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  Interview ::: OneTwo
Review

Eins, zwei, hier kommt OneTwo

April 2007

Claudia Brücken, Ex-Propaganda, und Paul Humphreys, OMD, machen gemeinsam Musik

Sie war einst die Stimme der Düsseldorfer Pop-Avantgardisten Propaganda, er revolutionierte mit seiner damaligen Band OMD aus dem Hauptquartier in Liverpool die elektronische Musik: Claudia Brücken und Paul Humphreys dürfen auf eine bewegte Vergangenheit blicken. Als OneTwo haben sich die beiden Musiker im Jahr 2004 gefunden, nachdem die Wiedereinigung Propagandas endgültig gescheitert war. Doch schreiben wir viel schon länger gemeinsam Musik", betont Paul Humphreys mit Blick auf das jüngst veröffentlichte Debütalbum "Instead" (ThereMusic), dem ein Jahr zuvor die EP "Item" vorausgegangen ist. Elegante Melodien, brillante Arrangements, dazu der unvergleichliche Gesang der Wahl-Londonerin Claudia Brücken: Der erste Langspieler des Gespanns - natürlich ein elektronisches Popalbum - darf als Meisterwerk des modernen Synthetiksounds gelten. Und mit Martin Gore von Depeche Mode ist nicht nur ein mehr als prominenter Gastmusiker darauf als Gitarrist zu hören, sondern hat Gore auch als Co-Komponist gewirkt. Wir sprachen mit Claudia Brücken und Paul Humphreys.

