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  Interview ::: The Generators
Review

Leiden, lernen, leben

Dezember 2008

Keine Trends, kein Hype: The Generators aus Los Angeles spielen seit rund einer Dekade ehrlichen, gut abgehangenen Punk-Rock. Textlich drehen sich zahlreiche Songs über die Aufs und Abs im Leben. Damit kennt sich Doug Dagger nämlich bestens aus. discover bat den Frontmann im Rahmen der "Bound For The Bar"-Tour zum Interview.

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The Great Divide (CD)
Excess, Betrayal And Our Dearly Departed (CD)
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?: Hi Doug, euer aktuelles Album "The Great Divide" ist schon über ein Jahr alt. Dennoch seid ihr gerade auf Tour, eher ungewöhnlich...
!: Nun, ursprünglich wollten wir eine eigene Headliner-Tour zum Album in Europa durchziehen aber dann fragte uns unsere Plattenfirma People Like You, ob wir Lust auf die "Bound For The Bar"-Tour (auf der nur Acts des Labels spielen - Anm.d.Verf.) hätten. Finde ich eine gute Sache, denn so haben wir zwei klasse Opener dabei (The Grit und Thee Merry Widows - Anm.d.Verf.).
?: Im Vorfeld zur Tour habt ihr auf eurer Myspace-Seite einen neckischen Backstage-Pass-Content initiiert...
!: Na ja, wir wollten ein bisschen die Werbetrommel rühren, ha ha. Hat geklappt: Die Nachfrage der Fans nach Gratis-Tickets war groß, unsere Rechnung ist also aufgegangenen.
?: Spielt ihr gerne in Europa?
!: Ja, Europa ist ein gutes Pflaster für uns. Es ist hart, in den USA zu touren, es gilt große Entfernungen zu überwinden. Es kostet uns viel Zeit, Geld und Nerven, das Land von der Westküste aus zu beackern. In Europa ist alles kompakter, auch daher kommen wir gerne her.
?: Speziell euer letztes Album klingt wie eine Mischung aus Social Distortion und - vor allem wegen deinem Gesangs - Bad Religion...
!: Das ist schon eine schräge Mischung (lacht). Der Vergleich mit Greg Graffin (Sänger von Bad Religion - Anm.d.Verf.) ehrt mich, denn ich war immer ein Fan von ihm. Wir haben es aber nicht darauf angelegt, so zu klingen. Wir sind nun mal eine Band aus Südkalifornien, das hört man.
Die von dir genannten Bands gehören zu den Begründern der Punk-Rock-Bewegung. Wir legen viel Wert auf Melodien, haben den typischen Punk-Rock-Sound aus Los Angeles - so kommen halt solche Vergleiche zustande. Ich finde nicht, dass das gegen uns spricht (lacht).

?: Welche Einflüsse gibt es noch?
!: Jede Menge, z.B. The Clash, Stiff Little Fingers, Hüsker Dü aber auch viel klassischen Rock wie The Jam oder Black Sabbath. Ich höre also nicht nur Punk-Rock und mag auch neueren Kram wie die Foo Fighters.
?: Okay, wie sieht es denn mit einem neuen Album aus?
!: Wir arbeiten dran! Wir haben schon einige Songs geschrieben, daher hoffe ich, dass es nächstes Jahr soweit sein wird. Auch wenn es abgedroschen klingt: Wir wollen uns weiterentwickeln und mit jeder Platte ein bisschen besser werden. Daher funktioniert es nur bedingt, in starren Zeitkategorien zu denken. Natürlich hoffe ich, dass wir etwas ganz Besonderes hinkriegen, unser bestes Album...
?: Wie würdest du deine Bandkollegen charakterisieren?
!: Eigentlich sind wir ganz normale, ruhige Burschen, keine wilden Freaks oder so was. Klar, als wir jünger waren, haben wir 'ne Menge Parties gefeiert und auch ganz ordentlich gesoffen, aber wir werden älter und relaxter. Ab und zu haben wir nach wie vor Bock auf Party und hauen auf den Putz. Im Großen und Ganzen aber sind wir auf Tour recht brav. Dafür liefern wir aber auch Abend für Abend 'ne ordentliche Show ab. Ich sag's mal so: Wir haben uns die Hörner abgestoßen und wissen mit unseren Kräften Haus zu halten, ha ha...
?: Was ist Punk-Rock?
!: Eine Einstellung, Mann! Früher bedeutete Punk Protest, angepisst und wütend sein! Mittlerweile gibt es so viele Richtungen, dass man Punk nicht mehr eindeutig eingrenzen kann. Punk kann mittlerweile auch Mainstream bedeuten, guck' dir Green Day oder Blink-182 an - das ging früher gar nicht. Als die ersten Kids mit Punk begannen, wollten sie anders sein, sich von der Masse abheben, das ist heute nur noch zum Teil so.
?: Gehört Politik zum Punk?
!: Das war für mich stets ein Teil des Punk-Rocks und wird es immer sein. Wir haben auch eine paar Songs, die sich um Politik drehen. Gerade zu Beginn der Band war ich ziemlich ambitioniert. Aber ich bin ja nicht allwissend und kann nicht genau sagen, was falsch oder richtig ist.
Aber wir alle sind von Politik betroffen und ich verfolge auch in den Medien, was in der Politik vor sich geht. Für mich als Texter ist es aber spannender, über Schicksalsschläge und schwere Momente zu schreiben. Ich hatte in meinem Leben einige Tiefpunkte und schwarze Stunden, damit kenne ich mich also besser aus. Daher bin ich in der Lage, solche Dinge und Gefühle zu erklären und auszudrücken.

