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  Interview ::: Misfits
Review

Demontage einer Legende?

Dezember 2001

Dass die Misfits zu den größten Punk-Bands des Planeten zählen, soll hier in keinster Weise bestritten werden. Ob von 1977–1983, am Mikrophon tobte sich ein gewisser Glenn Danzig aus, oder ab 1995, mit den Newcomern Michale Graves und Dr. Chud, die Horror-Punks aus Lodi, New Jersey, reihten Hit an Hit und überzeugten mit ihrem legendären Outfit. Die jüngsten Entwicklungen im Misfits-Camp und natürlich der Release der Rarities-Compilation "Cuts From The Crypt" machten ein Gespräch mit Bandleader und Gründungsmitglied Jerry Only unumgänglich.
Um den gegenwärtigen Status der Misfits zu erklären, ist ein kurzer Rückblick über die Vorkommnisse der letzten Jahre nötig. Vorsicht, eine Soap-Opera ist nichts dagegen!

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Kapitel 1: Michale Graves verlässt für einige Monate die Band und wird durch Myke Hideous (jetzt Bronx Casket Company) ersetzt. Offizieller Grund: Graves will Eishockey-Profi werden. Graves dementiert.
 
Kapitel 2: Erneut kommt es zu einem Zwischenfall, diesmal vor der Kanada-Tour 1999. Graves erscheint laut Jerry Only nicht am Abfahrtspunkt und wird zurückgelassen. Der Sänger behauptet später, dass die Anforderung seines Visums vom Tourmanager vergessen wurde und er deshalb nicht einreisen durfte. Als Aushilfe fungiert Zoli von Ignite.
 
Kapitel 3: Jerry Only überrascht Michale Graves, Dr. Chud und einige Roadies beim Kiffen. Es kommt zur Konfrontation. Am selben Abend in Orlando gibt Michale Graves auf der Bühne seinen Ausstieg bekannt. Das Konzert wird abgebrochen. Auch zwischen Jerry Only und seinem Bruder Doyle scheint es Streitigkeiten zugeben. Letzterer ist angeblich mit Only’s Entscheidungen nicht mehr einverstanden. Die Tour wird mit Gästen wie Joey Image (Misfits-Drummer der ersten Single), Zoli (Ignite) oder Renfield (Candiria) durchgezogen.
 
Kapitel 4: Gründungsmitglied Doyle verlässt die Band vor der US – Van's Warped Tour. Gerüchte machen die Runde, schließlich erklärt Jerry Only via misfits.com, dass sein Bruder eine Scheidung zu bewältigen hätte.
 
Kapitel 5: Jerry Only ruft 2001 das 25jährige Jubiläum der Misfits aus – ein Jahr zu früh. Sein sogenanntes M25 – Line-Up: Jerry Only an Gesang und Bass, Dez (Black Flag) an Vocals und Gitarre), Robo (Misfits & Black Flag) am Schlagzeug und Marky Ramone (Ramones), ebenfalls am Schlagzeug. Letztere teilen sich den Drum-Hocker für jeweils die Hälfte des Sets.
 
Das Line-Up schlägt Wellen unter den Fans, denn nicht nur gibt es keinerlei Kontinuität im Misfits-Camp - auch die Playlist auf der M25-Tour stößt vielen sauer auf: ein Set Misfits-Klassiker, gesungen von Jerry, danach die Highlights von Black Flag mit Dez am Gesang, gefolgt von einem Ramones-Classics-Set mit Marky statt Robo an den Drums. Die Zugabe besteht aus Misfits-Songs der Graves-Ära, intoniert von Jerry Only. Die Reaktionen sind gespalten bis negativ. Die häufigsten Vorwürfe: "Ich will die Misfits sehen, keine Punk-Rock Cover-Band", oder: "Keiner der beteiligten Musiker hat die Songs geschrieben oder gesungen, die gespielt werden".
 
