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  Interview ::: Turbo A.C.'s
Review

"Inspiration ist ok!"

August 2005

2005 dürfte tatsächlich das Jahr der Tubro A.C.'s werden - ihr fünfter Longplayer "Avenue X” jedenfalls könnte sie fraglos zu den Punkrock-Überfliegern der Saison machen. Grund genug, mit Sänger und Gitarrist Kevin Cole ein wenig ausführlicher zu plaudern.

Turbo A.C. Weitere Inhalte zu Turbo A.C.'s

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?: Ihr lebt und arbeitet in New York - seid ihr alle drei dort aufgewachsen?
!: Ich selber bin in Chicago geboren, aber die beiden anderen stammen tatsächlich aus dieser Stadt. Michael, unseren Bassisten kann man so richtig als waschechten New Yorker bezeichnen - er ist in der Bronx groß geworden.
?: Ist der Big Apple nach wie vor ein gutes Pflaster für Punk Rock?
!: Von hier stammen die Ramones, das CBGB's kennt wohl jeder - von seiner Geschichte her ist New York sicher die Stadt des Punk Rock. Aber natürlich liegt das alles schon ein paar Jahre zurück, die ganz großen Zeiten sind sicherlich vorbei. Trotzdem, der Untergrund ist nach wie vor äußerst aktiv, es gibt eine Menge Clubs, in denen man spielen kann und eine Unzahl von Bands. So gesehen ist New York tatsächlich immer noch ein gutes Pflaster. Traditionell ist die Stadt aber nun mal auch die Metropole des Hardcore, und auch wenn dieser ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen hat und lange nicht mehr so stark ist wie einst, ist die Szene nach wie vor eine sehr aktive mit einem großartigen Zusammenhalt.
?: Mit der die Turbo A.C.'s aber sicherlich weniger zu tun haben...
!: Klar, seit einiger Zeit zumindest. In den Anfangszeiten gab es schon einige Verbindungen, besonders Mike war ziemlich tief in der Szene drin. Die Turbo A.C.'s haben dann aber einfach einen anderen Weg eingeschlagen.
?: Ihr sprecht von euch als waschechte Punkrocker, Surf Punk aber ist ein Begriff, der ebenfalls häufig in Verbindung mit eurer Band gebracht wird.
!: Was völlig ok ist, ich habe heute schon überlegt, surfen zu gehen. Außerdem bin ich seit Jahren vom Surf Sound und der Surf-Gitarre im Stile eines Dick Dale inspiriert. Natürlich passen wir nicht in das Raster des California Punk'n'Surf, aber Bands wie die Dead Kennedys haben mit ähnlichen Stilmitteln ja auch schon gearbeitet.
?: Ein gutes Stichwort - der Gitarrensound von "Do You Feel Lucky?" klingt stark nach ihnen. Absicht oder Zufall?
!: Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn jemand in unseren Songs andere Bands wiederfindet, in diesem Fall freuen wir uns sogar sehr darüber. Es wäre ja auch unsinnig, behaupten zu wollen, wir wären nicht von diesen Bands beeinflusst. Trotzdem geht es uns nicht darum, deren Stil zu kopieren - es kommt des öfteren vor, dass wir ein Stück wieder umschreiben oder sogar ganz verwerfen weil wir merken, dass wir uns damit zu stark in eine bestimmte Richtung bewegen. Inspiration ist ok, abkupfern nicht. Ich denke, dass ist uns über die Jahre auch sehr gut gelungen, haben wir es geschafft, einen ganz eigenen Turbo-A.C.'s-Sound zu schaffen, der auf seine Art unverwechselbar ist.
?: Mit "Avenue X" veröffentlicht ihr euer fünftes Album: Wird es über die Jahre einfacher, eine Platte zu machen, bekommt man so etwas wie Routine?
!: Dass es unbedingt einfacher wird würde ich nicht behaupten. Aber sicherlich tut man sich in manchen Punkten leichter, als das bei den ersten ein, zwei Alben der Fall war. Für mich allerdings war "Avenue X" ein großer Schritt, da ich das Album selber produziert habe.
?: Eine Doppelbelastung, mit der du aber gut zurecht gekommen bist?
!: Ja, auf jeden Fall. Das hat mich eigentlich nur zusätzlich motiviert. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es mal an der Zeit war, das umzusetzen, was ich bei den letzten Alben so gelernt hatte. Zwar haben wir unsere ersten Sachen auch selber aufgenommen, aber von produzieren kann man da nicht wirklich sprechen... Eine Zeitlang bestand auch die Überlegung, dass Euroboy die Platte produziert. Leider sind ihm dann aber die Aufnahmen zum nächsten Turbonegro-Album in die Quere gekommen, zudem hätten wir dafür nach Oslo gemusst, was doch etwas zu teuer gewesen wäre.
?: Die Verbindung zwischen den Turbo A.C.'s und Turbonegro scheint eine enge zu sein...
!: Ja, wir verstehen uns phantastisch und haben sehr viel Kontakt, unsere Releaseparty haben wir in Hamburg im Rahmen eines Treffens der Turbojugend veranstaltet. Dabei sind wir selber nicht mal Mitglied...
?: Du bist also nicht Präsident des Chapters New York?
!: Nein, auch wenn ich so eine Jacke habe...nein, wir wollen uns da auch nicht zu tief mit reinstecken lassen. Die Turbo A.C.'s sind die Turbo A.C.'s und auf ihre Art unverwechselbar. Es geht uns darum, unseren eigenen Weg zu gehen - und nicht als Turbonegro-Coverband oder was auch immer gesehen zu werden. Was manche Leute in Hamburg tatsächlich getan haben.
?: "Avenue X" ist von einer ausführlichen Tour durch Europa begleitet. Fühlt ihr euch wohl auf dem alten Kontinent?
!: In Europa zu spielen war schon immer eine großartige Sache, wir sind hier von Beginn an mit offenen Armen empfangen worden, was wirklich toll war. Zwar läuft es in den USA mittlerweile auch ganz gut für uns, aber der Anfang hier war alles andere als einfach - unser Debüt ist hier ja sogar erst mit zweijähriger Verzögerung erschienen.
?: Eine frustrierende Erfahrung...
!: Und wie! Du machst ein Album und es erscheint nicht mal in deiner Heimat - da fragt man sich schon, was man eigentlich falsch gemacht hat. Aber wie gesagt, mittlerweile geht es auch hier nach oben für uns. Letztendlich ist diese Entwicklung vielleicht gar nicht mal die schlechteste. So zumindest haben wir uns 100-prozentig darauf konzentrieren können, die Band schrittweise aufzubauen.
Es ist uns unglaublich wichtig, alle Fäden in den Händen zu halten - zumindest so lange, wie das einigermaßen zu bewerkstelligen ist. So machen wir zum Beispiel nach wie vor alle unsere T-Shirt-Designs selber. Aber genau das ist es ja auch, was Punk Rock ausmacht.