?: Was ist dir denn so widerfahren?
!: In meiner Familie gab es einige Selbstmorde und ich habe zwei Kinder verloren! Eines wurde mir weggenommen und eines starb als Baby. Diese Dinge werden immer Bestandteil meines Lebens sein. Natürlich singe ich auch über schöne Erlebnisse. Diese Aufs uns Abs im Leben sind meine lyrische Heimat und die Botschaft ist klar: Du kannst hinfallen, aber du musst wieder aufstehen. Das ist auch meine persönliche Erfahrung.
?: Lass' uns noch mal über Politik reden. In den USA stehen die Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Wer gewinnt?
!: Obama! Ich kann nur hoffen, dass es so kommt. Es ist verdammt noch mal an der Zeit, dass die Demokraten wieder den Präsidenten stellen. Die letzten Jahre unter republikanischer Führung waren nicht gut für unser Land.
Für Europäer ist das oft schwer zu verstehen, aber es ist so: Amerika ist ein sehr konservatives Land, it's very cowboy. Die Leute in den großen Städten sind anders: Wenn du von L.A. nach Arizona oder Colorado fährst, begibst du dich im Prinzip in eine andere, extrem konservative Welt. Die Vorstellungen und Erwartungen der Leute dort unterscheiden sich sehr stark von denen der Menschen in Großstädten wie New York, Washington oder Los Angeles. Meiner Meinung nach gibt es in unserem Land eine starke kulturelle Spaltung und das zeigt sich an der jetzigen Wahl besonders gut.

?: Warum Obama?
!: Ich denke, es ist ein Riesenschritt für unser Land, dass mit Obama ein Afro-Amerikaner die Chance hat, Präsident zu werden - darauf bin ich stolz! Das mächtigste Land der Welt kann von einem Schwarzen angeführt werden - das ist großartig! Wenn es mit Hillary Clinton eine Frau geschafft hätte, wäre das ebenso ein Fortschritt gewesen.
?: Wieso?
!: Wir brauchen einen Wechsel, ein eindeutiges Signal - das weiß auch jeder. Okay, ob die Missstände in Amerika sich kurzfristig ändern, bleibt natürlich abzuwarten, aber ein erster Schritt wäre es auf jeden Fall. Und Obama ist allemal besser als George Bush und seine jetzige Regierung!
?: Das sehen wir Europäer tendenziell genauso.
Themenwechsel. Du hast eine Menge Tätowierungen. Magst du mal ein, zwei davon erklären?

!: Warum nicht? Diesen Löwen hier auf meinem Arm habe ich mir 1983 in Hollywood stechen lassen. Das war illegal, weil ich erst 16 Jahre alt war. Das Studio hatte aber nicht viele Kunden und sie brauchten das Geld. Also verriegelten sie die Tür und legten los. Ein anderes Tattoo erinnert mich an ein verstorbenes Kind. Hier steht: "life gives and life takes". Das ist SEHR persönlich und erinnert mich an eine harte Zeit.
Du siehst, es sind schon ein paar ältere "Werke" dabei. Meine Tattoos führen mir bestimmte Momente meines Lebens vor Augen. Ich weiß genau, wo ich ein Tattoo habe stechen lassen, ob in Hollywood oder in Pasadena, wo ich sehr betrunken war (lacht).

?: Was würdest du machen, wenn du nicht Sänger der Generators wärest?
!: Hm, eine gute Frage. Jedenfalls würde ich etwas finden, um mich selbst aus Trab zu halten. Allerdings hat sich die Situation nie ergeben, denn ich begann mit 15, 16 Musik in der Punk-Szene in L.A. zu machen. Ich könnte mir vorstellen, mit Oldtimern zu handeln. Jedenfalls würde ich nicht nur dasitzen und rumhängen, sondern mich beschäftigen. Allerdings liebe ich es, als Künstler kreativ zu sein.
?: Hast du ein Lebensmotto?
!: Mache einen Fehler nie zwei Mal! Man lebt, um zu lernen, also wiederhole nicht die Dinge, die du falsch gemacht hast!
?: Verrätst du mir dein Alter?
!: (lacht) Ich bin 41.
?: Willst du noch etwas loswerden?
!: Ich freue mich, dass du hier bist, um mit mir zu reden. Das hilft uns, unsere Band und unsere Musik zu verbreiten und vielleicht ein paar neue Fans zu finden. Das ist cool!

Joachim Brysch


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