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  Interview ::: Hot Club De Paris
Review

Unsere CDs haben wir bei der laufenden Tour schon ausverkauft

Februar 2007

Wie wird man eigentlich heute als Popband berühmt? Da gibt es den klassischen Weg: Erst einmal ein gutes Programm haben, für ganz wenig Geld in kleinen Clubs spielen und sich so Bühnenerfahrung erwerben. Dann von dem Trendscout einer Plattenfirma als veröffentlichungswürdig eingestuft werden, für eine schon bekanntere Band die Vorband sein, im Radio gespielt werden. Um sich dann endlich selbst in den Vordergrund stellen zu dürfen. Kurz und gut oder vielmehr lang und hart: Ein steiniger Weg nach oben.

Heute, da das Zauberwort Web 2.0 in aller Munde ist, was nichts anderes heißt, als dass es heute ganz leicht ist, Inhalte ins Internet zu stellen, also eben auch die eigene Musik, kann der Weg nach oben weit schneller verlaufen. Immer mehr Bands gestalten sich ein Bandprofil bei der Social Networking Plattform MySpace. MySpace ist eigentlich ein schön anschauliches Beispiel dafür, wie man sich heute als Musiker effizient darstellt. Ein MySpace-Profil mit vier Musikstücken, Videos, Bildern zu haben, ist schon fast selbstverständlich. Da stehen Profile von ganz bekannten Bands wie gleichberechtigt neben den vielleicht ersten Aufnahmen von Musikern überhaupt. Zwar wird es demnächst regionale Töchter von MySpace geben, also auch in Deutschland, aber bislang ist die Redaktion von MySpace in den USA ansässig. Wenn die sich nun entschließt, eine Band auf der Startseite der Plattform besonders herauszustellen, ist diese Band innerhalb weniger Tage einem Millionenpublikum bekannt. So geschehen mit der Liverpooler Band Hot Club De Paris. Ihre Debüt-CD "Pop It Till It Drops" ist vor wenigen Monaten in England und nun auch in Deutschland erschienen. Gerade auf Tournee, sind sie von MySpace zu "Top Artists" erklärt worden. Zwar kennen Hot Club De Paris auch den steinigen Weg und werden in England von der BBC im Radio gespielt, aber die freundliche Unterstützung von MySpace hat der Band trotzdem einen deutlichen Karriereschub beschert. discover hat die Newcomer aus Liverpool getroffen.


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"Wenn ich meinen Job aufgebe und nur noch rumhänge, dann kann ich mich endlich ganz auf das Denken konzentrieren. Ich kann den ganzen Tag lang einen Ball an die Wand werfen oder zählen, wie oft die Nachbarn die Treppe rauf und runter gehen." So ironisch distanziert besingen Hot Club De Paris Arbeitslosigkeit. Hot Club De Paris, wie sie sich nennen, in Anlehnung an den Hot Club De France in Paris, in dem früher Django Reinhardt gespielt hat. Doch Hot Club De Paris kommen aus Liverpool, der Stadt am Mersey. Mit dem gleichnamigen Beat und den frühen Beatles haben sie allerdings wenig zu tun. Sie sehen ihre musikalischen Wurzeln im Punk-Rock: Paul Rafferty, Bass, Matthew Cameron Smith, Gitarre, Matthews Bruder Alastair, Schlagzeug. - Und alle drei: Gesang.

"Die nostalgischen Bands und Fans kommen alljährlich zum Matthew Street Festival", sagt Paul, "aber Liverpool hat eine ganz gesunde Szene mit neuer Musik und ist doch heute auch mit anderen Dingen beschäftigt. Im Moment ist die Stadt eine einzige Baustelle, weil sie ja nächstes Jahr europäische Kulturhauptstadt sein wird. Ich weiß nicht, warum man der Stadt diesen Titel gibt", sagt er ein wenig spöttisch. "Im Moment stellen sie eine riesige Menge neuer Dinge in die Stadt. Na, das ist bestimmt eine gute Sache für Liverpool."

Hot Club De Paris gibt es seit drei Jahren. Für oft nur 50 Pfund Gage pro Abend sind sie lange Zeit durch die kleinen Clubs in England getingelt - und haben sich so allerdings auch einen eigenen Stil erspielt: "Weniger ist mehr", könnte er heißen: Zu sehen sind drei junge Männer mit unauffälligen Kurzhaarschnitten. Eine Bühnen-"Show" findet nicht statt. Effektgeräte, die den Klang variieren, haben sie nicht. Bei ihnen spielt wirklich die Musik die Hauptrolle.

"Es lässt dir keinen Raum für Fehler", sagt Paul. "Gitarre, Schlagzeug, Bass: Einfach nur das. Also, wenn du Fehler machst, fällt es wirklich auf. Und dann stehst du als schlechter Musiker da."

Statt in Effektgeräte haben sie in intensive Probenarbeit investiert. Hot Club De Paris experimentieren ausgiebig mit Rhythmen. Einen gradlinig durchlaufenden Vier-Viertel-Takt als Grundlage eines Songs haben sie so gut wie nie. An ihrem Harmonie-Gesang orientiert, flechten sie Passagen im Sieben-Achtel oder Fünf-Viertel-Takt ein. Das lässt ihre Musik nicht nur sehr dynamisch klingen, es ist derzeit auch ein Trend in der so genannten Independent-Szene. Eine Independent- oder Indie-Band zu sein, heißt ja heute nicht mehr, bei einer kleinen, unabhängigen Plattenfirma zu veröffentlichen. Indie ist längst ein musikalischer Stil: Ein wenig schrammelig klingender, postindustrieller Gitarrenrock. Er ist nicht nur in vielen Werbespots und Jingles zu Sendungen im Fernsehen als der Soundtrack für das Lebensgefühl des digitalen Zeitalters zu hören, er wird auch von im Musikgeschäft immer mächtiger werdenden Internetfirmen wie YouTube und MySpace massiv beworben. Hot Club De Paris hatten vor einigen Wochen das Glück, von der Redaktion MySpace zu einem der Top Artists erklärt worden zu sein. Das zeigte Wirkung:

"Unsere CDs haben wir bei der laufenden Tour schon ausverkauft, sagt Matthew. Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, uns Nachschub zu pressen, aber die haben es bisher nicht geschafft."

Hot Club De Paris sehen sich selbst aber vor allem als gestandene Liveband und nicht als ein durch das Internet hochgespültes Produkt. Ohne die harten Jahre mit kleinen Gagen und unzähligen Auftritten würden sie nicht so klingen, wie sie es heute tun. Das Internet nutzen sie ganz pragmatisch: Sie haben ihre eigene Homepage nicht aufwändig gestaltet, sondern verweisen dort direkt auf ihr Bandprofil bei Myspace.

Es gibt schon eine Menge Bands, die ihre Internetpräsenzen sehr gut einsetzen. Aber oft sind das Bands, die es schon länger gibt als das Internet. Die haben ja auch was zu erzählen und sind schon bekannt. Für eine junge, unbekannte Band ist das nicht so einfach. Die kann lange warten, bis mal ein paar Fans ihre Internetseite entdecken.

Peter Backof


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