamik-Spielraum vom leisen Seufzen der Violine, bis zum Vollgasrausch unter Ausnutzung aller Kapazitäten ihrer Anlage. Musik zum Träumen ist angesagt und die sehnsuchtsvollen Melodiebögen stimmen selbst abgehärtete Naturen sentimental. Am besten nimmt man/frau sich den/die Liebste, um sich jenseits üblicher Schmachtfetzen mal die richtige Portion Anschmiegsamkeit zu gönnen.
Hört sich furchtbar an, naja - wie man's nimmt, denn intellektuell hat das auch so einiges zu bieten. Nicht nur, daß sie eine Harmonik und Rhythmen nutzen, die ganz und gar unüblich sind. Das eigentlich Schöne an der Sache ist, mit welcher kaum wahrnehmbaren Ironie die hervorragenden Instrumentalisten kleine, leichtverdauliche Zitate und Platitüden in ihre Musik einbauen. Sie wandern damit auf einem scharfen Grat, immer knapp vor dem Absturz in die Belanglosigkeit, aber das ist genau der Grat, auf dem sich musikalischer Humor abspielt.
Mir jedenfalls sind beide Seiten lieb und teuer - versucht's einfach selber. Free Folk!
Dirk Jessewitsch
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