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  Interview ::: Fear Factory
Review

Die Roboter sind unter uns!

April 2000

Die Maschine, die sich Fear Factory nennt, ist nach einer Pause von langen drei Jahren zurück, um mit einem weiteren Metal-Highlight zu überraschen und potenzielle Nachfolger in die Schranken zu weisen. Wahrscheinlich haben nicht wirklich viele mit dem Hammerschlag gerechnet, der unter dem Titel "Digimortal" das Licht der Welt erblickt hat, aber Fear Factory wären nicht Fear Factory, wenn sie nicht ständig an sich arbeiten würden und sich dabei auch noch stetig weiterentwickelten. Warum sich die Kalifornier allerdings für jedes reguläre Album eine halbe Ewigkeit Zeit lassen, musste Bassist Christian Olde Wolbers erst einmal erklären.

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"Von den drei Jahren waren wir zwei auf Tour. Erst danach haben wir uns an das Songwriting gemacht. Fear Factory kann durch Plattenverkäufe allein nicht überleben, so dass wir gezwungen sind, uns durch so viele Gigs wie möglich zu finanzieren und das jeweils neueste Album zu unterstützen. Wir kriegen kein Airplay, sodass wir uns ohne Anstrengung eine goldene Platte an die Wand zu nageln könnten. Bei uns wird so etwas noch auf die althergebrachte Weise erreicht und die heißt Touren", erzählt der Meister der vier Saiten fast stolz.

Nicht wenige Fans werden auf dem "Obsolete"-Nachfolger eine Entwicklung hin zur verstärkten Nutzung elektronischer Elemente befürchtet haben. Fear Factory überraschen jedoch mit einem Album, welches keinen Deut an Aggression im Vergleich zum Vorgänger eingebüßt hat.
"Was ist denn eigentlich Mainstream?" kontert Christian direkt, "wenn Mainstream gleichbedeutend ist mit mehr Melodie, dann sind wir vielleicht jetzt Mainstream. Aber mal ehrlich, wir wissen mittlerweile, wie man eine gute Mischung kreiert. 'Digimortal' ist wie eine Achterbahnfahrt - voller Dynamik. Einen Moment wiegst du dich in Sicherheit, im nächsten kommt der Höhepunkt." Genau wie ein solches Erlebnis wird auch das neue Album des Quartetts zu keiner Sekunde langweilig, denn richtig zur Ruhe kommen lassen die elf Tracks den Hörer nie. "Stimmt, die Scheibe groovt in einem durch und die Konzentration auf das Essentielle hat uns musikalischen Ballast verlieren lassen. Wir haben durch die Live-Gigs gemerkt, welche Art von Song die Stimmung halten kann und haben das auf 'Digimortal' weiter ausgebaut", stimmt der Bassist zu. Natürlich stellt sich dabei auch die Frage nach dem kommerziellen Kalkül, welches in das Songwriting geflossen ist. Schließlich ist nicht zu verleugnen, dass "Digimortal" wieder ein Stück zugänglicher geworden ist, als der Vorgänger. "Wir sind Fear Factory und werden es auch immer bleiben. Dazu gehört nun mal ein bestimmter Stil von Musik. Allerdings versuchen wir auch neue Hörer zu erreichen. Dies ist kein primäres Ziel aber auch ein Rennfahrer fährt um zu gewinnen, egal wie viel Spaß ihm die Fahrt macht." Damit dürfte der Tieftöner etwaigen Kritikern etwas Wind aus den Segeln genommen haben. Genauso einfach erklärt sich die Tatsache, dass die elektronischen Elemente anno 2001 weiter im Vordergrund stehen, als noch vor drei Jahren. "Wir haben schon auf 'Soul Of A New Machine', also noch vor meiner Zeit, Elektronik eingesetzt. Damals waren wir nur noch nicht so erfahren und haben viele Dinge im Studio untergehen lassen. Mit der Zeit kam die Erkenntnis, dass jedes Instrument Freiraum braucht, also auch die Samples. Daher sind die Elektronik-Sounds auch besser zu hören. Auch Rhys (Produzent und Studio-Keyboarder - Anm.d.Verf.) hat schließlich an Erfahrung gewonnen. Auf 'Digimortal' ist übrigens auch der Bass viel dominanter, was natürlich kaum jemandem auffällt."