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Story ::: April 2007
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?: Was hat euch als OneTwo zusammengebracht? Wie kam es zu dieser Kollaboration?
Paul Humphreys: Ende der Neunzigerjahre haben wir angefangen, gemeinsam zu schreiben. Ich führte mit Telegraph Records ein kleines Independent Label in Liverpool und reiste eines Tages zur "MIDEM" nach Cannes, um dort Verträge für meine Bands zu ergattern. Schließlich wurde ich aber selbst angesprochen, weil Claudia einen Co-Komponisten für ihr Soloprojekt suchte. Wir trafen uns und begannen gleich, an Ideen zu arbeiten. Aber das Projekt stoppte, weil es eine Wiedervereinigung der Ur-Besetzung von Propaganda geben sollte. Claudia verwendete einige Jahre auf dieses Projekt, das aber 2002 endgültig gekippt wurde. Einiges aus der Arbeit von Claudia und mir war in die Arbeit für Propaganda übergegangen. 2004 entschieden wir uns, OneTwo zu gründen, die EP "Item" zu veröffentlichen und diese dann ausschließlich über ein Internet-Auktionshaus zu vertreiben.
?: Beeinflusst euch eure musikalische Vergangenheit? Profitiert ihr davon?
Claudia Brücken: Unsere musikalische Vergangenheit hat sowohl Vor- als auch Nachteile für uns. Das Gute ist, dass wir bereits ein Publikum haben, eine Gruppe loyaler Fans, die uns all die Jahre begleitet hat und die jene Sachen sammelt, die wir so gemacht haben. Ein Nachteil aber ist, dass wir in recht erfolgreichen und sehr bekannten Bands gespielt haben. Das ist durchaus eine schwere Bürde, die wir mit uns herumtragen, weil uns die Leute an Erfolgen messen, die wir mit anderen Musikern hatten, obwohl sich dies alles unter völlig anderen Umständen abgespielt hat.
?: Die Stärke des Albums sind eindeutig die Melodien. Wer von euch hat ihre Richtung vorgegeben?
Paul Humphreys: Musiker, die so lange wie wir beide im Geschäft sind, haben gelernt, Instinkten zu vertrauen. Und obwohl wir uns schon recht früh auf den Stil des Albums geeinigt hatten, gönnten wir uns beim Schreiben jede Freiheit und erlaubten uns, jeder für sich, die eigene Handschrift zuzulassen und unsere jeweils eigene Arbeitsweise durchscheinen zu lassen. Wir beide haben wohl ein gutes Gespür für Melodien, da wir beide mit sehr melodischer Musik aufgewachsen sind. Daher brauchen wir immer eine starke melodische Struktur in einem Song, die unsere eigenen Ohren zufrieden stellt.
?: Es gibt heute nicht mehr viele Musiker aus den Zeiten ihres Beginns, die noch so überzeugend sind wie ihr und die eine so große Erfahrung haben - Erasure etwa, Pet Shop Boys, Depeche Mode oder jetzt auch wieder OMD. Ist die Erfahrung etwas, auf das ihr in der heute sehr schnelllebigen Branche bauen könnt?
Claudia Brücken: Die Bands, die du da erwähnst, entstammen alle den Achtzigerjahren, einer Zeit, die völlig anders ist als die heutige. Das gilt sowohl für die Künstler als auch für die Musikindustrie. In den Achtzigerjahren hatten die Bands einfach bessere Chancen auf eine lange Karriere, weil die Plattenfirmen dafür ausgestattet waren, talentierten Künstlern auf die Sprünge zu helfen, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Es war einfach in Ordnung, mal ein Album zu haben, das sich nicht besonders gut verkaufte, weil dann das nächste wieder ein Erfolg werden würde. Die Industrie hatte damals die Mittel, um bis zu einem gewissen Grad auch Misserfolge zu unterstützen. Das erlaubte uns Künstlern wiederum, dass wir uns entwickeln konnten und uns auf diesem Weg die Erfahrung aneignen konnten, von der du sprichst.
Paul Humphreys: Aus vielen Gründen hat die Musikbranche heute keine finanziellen Quellen mehr, die für die Entwicklung von Künstlern notwendig wären. Besonders tragisch ist es inzwischen, dass viele Plattenlabel dem Künstler die Tür zeigen, wenn er auch nur einen Flop landet. Da die Plattenfirmen nicht mehr flüssig sind, können sie sich keine Künstler mehr abseits des Mainstreams leisten. Ursache für dieses fehlende Geld in der Branche ist hauptsächlich das Fortschreiten der Technik, das digitale Zeitalter, das den meisten Einfluss auf unseren Beruf in den letzten 20 Jahren hatte. Die Industrie hat es einfach versäumt, mit der Entwicklung im Internet Schritt zu halten, so dass der illegale Download immer populärer werden konnte und so der Branche Unsummen von Geld abgesaugt hat. Aber heute ist nicht alles schlecht, es bewegt sich zurzeit wieder viel im Independent-Bereich, das geschieht periodisch. Die großen Plattenlabel hetzen den großen Geldbatzen hinterher und verschlingen sich schließlich gegenseitig, während die kleineren Label interessante Musik veröffentlichen.
?: Was würdet ihr denn dann jungen Künstlern raten?
