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  Story ::: Fear Factory
Review

Das Ende am Höhepunkt

August 2002

Völlig überraschend kam dieses Jahr das Ende für eine Band, die für viele der Inbegriff für Grenzüberschreitung im Metal-Genre gewesen ist. Fear Factory waren anders, sie gingen neue Wege und konnten damit zu Lebzeiten viele neue Impulse setzen. Nicht zuletzt die kommerziell so erfolgreiche NuMetal-Bewegung wäre ohne das kalifornische Quartett kaum entstanden. Doch Fear Factory waren mehr als nur die Groove-Metal-Vorreiter, auch mit Techno- und Industrial-Einflüssen experimentierten die Jungs um Main-Songwriter Dino Carazes, während der HipHop-Community mit Gastauftritten diverser Szene-Größen gehuldigt wurde. Was sich anhört wie ein Konglomerat aus Stilen, die uns Metalheads eigentlich gar nicht passen dürfte, entwickelte sich zu einem Selbstläufer, der spätestens mit dem Mega-Seller "Obsolete" so ziemlich jeden Fan harter Klänge begeisterte und auch von der MTVIVA-Generation dankbar aufgenommen wurde. Fear Factory wollten hoch hinaus, wie sie gerne zugaben, und scheiterten möglicherweise an selbst gesteckten Zielen, mit Sicherheit aber an internen Ego-Problemen.