?: Sind die Turbo A.C.'s eine demokratische Band?
!: Hm, ich schreibe einen Großteil der Songs, um erst anschließend die Stücke mit den anderen beiden zu überarbeiten. Trotzdem haben wir alle drei letztendlich das gleiche Mitspracherecht. Ja, ich würde schon sagen, das wir eine demokratische Band sind.
?: Kennt ihr euch schon seit Schulzeiten?
!: Nein, Michael war immer in meinem Freundeskreis, irgendwann haben wir beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Kevin hat dann irgendwann angefragt, ob er bei uns Schlagzeug spielen könnte - er war der einzige von uns, der ein Auto hatte, also haben wir sofort ja gesagt!
?: Was hat dich persönlich zur Musik gebracht?
!: Ich habe schon mit drei Jahren gesagt, dass ich ein Instrument spielen möchte. Mit sechs Jahren habe ich begonnen, Schlagzeug zu spielen, irgendwann kam die Gitarre und der Gesang dazu und natürlich die ersten Bands. Meine Mutter ist Opernsängerin, so dass ich sehr früh mit Musik in Berührung gekommen bin. Allerdings ist klassische Musik nicht so ganz mein Fall, und auch wenn sie mit dem, was ich mache, wahrscheinlich nicht so viel anfangen kann, gibt sie mir doch immer wieder neue Anstöße, versorgt mich mit Ideen, wenn ich neue Songs schreibe.
?: Und hat dir von Anfang an auch die entsprechende Unterstützung gegeben?
!: Nein, das kann man so nicht sagen. Im Gegenteil, wirklich begeistert war sie nicht von der Aussicht, dass ich Musiker werden wollte.
?: Nach dem Motto "tu dir nicht das an, was ich mir angetan habe"?
!: Ja, das kann man so sagen. Ihre Musik hat ihr zwar viel Spaß gemacht - sie ist inzwischen nicht mehr aktiv - aber sie hat eben auch die ganzen Schattenseiten kennen gelernt. Vor denen wollte sie mich wohl schützen...

Arnulf Woock


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