Paul Humphreys: Ich warne vor der Branche, weil sie heute verdammt hart ist und alles in den letzten Jahren noch mal viel schwieriger geworden ist. Die Branche, so wie Claudia und ich sie kennen gelernt haben, ist einfach implodiert. Der beste Rat, den ich geben kann, ist, einfach als Künstler sehr ehrlich mit sich selbst umzugehen. Wir bewegen uns in einer von Prominenten dominierten Gesellschaft, in der viele Musik machen, um berühmt zu werden und nicht, weil es ihre Leidenschaft ist. Musik ist eher ein Weg, der in die Berühmtheit führen soll, als eine Form der Kunst. Claudias und meine Bekanntheit ist eher ein Bei-Produkt, weil wir gute Musik gemacht haben. Ein anderes Ziel als gute Musik zu machen, hatten wir niemals. Auch sollten sich kreative Leute niemals zu hohe Ziele setzen oder Musik schreiben, die Erwartungen erfüllen will, an Stelle von Musik, die aus dem Herzen und aus den eigenen Instinkte kommt. Wenn jemand heute Musik macht und überzeugt davon ist, dass sie gut ist, dann sollte er über Foren wie "MySpace" oder "youtube" auf sich aufmerksam machen. Ich fürchte, das ist das Beste, das mir dazu einfällt.
?: Wird die Musikrichtung "Synthie-Pop" jemals aus der Mode kommen?
Paul Humphreys: Sie war bereits aus der Mode - während der Neunzigerjahre. Und das ist der Grund, warum ich selbst in dieser Zeit keine Musik gemacht habe.
Claudia Brücken: Im Moment bewegen wir uns in einer Zeit, in der eigentlich nichts aus der Mode kommt. Aber da ich weiß, wie sehr sich immer wieder der Geschmack verändert, weiß ich auch, dass es wieder eine Zeit geben wird, in der Synthesizer-Musik nicht mehr angesagt ist - wahrscheinlich ist das der Zeitpunkt, wenn Paul sein Synthies endgültig an den Nagel hängt.
?: Wie kam es zum Gastauftritt von Martin Gore auf eurem Album?
Claudia Brücken: Da ich so lange solo gearbeitet habe, habe ich immer nach Möglichkeiten der Kollaboration gesucht. Denn eigentlich habe ich immer Ideen für Songs im Kopf. Bei einer dieser Ideen habe ich eine kleine Akkordsequenz auf der Gitarre geschrieben. Ich hatte auch beinahe den gesamten Text zusammen und die Melodien der Strophen ausgearbeitet, aber mein Wissen über Akkorde auf der Gitarre ist sehr begrenzt. Daher dachte ich darüber nach, wer helfen könnte. Und dann fiel mir wirklich Martin ein, der in London ganz in der Nähe wohnt. Ich dachte an Martin aber nie als den Martin Gore von Depeche Mode, sondern an Martin, den genialen Songschreiber und Gitarristen. Freunde sind wir schon lange. Und er war gerade zu Hause, also rief ich Martin an. Wir trafen uns, und ich spielte ihm das Bisschen, das ich hatte, vor und bat ihn, mir zu helfen, diesen Song zu Ende zu schreiben. Er lehnte ab, weil er nie zuvor mit jemandem zusammen komponiert habe. Ich sagte, er solle sich keine Gedanken machen, ein wenig an diesem Stück herumprobieren und es einfach wegwerfen, wenn es nicht funktionieren würde. Doch nach ein paar Tagen rief Martin an und sagte, er sei fertig. So ist unsere Single "Cloud Nine" entstanden.
?: Auf der Bühne werdet ihr von Manhattan Clique, Philip Larsen und Christ Smith, unterstützt. Richtig?
Paul Humphreys: Ja, Philip Larsen und Chris Smith macht es Spaß, mit uns zu spielen. Außerdem sind sie gute Freunde von uns. Sie sind ausgezeichnete Musiker, jedoch haben sie selten die Möglichkeit, selbst auf die Bühne zu gehen, da sie die meiste Zeit im Studio verbringen und als Produzenten und Remixer arbeiten. Vor zwei Jahren haben sie das Solo-Album "Electric Blue" von Andy Bell (der Sänger von Erasure; Anm.d.A.) co-produziert und Andy fragte an, ob Claudia nicht bei zwei Stücken singen wollte. Bei den Aufnahmen haben wir uns alle angefreundet. Wenn wir in Deutschland auf Tournee gehen, wird aber nur Philip mit uns auftreten, da Chris eine Promotion-Agentur leitet, die Musik vermarktet. Er hat Promotion-Termine. Dafür wird uns der sehr talentierte James Watson begleiten, der bei einigen Stücken von uns auf dem Album gespielt und einige Songs auf dem "Instead"-Album dann auch produziert hat.
?: Habt ihr beim Schreiben eurer Stücke auch schon so eine Art Live-Version im Kopf?
Claudia Brücken: Nein, niemals. Darum kümmern wir uns immer erst später. Wenn wir im Studio sind, denken wir immer nur daran, was für den Song das Beste ist. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass der Song aus falschen Gründen in die falsche Richtung läuft.
?: Mögt ihr Live-Konzerte überhaupt?
Paul Humphreys: Wir lieben es sogar, live zu spielen. Claudia hat eine fantastische Stimme, sie liebt es, bei jeder Gelegenheit aufzustehen und zu singen. Viele Leute denken, dass OMD - weil dies eine Elektro-Band ist - eine Band mit fester Basis im Studio ist, mit weißen Laboranzügen. Tatsächlich aber sind Andy (Mc Cluskey, der Sänger von OMD ;Anm. d.A.) und ich auf der Bühne mit Live-Gigs großgeworden. Tatsächlich war OMD dafür bestimmt, eine Live-Band zu sein. In den Achtzigern haben wir sechs bis acht Monate im Jahr damit verbracht, live zu spielen und rund um die Welt zu reisen. Wir sind damals beinahe jeden Abend aufgetreten!
?: In Deutschland gibt es aber nur vier Konzerte von euch. Folgen weitere?
Claudia Brücken: OneTwo steht erst am Beginn, doch wollen wir so viel touren wie möglich, um uns zu etablieren und schließlich mit Tourneen nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika vertreten zu sein. In der zweiten Jahreshälfte wollen wir eine weitere Single aus dem Album veröffentlichen und eine weitaus ausgedehntere Tour unternehmen, um sie zu promoten.

Jens Höhner


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