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Seinen Anfang nahm die Erfolgsstory 1990 in Los Angeles, zu einer Zeit, als Drummer Raymond Herrera noch die Highschool besuchte. Schon damals jammten Dino und Raymond zusammen, was auf Dauer fehlte, war jedoch ein Sänger. Gut, dass es Burton Christopher Bells Angewohnheit war, unter der Dusche zu singen, sonst wäre vielleicht jemand ganz anderes zum Fear Factory Frontmann geworden. Ein U2-Song soll es gewesen sein, der Burtons Wohnungsgenossen Dino auf den Trichter brachte, den Badezimmervirtuosen mit zur Probe zu schleppen und einfach als Sänger zu verpflichten. Ob es sich damals allerdings schon um eine Fear Factory-Probe handelte, weiß keiner mehr so genau. Immerhin sollen beide schon zusammen bei einer Band namens Alceration zusammen gespielt haben, die es nur auf einem Gig im bekannten Roxy auf dem Sunset Strip brachte.
Ebenfalls Fear Factory-Vorläufer: Hate Face und Ulcer, beides Metal-Truppen, bei denen Burton seine Stimmbänder quälte und die damals angeblich notorischen Douche Lords, mit Dino an den sechs Saiten. Der einmal-Porno-Darsteller ("Crew Sluts: Tales From The Road") brachte außerdem im Jahre 1989, also ein Jahr vor der offiziellen Fear Factory-Geburtsstunde, eine weitere bekannte Band an den Start: Brujeria, die aus Raymond, Billy Gould (Faith No More) und Shane Embury (Napalm Death) bestand und vor den auch bei uns erhältlichen Alben einige frühe Singles auf den Underground-Markt warf.
Erst die Zusammenkunft von Burton, Dino und Raymond wurde jedoch zum wirklich festen Line-Up von Fear Factory. Bereits bei der ersten gemeinsamen Probe am 31.10.1990 entstand der Song "Sufferage" (als "Suffer Age" auf "Concrete" und "Soul Of A New Machine" enthalten). Die Fanbasis wurde in den Anfangstagen aus dem Freundeskreis akquiriert. Dino dazu:
"Wir spielten in den Gärten von Freunden unsere ersten Gigs, weil damals die Clubs in L.A. uns nicht auftreten lassen wollten. Es war eben nur Rock angesagt, nicht Metal. Die Promoter fanden uns zu heavy und unsere Fans waren zu jung um zu trinken und Umsatz zu bringen." Burton ergänzt: "Unser allererster Gig fand im Februar 1991 im Garten vom Freund eines Freundes in Alicia Park, LA statt. Dino hat konstant Stromschläge bekommen und unsere Samples kamen noch vom Kassettenrekorder, den Dinos Freundin jedes Mal anstellte." Kurze Zeit später folgten jedoch die ersten Shows in wirklichen Clubs, die natürlich von allen Gartenparty-Fans bevölkerten wurden, und auch erste Demos wurden aufgenommen. Über Titel der Tapes oder Songs ist jedoch der Mantel des Vergessens gefallen. Bekannt ist allerdings der erste Sampler-Beitrag der Truppe 1991 auf Rouchage Records’ L.A. Death Metal Compilation.
Was nun folgte, spannt quasi einen Bogen zum Jahre 2002 und der Zeit nach dem Split von Fear Factory. Genau elf Jahre vorher überzeugte ein damals unbekannter Produzent namens Ross Robinson (Korn, Slipknot) das Quartett, mit ihm ein Studio zu entern und ein Debütalbum aufzunehmen. Der Eigentümer besagten Studios war ein gewisser Blackie Lawless (WASP), der bis heute nicht weiß, dass ein komplettes Album teilweise mitten in der Nacht eingespielt wurde, als die Bandmitglieder in das Studio schlichen um möglichst billig aufzunehmen.
16 Tracks fanden ihren Weg auf Tape, wurden aber nie veröffentlicht. Fear Factory weigerten sich, einen Deal mit Robinson zu unterschreiben, so dass "Concrete" für beide Parteien als Demo galt. Robinson erlangte damit seine ersten Produzenten-Jobs, Fear Factory bekamen einen Deal mit Roadrunner.
Der Rest ist Geschichte, daher nur wichtige oder obskure Details aus der weiteren Fear Factory History.
Nach dem Release von "Soul Of A New Machine" (1992) mit Kurzzeit-Bassist Andy Romero begaben sich die Kalifornier auf ihre erste US-Tour. Ganz schlicht in einem Van begleiteten sie Biohazard und Sick Of It All. Da der Bus nur zwei Sitze vorne hatte, lagen die Jungs abwechselnd zwischen dem Equipment auf der Lagefläche. Die Tour fand dazu mitten im Winter statt und die Band fror sich den Allerwertesten ab. Catering war für das Quintett mit Basser Andrew Shives und Keyboarder Raynor Diego ebenfalls nicht vorgesehen, so dass sich alle von den Resten der anderen Bands ernährten. Auch eine Massenschlägerei zwischen allen Bands und einer Horde von Nazi-Zuschauern in Mesa, Arizona machte diese Tour zu einer bleibenden Erinnerung.
Das erste Highlight der Bandkarriere folgte auf der Europa-Premiere 1993, als die Tour mit Brutal Trutz einen Abstecher zum berühmten Dynamo-Festival in Eindhoven machte. Vor 80.000 Menschen sang Burton zwar selten schief, aber konnte mit einer tighten Truppe hinter sich trotzdem überzeugen. Der Weg war gemacht, selbst wenn das Remix-Album "Fear Is The Mindkiller" einige Fans bereits vergraulte.
Zum Mega-Seller "Demanufacture" (1995) begaben sich Fear Factory auf eine US-Tour mit Megadeth, die der Band noch heute negativ im Gedächtnis bleibt. Wie viele andere Bands machten die Kalifornier die Erfahrung, dass Dave Mustaine zeitweise übelstes Rockstar-Gehabe an den Tag legt. In dieser Zeit machten die vier – Christian Olde Wolbers war mittlerweile zur Band gestoßen - auch erste Bekanntschaften mit dem Sexleben auf Tour. Einige Regeln galt es zu befolgen. Burton:
"Dino beanspruchte manchmal den hinteren Raum des Busses, um Pornos zu sehen. Wenn die Tür zu war, wussten wir, dass Eintritt verboten war." Auch andere Gepflogenheiten hielten Einzug, so gibt Dino freimütig zu, dass er nicht nur immer ein Video dabei hat, in dem "Kaviar" konsumiert wird, sondern er auch immer einen extra-Socken mit auf Tour nimmt: "Wenn man sich einen runterholt, kann man das mit dem Socken machen, dann gibt’s nicht so eine Sauerrei."
Spätestens zum Karriere-Highlight "Obsolete" (1998) spielte Produzent Rhys Fulber eine immer größere Rolle. Der Produzent von "Demanufacture" und Remixer von "Fear Is The Mindkiller" brachte stetig neue Sounds ins Spiel, so dass sogar orchestrale Parts auf dem dritten Longplayer integriert wurden. Vielleicht ein Grund für den Gold-Status von "Obsolete"?
Zu dieser Zeit machte auch Burton gesangliche Erfahrung neben seiner eigentlich Band. Geezer Butler lieh sich seine Stimme für das Projekt G/Z/R und Burton brachte diese Erfahrung in "Obsolete" ein. Zusammen mit der Vorliebe des Sängers für Science Fiction entwickelte sich das bis dato rundeste Fear Factory-Album, bei dem erstmals von einem Gesamt-Konzept, basierend auf der "Mensch vs. Maschine" – Thematik, gesprochen werden konnte.
"Digimortal" (2001) markierte den Wendepunkt der Karriere von Fear Factory. Mit großen Vorschusslorbeeren begrüßt, konnte das Album die Erwartungen nicht erfüllen. Viele alte Fans vermissten eine Veränderung oder waren über die leicht melodischere Entwicklung enttäuscht. Auch das exzessive Touren zehrte an den Nerven und scheint im Nachhinein speziell Dino und Burton gegeneinander aufgebracht zu haben.
Kurz nach der Nachricht, dass Fear Factory an Songs für das fünfte reguläre Album der Bandgeschichte arbeiten, wurde der Split der Truppe bekannt gegeben, welcher im Nachhinein zu einer Presse-Schlammschlacht zwischen Dino, Burton und Raymond ausarten sollte. Von einer möglichen Fortführung der erfolgreichen Konstellation kann also nicht ausgegangen werden, Raymond und Christian konzentrieren sich auf ihr Projekt Kush (mit Deftones Stephen Carpenter und Cypress Hills B-Real), während Dino angeblich seine Zeit mit Brujeria verbringen will.
Bis dahin bleibt den Fans wohl nur übrig, sich mit "Concrete" zu trösten, welches endlich den Weg in die Läden gefunden hat.


Thorsten Wilms


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