Jerry Only sieht dies erwartungsgemäß anders und scheint trotz generell bester Laune für einen Moment etwas genervt. Über die miserable Transatlantikschaltung kommentiert die Punk-Rock Legende solche Kritik:
"Die Fans können wollen, was sie möchten. Was ich tue ist meine Sache", übt sich der Bandleader in Danzig-Überheblichkeit, "Wenn sie mitreden wollen, sollen sie ihre eigene Band gründen. Außerdem bekommen sie definitiv viel für ihr Geld. Statt nur die Stücke einer Band, hören sie die besten Punk-Songs aller Zeiten auf einem Konzert. Wir können aus 400 Stücken wählen, welche Band kann das sonst schon bieten? Wer an der Party nicht teilhaben will, soll zu Hause bleiben." Dabei sollen die Reaktionen aber am besten gewesen sein, als der gekündigte Michale Graves auf einigen M25-Gigs als Überraschungsvocalist antrat. Eine Rückkehr des Ausnahmesängers scheint jedoch unmöglich: "Ich will nicht mit Michale spielen", gibt Jerry Only zu Protokoll, "er muss noch viel über das Musik-Business lernen und es ist nicht mein Job, ihm das beizubringen. Er hat jetzt seine eigene Band mit Dr. Chud und wird vielleicht herausfinden, warum ich manche Entscheidungen traf und etwas verantwortungsvoller sein. Ich wünsche beiden trotzdem alles Glück der Welt". Sogar Misfits-Stücke werden mit Erlaubnis von Jerry Only auf den Konzerten von Graves zu hören sein, zusammen sogar mit dem Horror-Image, das bislang nur von den Originalen bekannt war. Gerade dieses werden einige Fans auf den M25-Konzerten schmerzlich vermissen. Jerry sieht solche Einwände gelassen: "Wir verkaufen kein Image sondern zollen einer Musik Tribut, die vor 25 Jahren kreiert wurde. Dies ist kein neues Misfits Line-Up, daher auch kein gemeinsames Image".
Wie lange das aktuelle M25 Line-Up bestehen wird, ist noch nicht raus. Jerry dazu: "Wir planen noch eine Welt-Tour, es kann also sein, dass wir bis Halloween 2002 in dieser Konstellation unterwegs sein werden. Ein Grund ist der Release von Joey Ramone's posthumen Soloalbum, auf dem Marky und ich zu hören sind. Die Scheibe wird von uns live promoted. Weiterhin ist übrigens auch das erste Misfits-Homevideo in Arbeit. Es wird also einiges passieren".
Sogar ein neues Misfits-Studiowerk scheint in naher Zukunft angestrebt zu werden. Nachdem sowohl Glenn Danzig als auch Michale Graves behaupteten, dass Only höchstens minimal zum Songwriting beigetragen habe, bleibt die Frage: wer wird die Songs schreiben? Mr. Only klärt empört auf: "Das ist alles nicht wahr. Die beiden Hauptsongwriter waren Michale und ich!" Wird das nächste Misfits-Werk nur aus Kompositionen des Bassisten bestehen? Noch scheint gar nichts sicher: "Wahrscheinlich schreibe ich die Stücke alleine. Anderseits habe ich auch einige gute Leute in der Hinterhand, mit denen ich arbeiten könnte. Entschieden ist allerdings noch nichts." Eine logische Wahl wäre Daniel Rey (Produzent und Mit-Songwriter von American Psycho und Famous Monsters). "Er ist einer von ihnen, außerdem Jimmy von Blondie. Weiterhin plane ich, Steve Jones (Sex Pistols) und Josh Silver (Type O Negative) anzusprechen". Mit solch hochkarätigen Mitstreitern scheint einer neuen Misfits-Scheibe wohl nichts im Weg zu stehen, selbst wenn es nicht zum Besten um Jerry’s Songwriting-Talent steht. Vorher soll nach Auskunft des Familienvater aber noch ein anderes Album in die Läden kommen, welches ebenfalls nicht aus Only-Kompositionen besteht: "Wir planen ein Cover-Album mit Songs aus den 50ern. Wenn alles gut geht, wird die Scheibe schon bald erscheinen. Ich werde extra für die Recordings unsere Japan-Tour verschieben. Wir sind gerade dabei, die Songs auszuarbeiten". Nach Auskunft von Jerry Only werden unter anderem Stücke von Richie Valens und Paul Anka enthalten sein. Der Bassist ist euphorisch - aber ob die Fans es auch sein werden? Die können ihren Hunger nach neuem Material jedenfalls für den Moment stillen. "Cuts From The Crypt", das aktuelle Release der Horror-Punks steht in den Läden. Der Inhalt: rares Material, welches bisher nur auf Fanclubsingles oder Compilations zu hören war, sowie drei völlig neue Tracks. Allerdings hat die Band selbst einige Songs schon lange auf ihrer Homepage zugänglich gemacht und sicherlich viele Fiends (inkl. euer werter Schreiberling) ein paar Mark für die Original-Veröffentlichungen bezahlt. "Die CD enthält alte Demos, einen Live-Black Flag-Cover, ein Iggy Pop-Cover, ein Video und unveröffentlichte Songs, es ist also für jeden was dabei. Die Fans haben immer wieder nach einer günstigen Möglichkeit gefragt, das Zeug zu bekommen und zusammen mit dem Pushead-Cover und den 10 Seiten Liner-Notes erhalten sie ein tolles Paket." Dem ist nicht viel hinzuzufügen, denn Value-For-Money ist "Cuts From The Crypt" bestimmt. Doch warum sind nicht die Videos zu "Dig Up Her Bones" und "American Psycho" zusätzlich zu "Scream!" (Regie: George Romero) enthalten? "Geffen hat die Rechte an den Stücken, wir hätten nur die Videos ohne Musik zeigen dürfen", ist die einleuchtende Erklärung des Bassisten.
Natürlich wäre kein Misfits-Interview komplett ohne die obligatorische Frage nach Glenn Danzig, schließlich ist eine 25-Jahres Feier nichts ohne den legendären Frontman. Jerry weicht aus, macht aber gleichzeitig Hoffnung: "Bevor der Vertrag mit Roadrunner nicht abgelaufen ist, mache ich dazu keine Angaben".

Thorsten Wilms


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