Natürlich haben Fear Factory nicht nur ihre Liebe zu Stakkato-Rhythmen und ihrem Cyber-Sound weitergeführt, sondern auch erneut ein textlich passendes Thema als roten Faden zwischen den einzelnen Songs gewählt. Waren es bisher schon Filme wie "Blade Runner", "Brave New World" oder "Terminator", die das Quartett inspirierten, geht es diesmal um eine durchaus reellere Gefahr: das Klonen von Menschen und der Einfluss der Technologie auf die Evolution. "'Digimortal' ist ein Wortspiel aus den Bestandteilen 'Digital Technology' und 'Human Mortality'. Was heute noch als futuristisch und ethisch zweifelhaft gesehen wird, ist meiner Meinung nach längst Realität. Kloning-Versuche an Menschen laufen mit Sicherheit seit dem zweiten Weltkrieg, es wird nur von der Obrigkeit vertuscht. Schließlich sollen keine Ängste geschürt werden und neue Technologien auch nur für Reiche zur Verfügung stehen" outet sich Christian als wahrer Akte X - Fan und führt die Bandtheorie weiter aus: "Bald wird es möglich sein, sein gesamtes Gedächtnis auf einem Chip zu speichern und vor dem Tod in einen extra gezüchteten Klon zu transferieren." Wie würde denn ein gestandener Metal-Musiker auf die Möglichkeit reagieren, sich klonen lassen zu können, vorausgesetzt, jeder hätte diese Möglichkeit? "Das ist eine der Fragen, die wir auf 'Digimortal' stellen. Ich bin der Meinung, dass ein Klon niemals genauso sein kann, wie man selbst. Persönlich und profan beantwortet finde ich die Idee allerdings ganz nett, jemand anderes die Drecksarbeit machen zu lassen. Ob ich es wirklich tun würde? Keine Ahnung." Eine weitere Frage die Fear Factory zur Diskussion stellen, bezieht sich auf die Seele des Menschen. Ist allein das Gedächtnis die Seele, macht nur die Erinnerung einen Menschen aus? Wie kann es dann sein, dass Personen völlig behütet und normal aufwachsen und trotzdem zu Serientätern werden? "Genau aus diesem Grund sind wir sehr skeptisch, was besagte Technologie angeht", erklärt Christian, "Es gibt viele Untersuchungen über menschliches Verhalten, aber fast alle Fragen bleiben ungeklärt. Wer weiß schon, wie sich ein Klon wirklich verhalten würde, egal mit welchem Gedächtnis?!" Auch die ethische Frage bleibt wichtig, speziell, wenn es um die Programmierbarkeit des Gehirns bzw. Chips geht. Den Machtinhabern wäre es so möglich, jeden Menschen umzustrukturieren, sodass sein Verhalten der Norm entspricht. "...was ich bei Kriminellen vielleicht noch ganz ok fände", reagiert der Bassist vielleicht im ersten Moment etwas unüberlegt, "aber das sind alles Themen, die wir zur Diskussion stellen und nicht schon beantwortet haben."

Die Zukunft wird auch an Fear Factory nicht einfach vorbeigehen und so kann man sich jetzt schon fragen, was im Lager der Cyber-Metaller nach "Digimortal" folgen könnte. Schließlich ist auch der Sound des Quartetts, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Grenzen zu überschreiten, in gewisser Weise limitiert. "Wahrscheinlich würden wir unsere Songs noch einfacher und klarer strukturieren, damit die Hörer noch mehr mit der Musik fühlen. Anderseits würden wir auch noch mehr an der Dynamik feilen, also öfter den Wechsel zwischen musikalischen Wutausbrüchen und Entspannung suchen." Trotz dieser Aussage wurde allerdings nicht die offensichtliche Wahl "Invisible Wounds" zur ersten Single erkoren, sondern der Brachial-Kracher "Linchpin". Wie passt das zum erklärten Ziel, mehr Hörer zu erreichen? "Wir wollten klar machen, dass wird wieder da sind und zwar mit einem Stück, das alles beinhaltet, worum es bei Fear Factory geht.: Das heavy Riff, der melodische Refrain, es ist alles da. 'Invisible Wounds' hätte die Fans nur verstört und uns auch dem Vorwurf des Sell-Outs ausgesetzt. Aber keine Angst - der Song wird natürlich die zweite Single", lacht Christian. Sell-Out ist allerdings ein gutes Stichwort, um die Nachahmer zu beschreiben, die mit der Formel "mal böse brüllen, mal rührend leiden" hohe Verkaufserfolge erzielen. Wie fühlt man sich denn so als Trendsetter? "Das sind wir bestimmt nicht. Ich will auch gar keiner sein. Als Trendsetter bist du kurz an der Spitze und sofort weg, wenn der nächste Trend kommt. Wir haben uns lange genug gehalten und müssen nicht versuchen uns zu ändern, um immer 'up-to-date' zu sein. Außerdem können wir gar keine Mode-Band sein, wir haben schließlich einen superfetten Kerl in der Band", lacht der Bassist.

Nach einem netten Gespräch über Klone und Maschinen musste angesichts der ersten Entscheidungen des neuen US-Präsidenten - man denke nur an Themen wie Raketenabwehrsysteme, der Angriff auf den Irak, den Kohlendioxid-Kompromiss - aber noch eine Frage folgen: Ist George W. Bush ein Roboter?
"Er ist wirklich nur eine Puppe, die ausführt, was andere befehlen", stimmt Christian zu, "er ist nur die Person, die in der Öffentlichkeit steht, alle anderen treffen Entscheidungen. Die Industrie hat ihn völlig in der Hand."

Thorsten Wilms


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